Haimo L. Handl

Podium Porträt Nr. 72


Haimo L. Handl wurde 1948 in Feldkirch/Vorarlberg geboren, wo er aufwuchs. Er arbeitete zunächst als Angestellter im kaufmännischen Bereich. Später Studium in Wien (Mag. Phil., Dr. phil.) und in Virginia, USA (MA, Pol. Sc.). Freiberufliche Tätigkeit als Consultant und Qualitätsmanager, über 20 Jahre als Universitätslektor an der Uni Wien (Publizistik/ Kommunikationswissenschaft und Politikwissenschaft), Erwachsenenbildung. Dazwischen Projekte als Dramaturg in einem Wiener Kleintheater bzw. Mitarbeit beim Österreichischen Filminstitut. Die dramatisierte Fassung von "Nachtschatten" wurde 2007 im Theater Pygmalion, Wien, uraufgeführt.
Redakteur beim Internet-Portal kultur-online.net seit 2004, wo auch Haimo L. Handls wöchentliche Kolumne "Wort zum Sonntag" erscheint. Schreibt seit seiner Jugend, vor allem Prosa und Essays. Seit den Siebzigerjahren zahlreiche Reisen in Mittel- und Nordeuropa, Nordamerika und einigen afrikanischen Ländern.
Seit 2010 Herausgeber von DRIESCH - Zeitschrift für Literatur & Kultur (ISSN 2078-6433), die vierteljährlich im 2008 gegründeten Kleinverlag Driesch, der dem Bildungs- & Kulturverein GLEICHGEWICHT gehört, erscheint.

Werke:

Die gerettete Botschaft. Katalog zur Ausstellung, Wien 1985
Die Abwesenheit. Katalog zur Ausstellung, Wien 1988
Nachtschatten Hörbuch. CD & Booklet, Wien 2005
Schauhör. Kulturkolumnen, Wien 2007
es war hell geworden. Ein Dialog zwischen einer älteren Frau und einem älteren Mann in Hiroshima am 6. August 1945, Drösing 2009
drinnen & draußen. Kurzprosa, Drösing 2010
drinndraußen. Hörbuch. Mit Eigenkompositionen von Düzgün Celebi auf der Baglama. CD, Drösing 2010
Anmerk. Kulturkolumnen 2008-2009, Drösing 2010
Schnee von morgen. Kulturkolumnen 2010-2011. Drösing 2012
Abseits. Kulturkolumnen 2012, Drösing 2013
Wewnqtrz & na zewnqtrz. opowiadania i poematy. Przeklad: Paulina Górak, Czeslaw Los, Joanna Marszalek, Amelia Miodunka, Dorothea Müller-Ott, Adriana Nowatorska, Renata Zaluska, Joanna Ziemska: Redakcja: Joanna Ziemska: Ilustracje wykonal Robert Petschinka, Drösing 2013

Zusätzliche Publikationstätigkeit als Herausgeber.

Leseprobe


Das Erstaunen

Damals, damals waren die Schatten länger geworden.
Und ich erinnerte mich.
Noch früher, da war der Abyssus,
in den ich blickte und plötzlich klar erkannte,
was ich nicht sehen wollte,
was mich dennoch trieb es anzusehen und zu schauen
und zugleich zu wissen.
Ich konnte es kaum aushalten.
Ich wollte es nicht für mich behalten,
aber ich brachte kein Wort hervor,
ich blieb stumm, stumm.
Es war wie ein Blick in die andere Welt,
in einen fremden Spiegel.


Und wäre,

während Verkehrslärm mich schützend umhüllt
und Massen von Menschen,
wie ein Teppich schwebend im Märchen Verwegener,
dein Blick,
der mich trifft,
ich träte liebend gerne heraus aus dem Strom,
nur, um gesättigt für die nächsten Augenblicke
zurückzusinken.
Freundlich die Gesichter,
auch wo Maske verschlossenes Antlitz verbirgt,
was sonst mehr schreckte:
das Gesichtslose.
Wie Menschen, wie du und ich,
fremd und freundlich,
ein Versprechen vielleicht.

*

draußen

draußen, dort, war niemand
drinnen, hier, war ich
heute bin ich woanders und rede von damals
erinnere mich an das drinnen
das drinnige
den heimeligen raum
heute bin ich draußen

*

Offen die Straße

nah prallt mein Blick
an Wänden bröckelt er ab
bröselt, zerstäubt
fällt in den Straßenstaub
Konturen brechen
Häuser wanken
nur die Wände halten noch
meinen Blick
gefangen
die andere Welt
bleibt verborgen
unbekannt
eine trügerische Verheißung
für schwache Träume eines
Gestrauchelten
der ausweichen wollte
der nur noch Geräusche hört
Lärm der Stadt
der nichts Anderes durchlässt
von drüben
wohin mein Auge nicht reicht

*

Mein Finger ist keine Kröte

die im Sumpf hockt
auch wenn er zeigt
will er fassen
aber das Abendessen wird
heute nicht serviert
denn die Köchin ist gegangen
und das Mädchen kann nichts
Anderes als das Übliche
und das ist nicht Kochen
Grillengedröhn verdirbt die Stille
sogar in der Stadt
stört es den Verkehr
der Pendler
die sich heim- und fortbewegen
hin und her
vor und zurück
geordnet, auch wo es chaotisch anmutet
dumpf, leer, nichtig
weshalb alles stört
was auf- und einfällt
heute müssen wir ins Gasthaus
auch keine Abwechslung
in diesen grellen Zeiten.

*

Haimo L. Handl: Ausgewählte Gedichte. Vorwort: Manfred Chobot. 64 Seiten, Euro 6,-. Podium
(Podium Porträt 72), Wien 2013. ISBN 978-3-902886-06-4

 

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