Joachim G. Hammer

Podium Porträt Nr. 80


Joachim G. Hammer wurde 1950 in Graz geboren, Studium der Biologie, Physik und Chemie; zahlreiche Veröffentlichungen im Rundfunk, in Zeitschriften und Anthologien des In- und Auslandes; Mitglied der Grazer AutorInnenversammlung, des Podium und Europa-Literaturkreises Kapfenberg, der IG Autorinnen Autoren und der Österreichischen Haiku Gesellschaft. Hammer schreibt dzt. hauptsächlich Lyrik, Haiku und Kurzprosa; viele seiner Gedichte wurden in verschiedene Sprachen übersetzt.

Gedichtbände:

Karneval. dbv-Verlagsgesellschaft, Graz 1979 (vergriffen)
Lurenbläser. Merkur Verlag, Graz 1980 (vergriffen)
Verrückung. Merkur Verlag, Graz 1983 (vergriffen)
WAHRnehmung. Leykam Verlag, Graz 1986
Gedichte zur Wende eines dunklen Rückens. Leykam, Graz 1987
Vom Zuhause der Wörter. Band 16, Werkgruppe Graz 1987 (vergriffen)
Aschenlieb. Verlag Grasl, Baden - Wien 1989
Scheinwerfer. Leykam Verlag, Graz 1993
Der blaue Kürbis. Leykam Verlag, Graz 1995
Noch grünt ein Rauschen. Band 24, Werkgruppe Graz 1995 (vergriffen)
Schattenspiele. Verlag Grasl, Baden - Wien 1998
Dunkelrote Mischung. 17-Silber und Tanka. Edition Doppelpunkt, Wien 2001
Frostspanner. Edition Doppelpunkt, Wien 2003
Flöten gehen. Verlag Kitab, Klagenfurt - Wien 2005
Finsternis Sonne Ich. Verlag Kittab, Klagenfurt - Wien 2006
Der firnschwarze Mond. Haiku Senryu. Verlagshaus Hernals, Wien 2010
Wind Räder Wind. Verlagshaus Hernals, Wien 2011
Spiegelklänge aus dem Schlaflabor. Verlagshaus Hernals, Wien 2013
Die Schattenflöte (ca. 400 neue Siebzehnsilber). Verlagshaus Hernals, Wien 2014

Übersetzung:

Stranstwane po hrebet (Gratwandern). Ausgewählte Gedichte, ins Bulgarische übersetzt, Sofia 2001

Leseprobe


Der Garten

Nur im Schlaf erreicht dich sein Geruch, über
trittst du vielleicht den äußerst lebendigen
Zaun, und dann von Erinnerungen zu schwer
kannst du dich nicht mehr erheben,
kein Wecker des Alltags vermag
dich aus dem Glück zu schellen,
auch die Sonne ist machtlos
und kann deinen Schatten nicht mehr bewegen,
nichts meint dein alter Name,
nichts bedeutet dein Schweigen, und
die Stimmen deiner Kinder sind
fremdes Vogelgezwitscher um
tausend und keine
Ecke.

*

Benachrichtigen Sie mich endlich
von meinem Tod,
vergrößern Sie die Gewißheit,
daß ich längst nicht mehr bin,

beinahe unbemerkt,

wäre da nicht die kleine Schramme gewesen im Föhn,
der schwelende
Widerschein eines Leibes und die Unmöglichkeit
im Zusammenhang noch einen Sinn zu finden,
an jeder Hand fünf Augen
und das Mondlicht plötzlich

honigsüß.

*

Resonanzhölzer 2

Einer, den Bäume erzogen, ist tot.

Sein zweites Ich war grün und sang,
wenn es der Wind ergriff,
warf Blätter ab

mit Adern dunkler Verse,
der Schweigen Partitur.

In einer Wolke den August hinab
sah er auf einem Floß
sich weißgrau liegen, seiner
so gewiß wie nie

in dieser Stratocumulus.

Einer, den sich das große Rauschen
ins Licht gepflanzt,

ist still.

*

Thanatographie

Einige seiner späten Sätze
überragen das Stichhaltige emsig
gekreuzter Daten

sonnentief an Wirklichkeit;

zuletzt hat ihn
das Unverständnis der Mitwelt
umnachtet

und selbst der Spiegel
nicht mehr reflektiert.

*

Griechischer Mittag

Treten wir sommers aus dem schattigen Haus,
leuchtet ein erschreckendes Gelb überm
Schädeldach auf, die stengellos
blühende Sonne,
deren Distelblick die Verwesung beschleunigt
und schwarze Ziegen in die Dämmerung des Ölbaums scheucht;

entziffert zeigt sie die immergrüne Sekunde, ein lichtes Verhängnis,
kristallisiert das Salz auf der Haut und sammelt, geruchlosen Strahles,
den Schweiß

und das Harz in Nadelgehölzen,

verschwendet sich,
während die Sterblichen finster irgendein Truggold horten.

*

Gratwandern

Muscheln und Seestern unterm Bergschuh,

dem Faltenwurf Gestein entlang,
auf seinen Spitzen
die Tiefe erfahren der Welt,

den großen Schwindel,
wenn die Nacht herandreht,
dir leuchtend ins Wort fällt

mit kosmischem Staub.

*

Joachim G. Hammer: Ausgewählte Gedichte. Auswahl, Vorwort: Christian Teissl. 64 Seiten, ill., Euro 6,-. Podium (podium porträt 80) Wien 2015. ISBN 978-3-902886-17-0