Stephan Eibel Erzberg

Podium Porträt Nr. 71


Biographie Stephan Eibel Erzberg

1953 in Eisenerz geboren, 1968 bis 1971 Lehre mit einem Lehrabschluß als Bürokaufmann, Nettolohnrechner bei der VOEST Alpine; ein halbes Jahr intensive, systematische Demütigung durch die beruflich angestellten Soldaten des österreichischen Bundesheeres; 1973 Maturaschule Roland jeweils vormittags, nachmittags verschiedene Erwerbsarbeiten: Dachverkitter, Schreibmaschinenzusteller, Prüflingseinteiler …
1976 Matura und Beginn verschiedener Studien an den Wiener Universitäten, zwei Jahre Gestalter der Radiosendung "Literatur im Untergrund". 1979 Ausrufung zum freien Schriftsteller. 1980 informelles Ende meiner Universitätsstudien; Franz Schuh, Elfriede Gerstl und Ernst Jandl schlagen mich für die Aufnahme in die Grazer Autorenversammlung vor - Aufnahme in die GAV. Promotion zum Dr. phil. 1994 intensive Kunstgespräche am Pazifik mit Paul Harrather. 1999 Geburt unserer (mit Bettina Steiner) Tochter Hannah (siehe "gedichte zum nachbeten": "hannah" - das Gedicht, welches allen anderen vorangestellt ist); 2000 Heirat mit Bettina Steiner; 2003 Geburt unserer Tochter Marlene (siehe das Gedicht "marlene" in "gedichte zum nachbeten").

Bücher:

Die geplante Krankheit. Österreichische Staatsdruckerei/Brandstätter Verlag, Wien 1985
Lehrhaft. Europaverlag, Wien 1985
In Österreich weltbekannt. Edition Freibord, Wien 1991
Problem Numero 6. Edition Das fröhliche Wohnzimmer, Wien 1991
Schwester. Edition Splitter, Wien 1992
luxusgedichte. Deuticke Verlag, Wien 1995
gräber raus aus den friedhöfen. Editon Splitter, Wien 1996
tschechow. Edition Splitter, Wien 1998
Bei den Fischers. Bei den anderen Fischers. Deuticke Verlag, Wien 2000
gedichte zum nachbeten. Edition Milo im Verlag Johannes Lehner, Wien 2007
sofort verhaften! Edition Milo im Verlag Johannes Lehner, Wien 2008
licht aus. Styria Verlag (styria premium), Graz 2012

Theaterstücke:

Pomaschka. Uraufführung 1982 am Wiener Volkstheater (im Rahmen der Wiener Festwochen)
Café Noir. Uraufführung 1988 im Theater im Künstlerhaus in Wien durch Hubsi Kramar und die Showinisten
Das Verantwortungsbüro (gemeinsam mit Mansur Madavi). Uraufführung 1988 im Theater im Künstlerhaus in Wien durch das Aktionstheater
Schwester. Uraufführung 1990 im Theater Der Kreis von George Tabori (im Rahmen der Wiener Festwochen)
Bei den Fischers. Uraufführung 2000 zum "Bregenzer Frühling" im Bregenzer Festspielhaus durch das Aktionstheater

Viele poetische Aktionen.

Leseprobe


17. 12. 2001

vor einem jahr noch
vor drei jahrzehnt schon
ernstn jandl so gern gelesen

wenn ich heut ein buch
von ihm les
les ich ein buch von einer leich

wenn ich morgen ein buch
von ihm les
les ich ein buch von einer leich

wenn ich mich an kein einziges buch
vom ernstn jandl erinnern kann
und nicht schlaf
dann bin ich auch eine leich

aber eine
die ernstn jandl viel
und so gern
gelesen hat

*

16. 11. 2005

wo sind sie geblieben
wo sind sie hin

die vielen, die gewusst haben
woher der wind weht
wo's langgeht

wo sind sie geblieben
wo sind sie hin

im sarg sind sie drin
dort sind sie hin

*

kind

irgendwann werd ich dir sagen
daß ich dort und dort
irgendwann werd ich dir sagen
daß das auch schon lange
irgendwann werd ich dir sagen
daß ich immer einer
irgendwann werd ich dir sagen
daß ich schon früher
irgendwann werd ich dir sagen
daß das alles und schon wieder
irgendwann werd ich dir sagen
daß ich in diesen räumen
irgendwann werd ich dir sagen
daß die tagebücher und sehr viele
irgendwann werd ich dir sagen
daß auch die wenigen viel
irgendwann werd ich dir sagen
daß das wasser und die blätter
irgendwann werd ich dir nicht mehr sagen können
daß auch ich

*

der märz

ist wie ein brief in mein herz
wie hiebe ohne schmerz
der märz
ist wie erben ohne sterben
und noch dazu:
frisches gras für die kuh

*

im ersten waggon
klingelt das telefon
die stimme fragt:
wo ist die liebe
wenn sie nicht da ist?
antwort aus dem telefon
: im zweiten waggon

*

große verbrechen und unmöglichkeiten

gleich früh am morgen
haut bettina mich aus dem nest
stellt unmögliches fest

sie hat die extrawurstblattln gezählt
vier fehlen der welt

ich verzieh mich still in mein zimmer
und versprech: ich tus nimmer

*

mich stört nur
mein hang zur
diktatur

*

katholisches gedicht
(von einem heimatdichter aus österreich)

gott, wir danken dir
dass die neger verhungern
und nicht wir

*

Stephan Eibel Erzberg: Ausgewählte Gedichte. Nachwort: Michel Heltau. Podium Porträt 71. 64 Seiten,
ISBN 978-3-902886-04-0