Friedrich Hahn

Podium Porträt Nr. 63


Friedrich Hahn ist Schriftsteller des Jahrgangs 1952. Geboren wurde er in Merkengersch, einem kleinen Ort im niederösterreichischen Waldviertel. Er schreibt und veröffentlicht seit 1969. Daneben verschiedene Brotberufe. Seit 1999 widmet er sich hauptberuflich dem Schreiben. Er lebt und arbeitet in Wien. 27 Einzelpublikationen, 17 Hörspiele und 8 Arbeiten fürs Theater. Iris Radisch (Die Zeit) zählt Hahn zu den "Erben der Wiener Schule". Und Harald Klauhs (Die Presse) erinnern Hahns Texte an den Großmeister der short story, an Raymond Carver. "Die Sprache ist es, die etwas will", so hat es Hahn selbst einmal formuliert. Er probiert sich an der Sprache aus. Und die Sprache wiederum an den verschiedensten Genres. "Ein Allrounder und Equilibrist also" (Wiener Zeitung). Hahn ist zudem immer wieder als bildender Künstler hervorgetreten.

Bücher und Buchobjekte (Auswahl):

die kältefalle (Rhombus Verlag, Wien 1979); schnee (Rhombus Verlag, Wien 1980); kopfstimmen. 52 gedichte (Edition Roetzer, Eisenstadt 1981); E ist sonst ein buchstabe (Ritter Verlag, Klagenfurt 1986); karst (Edition Umbruch, Mödling 1987); innig getrennt. neue liebesgeschichten (Flutlicht Verlag, Wien 1989); klare bilder/wirre texte. gedichte (Flutlicht Verlag, Wien 1991); vom ausland der gefühle (Literaturedition NÖ, St. Pölten 1992); im versteck der jahre. gedichte (Grasl Verlag, Bad Vöslau 1992); halbe sachen. neueste stories von der liebesfront (Flutlicht Verlag, Wien 1995); hirnsegel blickdicht. letzte liebesgedichte (Deuticke Verlag, Wien 1998); ohren in ruhestellung. gedichte (Grasl Verlag, Bad Vöslau 2000); ich?wir??wer??? (Flutlicht Verlag, Wien 2000); neuherz. erzählungen (Bibliothek der Provinz, Weitra 2001); meine freunde die müllmänner (Passagen Verlag, Wien 2002); im rücken des schattens. 3 theaterprojekte (Flutlicht Verlag, Wien 2003); eintextisteinbildisteintext. gedichte (Literaturedition NÖ 2004); wie gesagt. neue zyklen (Passagen Verlag, Wien 2005); EGAL. roman (Verlag Der Apfel, Wien 2007); Von allem Ende an. Roman (Edition Laurin 2010); und besorgte mir stufen für meine schritte. gedichte (Passagen Verlag, Wien 2011); Mitten am Rand. Roman (Edition Laurin 2011)

Hörspiele (Auswahl):

hochhaus/bei offenem fenster (ORF 1982); K I N O (ORF 1984); die tage der weißen steine (ORF 1985); LÖSS (ORF 1989); adolfzwo und das ewige kind doufi (ORF 1987); ein fall von liebe (ORF 1990); losgelassen (ORF 1993); meine tolle freundin (ORF 1994); winter im kopf (ORF 1998); XANTHUS DONG (ORF 1999); der punkt und die 88 tasten (DLR Berlin 2000); im rücken des schattens (ORF 2003); undumundum autorenproduktion (ORF 2008). Weiters publizierte Hahn die Features "die letzte fahrt", "der vernissageprofi", "der pinselschwinger" sowie Arbeiten für das ORF-Kunstradio.

Ferner: Acht Arbeiten für die Bühne (zuletzt "im rücken des schattens", Donaufestival & die rampe/Stuttgart, 2004), Ausstellungen und Veröffentlichungen in div. Katalogen (u.a. Museum des 20. Jahrhunderts, Centre Pompidou, etc.).

Leseprobe


rohes insekt ohne flügel
vom sommer hin zu heiteren himmeln
luftige geister
löchrige hörner
alles wird stille
wenn plötzlich die zeit stillsteht

dein wehendes haar
sommerüber in den mühlbach gekippt
du treibst in einem versenkten schuh

unterm strich ein nachbeben
schmerzen sind da
um weh zu tun

etwas zerfällt
särge häuser der wind
sie wissen
sie spielen
sie wissen
sie sind untrügliche zeichen

*

die wand macht die mauer
begegnungen mit der erde
grundrisse pendeln
in unterirdischen himmeln
jemand sieht land
wo ringsum nur wasser ist
hoch oben in dünner luft
schwirren die träume

der morgen sagt
ich kann nicht anders
die felder leer
kinder werden in kindergärten
oder in die schule gebracht
in ihre hefte schreiben sie
die seele ist ein schmirgelpapier
und hat viele feinde

*

es ist nur eine idee
dieses jahr würde der winter anders werden
es ist nur eine idee

ein grasbüschel gibt sich stilbildend
rundherum menschen
die nichts besseres zu tun haben
als zu leben
heute der tag
an dem sich das sammeln aufgehört hat

entlang der wehr
verteilt die sonne gerade
tanzende splitter auf den rückenflossen
der karpfen

*

sich in den wind stellen
sich ins fäustchen lachen
eine kälte macht ihren job

waagrecht fallender schnee
du sorgst dich ums feuer
heizt papier ein

die schneeflamme macht
sich übers gehölz her

eine zartheit von der zupackenden art
einer schmelzschokolade

*

häuser werden hochgezogen
um wände zu haben
zwischen diesen
finden dann die verpaarungen statt
sie/die paare/tun es mit großem ernst
ganz oben befinden sich dächer
sie schützen vor den befürchtungen

entweder es ist gut
oder nicht
ein bisschen von allem gibts nicht
das einzige
was im leben funktioniert
ist die angst
alles andere muss verhandelt werden

*

Friedrich Hahn: Ausgewählte Gedichte. Vorwort: Josef Schweikhardt. Podium Porträt 63. 64 Seiten,
ISBN 978-3-902054-95-1