Friedrich Hahn

Podium Porträt Nr. 63

 

Friedrich Hahn ist Schriftsteller des Jahrgangs 1952. Geboren wurde er in Merkengersch, einem kleinen Ort im niederösterreichischen Waldviertel. Er schreibt und veröffentlicht seit 1969. Daneben verschiedene Brotberufe. Seit 1999 widmet er sich hauptberuflich dem Schreiben. Er lebt und arbeitet in Wien. Iris Radisch (Die Zeit) zählt Hahn zu den "Erben der Wiener Schule". Und Harald Klauhs (Die Presse) erinnern Hahns Texte an den Großmeister der short story, an Raymond Carver. "Die Sprache ist es, die etwas will", so hat es Hahn selbst einmal formuliert. Er probiert sich an der Sprache aus. Und die Sprache wiederum an den verschiedensten Genres. "Ein Allrounder und Equilibrist also" (Wiener Zeitung). Hahn ist zudem immer wieder als bildender Künstler hervorgetreten.

Friedrich Hahn hat 40 Bücher und 20 Arbeiten für Rundfunk und Bühne veröffentlicht.

 

Zuletzt erschienen:

    Ausgewählte Gedichte. Wien: Podium, 2012.
    Wie es im Buche steht. Roman. Innsbruck: Edition Laurin, 2014.
    unterm strich. bilder zum lesen. texte zum schauen. Wien: verlagshaus hernals, 2014.
    Der Setzkasten. Oder: Erwin und die halben Luftballons. Roman. Graz: edition keiper, 2015.
    Von Leben zu Leben. Roman. Wien: Verlag Wortreich, 2016.
    Die Schaufensterfrau. Roman. Krems: Edition Roesner, 2016.
    Komme, was wolle. Ein facebook-Roman. Innsbruck, edition laurin, 2017.
    Lasse, das Offensichtliche und die Angst. Fast ein Märchen. Graz: edition keiper, 2017.
    halsüberkopf. 99 mikroromane & 1 fotoessay. Wien: Verlagshaus Hernals, 2017.
    Niemand wird es je erfahren. Novelle. Oberwart: Edition Lex Liszt, 2018.
    Sonja und die weißen Schatten. Roman. Graz: Edition Keiper, 2018.
    Niemand wird es je erfahren. Novelle. Oberwart: Edition Lex Liszt, 2018.
    neben deinen Fußnoten mein alter Schuh. Lyrik. Horn: Verlag Ferdinand Berger & Söhne, 2019

Leseprobe


rohes insekt ohne flügel
vom sommer hin zu heiteren himmeln
luftige geister
löchrige hörner
alles wird stille
wenn plötzlich die zeit stillsteht

dein wehendes haar
sommerüber in den mühlbach gekippt
du treibst in einem versenkten schuh

unterm strich ein nachbeben
schmerzen sind da
um weh zu tun

etwas zerfällt
särge häuser der wind
sie wissen
sie spielen
sie wissen
sie sind untrügliche zeichen

*

die wand macht die mauer
begegnungen mit der erde
grundrisse pendeln
in unterirdischen himmeln
jemand sieht land
wo ringsum nur wasser ist
hoch oben in dünner luft
schwirren die träume

der morgen sagt
ich kann nicht anders
die felder leer
kinder werden in kindergärten
oder in die schule gebracht
in ihre hefte schreiben sie
die seele ist ein schmirgelpapier
und hat viele feinde

*

es ist nur eine idee
dieses jahr würde der winter anders werden
es ist nur eine idee

ein grasbüschel gibt sich stilbildend
rundherum menschen
die nichts besseres zu tun haben
als zu leben
heute der tag
an dem sich das sammeln aufgehört hat

entlang der wehr
verteilt die sonne gerade
tanzende splitter auf den rückenflossen
der karpfen

*

sich in den wind stellen
sich ins fäustchen lachen
eine kälte macht ihren job

waagrecht fallender schnee
du sorgst dich ums feuer
heizt papier ein

die schneeflamme macht
sich übers gehölz her

eine zartheit von der zupackenden art
einer schmelzschokolade

*

häuser werden hochgezogen
um wände zu haben
zwischen diesen
finden dann die verpaarungen statt
sie/die paare/tun es mit großem ernst
ganz oben befinden sich dächer
sie schützen vor den befürchtungen

entweder es ist gut
oder nicht
ein bisschen von allem gibts nicht
das einzige
was im leben funktioniert
ist die angst
alles andere muss verhandelt werden

*

Friedrich Hahn: Ausgewählte Gedichte. Vorwort: Josef Schweikhardt. Podium Porträt 63. 64 Seiten,
ISBN 978-3-902054-95-1

 

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