Hilde Schmölzer

Podium Porträt Nr. 62


Geb. 1937 in Linz, aufgewachsen in Steyr, Matura 1956. Anschließend Besuch der zweijährigen Staatslehranstalt für Photographie in München, nebenbei Schauspielunterricht (Schule Zerboni), dann ein Jahr in einem Fotoatelier in Wien gearbeitet. Nach Bestehen der Eignungsprüfung an der Prüfungsstelle der Sektion Bühnenangehörige in Wien hier weiter Schauspielunterricht, Mitglied einer Pantomimegruppe, Aufführungen an Wiener Kellerbühnen und Inskription an der Wiener Universität in Publizistik und Kunstgeschichte: Promotion 1966. Als Fotografin und Journalistin halb Europa bereist, ein halbes Jahr Aufenthalt in Indien. Heirat mit Peter Haage, ein Sohn, sechs Jahre in München, nach der Scheidung Alleinerzieherin. Etwa 25 Jahre freiberufliche Journalistin und Fotografin in Wien und München für österreichische und deutsche Zeitungen und Zeitschriften, Arbeit beim ORF. Preis der Österreichischen Fachpresse 1989. Hilde Schmölzer war eine der ersten, die sich für die in den 70er-Jahren aufkommenden "Frauenthemen" engagierte. Etwa seit 1990 ausschließlich als Autorin tätig (Schwerpunkt Frauengeschichte). "Phänomen Hexe" (1986) und "Die verlorene Geschichte der Frau" (1990) waren Bestseller. Ab 1992 Mitglied des Österreichischen P.E.N., die letzten Jahre im Vorstand. Ausgeschieden im Frühjahr 2000 wegen politischer Differenzen. Ab 2001 Mitglied der GAV (Grazer Autorinnen Autoren Versammlung) sowie des Österreichischen Schriftstellerverbands, der IG Autorinnen/Autoren und des Literaturkreises Podium. Mitinitiatorin des Frauenvolksbegehrens. Im März 2008 Verleihung des Berufstitels Professorin durch den Bundespräsidenten.

Bücher:

Das böse Wien. 16 Gespräche mit österreichischen Künstlern. Nymphenburger Verlag, München 1973
A schöne Leich. Der Wiener und sein Tod. Kremayer & Scheriau, Wien 1980
Österreich in Farbe (gemeinsam mit Gerhard Tötschinger). Kremayer & Scheriau, Wien 1983
Frau sein & schreiben. Österreichische Schriftstellerinnen definieren sich selbst. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1982
Die Pest in Wien - "Deß wütenden Todts Ein umbständig Beschreibung". Österreichischer Bundesverlag, Wien 1985
Phänomen Hexe. Wahn und Wirklichkeit im Lauf der Jahrhunderte. Herold Verlag, Wien 1986
Die verlorene Geschichte der Frau. 100.000 Jahre unterschlagene Vergangenheit. Edition Tau, Bad Sauerbrunn 1990
Die Frau, das gekaufte Geschlecht. Ehe, Liebe und Prostitution im Patriarchat. Edition Tau, Bad Sauerbrunn 1993
Der Krieg ist männlich. Ist der Friede weiblich? Verlag für Gesellschaftskritik, Wien 1996
Revolte der Frauen. Porträts aus 200 Jahren Emanzipation der Frau. Ueberreuter Verlag, Wien 1999
Das Vaterhaus. Eine autobiografische Erzählung. Edition Doppelpunkt, Wien 2000 (zweite Auflage 2007 bei Kitab, Klagenfurt)
Rosa Mayreder. Ein Leben zwischen Utopie und Wirklichkeit. Eine Biografie. Promedia Verlag, Wien 2002
Die abgeschaffte Mutter. Der männliche Gebärneid und seine Folgen. Promedia Verlag, Wien 2005
Das böse Wien der Sechziger. Gespräche und Fotos. Mandelbaum Verlag, Wien 2008
Revolte der Frauen. Porträts aus 200 Jahren Emanzipation. Zweite erweiterte und aktualisierte Auflage: Kitab Verlag, Klagenfurt 2008
Frauenliebe. Berühmte weibliche Liebespaare der Geschichte. Promedia Verlag, Wien 2009

Die in diesem Band nochmals veröffentlichten Gedichte erschienen 1968 in Indien (Puna Druck I, 1968, Druck: Dabholkar Bros p ltd, Puna - 1 Indien).

Leseprobe


Hilde Schmölzer: Ausgewählte Gedichte

Mein Herz
ist ein zertretenes Blumenfeld
mein Auge
die zerschnittene Goldfrucht
deines Gartens.

*

ein ganzer wald
kommt auf füßen gelaufen
schwarze amseln
fressen mein herz.

*

spanne der hände
knisternde scheiben
leere das glas
leugne die spuren
des verfalls
und trinke den sand
ganz stiller stunden
mit der blume
des nachmittags.

*

Sommer in der Stadt

Junihimmel
pflügt die grauen
Äcker der Stadt.

Rot
bricht die Blüte
im Staub

Ohne Namen
die Augen
ihr Lächeln
ohne Namen.

Türme
zerschneiden
den Tag

In Räderspuren
hat die Sonne
ihr Haupt gelegt.

In Schritte
die Nacht
ihr Warten

*

Paris

Paris
du mit deinen Goldfarben
deinen Glanz-Alleen
und dem Champs-Elysée
am Abend

Paris
du mit deinen Mandelsträußen
deinen Papierblumen
den glacierten Muscheln
und den blauen Schürzenbändern der Concierge.

Paris mit Plüschsofas
mit Spitzenhöschen
mit Straßenfegern,

Paris la blanche
Kokotte der Kokotten
mit zerpflückten Kastanienblüten
und einem Kanarienvogel
der singt
auf den Wasserspeiern
von Notre Dame.

*
     
Wind, Du hast mein Herz in den Baum gehängt

Aus der bleichen Hülle des Tages
steigt
bebender Mondschuh
Nacht.
Ruft die Modergeister
Wassergeister,
und sie weinen
weil
kein dunkler Vogel singt
und der Sternenstab
in meiner Hand gekeltert
friert.

Wind
du bist durch meinen Atem gegangen
du hast mein Herz
in den Baum gehängt.
Roter Lampion
Luftfisch
gleich hinter dem Mond
verloren ein wenig
und stumm.

Rührt mich nicht an, ihr.
Eure Hände sind stark
sie können nicht
den Staub der Sterne halten.
Und doch -
siehst Du?
Immer schlägt es
dem Wind entgegen
mein Herz
im geöffneten Segel
der Nacht.

*

Hilde Schmölzer: Ausgewählte Gedichte. Vorwort: Barbara Neuwirth. Podium Porträt 62. 64 Seiten,
ISBN 978-3-902054-93-7