Wilhelm Szabo

Podium Porträt Nr. 4


Wilhelm Szabo wurde am 30. August 1901 in Wien geboren und verbrachte ab dem zweiten Lebensjahr seine Kindheit bei kleinbäuerlichen Zieheltern im Waldviertel (Lichtenau bei Gföhl). Nach einer Tischlerlehre in Wien besuchte er die Lehrerbildungsanstalt in St. Pölten und war in der Folge als Volks-, dann als Hauptschullehrer an verschiedenen Schulen im Waldviertel tätig. 1937 Verehelichung mit Valerie Lorenz. Von 1939 bis 1945 wurde er aus politischen Gründen außer Dienst gestellt. In dieser Zeit arbeitete er als Holzfäller, Gartenarbeiter, Organist des Stiftes Zwettl und Lektor des Karl Alber Verlags in München. Ab 1945 war er Hauptschuldirektor und Oberschulrat in Weitra, von 1966 bis zu seinem Tod am 14. Juni 1986 in Wien wohnhaft.
Wilhelm Szabo war Vorstandsmitglied des Österreichischen P.E.N. Clubs und Gründungsmitglied des Literaturkreises PODIUM.

Preis und Auszeichnungen
Georg Trakl-Preis 1954, Förderungspreis der Theodor Körner-Stiftung 1957, Kulturpreis des Landes Niederösterreich 1961, Würdigungspreis der Stadt Wien für Dichtkunst 1962; Prof. h.c.
Buchveröffentlichungen
Das fremde Dorf (Gedichte, Krystall Verlag, Wien 1933)
Im Dunkel der Dörfer (Gedichte, Karl Alber Verlag, München 1940)
Das Unbefehligte (Gedichte, Karl Alber Verlag, München 1947)
Herz in der Kelter (Gedichte, Otto Müller Verlag, Salzburg 1954)
Landnacht (Gedichte, Verlag Jugend und Volk [Neue Perspektiven], Wien und München 1965)
Schnee der vergangenen Winter (Gedichte, Erzählungen, Essays, Stiasny Verlag, Graz und Wien 1966)
Schallgrenze (Gedichte, Bergland Verlag, Wien 1974)
Lob des Dunkels (Gedichte 1930 - 1980, Verlag NÖ Pressehaus, St. Pölten 1981)
Zwielicht der Kindheit (Prosa, Verlag NÖ Pressehaus, St. Pölten 1986)
Wilhelm Szabo (Ausgewählte Gedichte, Podium [Podium Porträt 4], St. Pölten und Wien 2001)
Der große Schelm (Übertragung und Einleitung von Liedern Neidharts von Reuenthal, Stiasny Verlag, Graz und Wien 1960)
Trauer der Felder (Nachdichtungen von Gedichten Sergej Jessenins, Stifterbibliothek Salzburg und Verlag der Neugebauer Press, Bad Goisern 1970)
Ferner Herausgeber der Gesammelten Schriften 1932 - 1934 von Friedrich Sacher.

Leseprobe


Heimat

Nehmt es hundert Jahre nicht in den Mund,
dies Wort,
das eure Lippen verfälschten
in einen Namen des Hasses!

Laßt es ausruhen vom Mißbrauch,
auf daß es
verliere den schuldhaften Klang
und nicht Ausschließendes mehr benenne,
nicht Hinterwald, feindliche Enge,
nur Lande noch,
aufgetan allen,
im Häusermeer bergend, in Weilern
ein brüderliches Geschlecht!

Sie ruhten nicht,
dich klein zu kriegen

Sie ruhten nicht, dich klein zu kriegen,
versichert der Treue des Knechts.
Sie ließen dich immer links liegen
und suchten dich rechts.


Schlußwort

Wohl, die wir fanden die Klänge
sind wie in Winde gesät.
Lieder verwehen. Gesänge.
Aber das Singen besteht.


Das Dorf Unter-Wegscheid

Das Dorf Unter-Wegscheid
steht am Grunde des Stausees.
Schleien schwimmen durch seine Gehöfte,
die Teichmuschel haust in den Schiebstatt,
im Gerätehaus
der Freiwilligen Feuerwehr
wuchert die Wasserlinse.
Die Glocke
der zwiebeltürmigen
kleinen Kapelle
blieb oben.
Doch der ausgesiedelte
Ausnehmer Johann Gföller,
den man später entmündigte
und eine Zeitlang
ins Mauer-Öhlinger Irrenhaus sperrte,
will es beim nächtlichen Heimgang
vom Jahrmarkt der Kreisstadt
manchmal läuten gehört haben
in der verwunschenen Tiefe.
     

Unübersetzbar

Unübersetzbar
bleibt das Geraschel des Winds
im abgehäupteten Mohn
und jedem Ausdruck versagt sich
das Brüten des Hochmoors,
das lautlose Lauschen der Öde.
Dichter, Dolmetsch des Schweigens,
bisweilen listest du ab
der Stummheit ein Wort,
ein undeutbares, dunkles,
aber dahinter beharrt
fremd und verweigernd
das Unaussprechliche,
zugänglich keiner
Beredtheit.

Wilhelm Szabo: Ausgewählte Gedichte. Vorwort: Wendelin Schmidt-Dengler, 64 Seiten, DIN A6, ISBN 3-902054-09-3, Euro 6,-.