Podium Porträt Nr. 109 - Mechthild Podzeit-Lütjen

 

Mechthild Podzeit-Lütjen - Lebt und arbeitet in Wien und im Seewinkel. Zahlreiche Preise; mehrere Reisestipendien nach Kuba. Zahlreiche Publikationen, zuletzt: Perseus oder das Unvorhergesehene. Hörbuch, 2013. welch eine liebe. der geheime grund. Lex liszt 12. Oberwart. 2016. du bist bei mir. Hörbuch. Gelesen von Martin Schwab. Lex liszt 12. 2018. Studium der Deutschen Philologie. Sponsion 2019 auf MA. Studienreisen nach Ägypten, Rom, Israel, Kanada, New York.
Neuerscheinungen 2020: Podium Porträt. (Lyrik)
LIT Verlag. edition forschung. Münster. Februar 2020.: Widerstand zum Exil im Exil: Alice Rühle-Gerstel und Leo Trotzki in Mexiko.


www.podzeit-luetjen.at

 

LESEPROBE

 

 

 

eine kleine zeit

war alles symbol für das was da war was
da kommt war es symbol vollkommen
stellt es sich dar auf das übrige deutend*

seltene stimmung schnee wirbelt weich
kein wunsch und ein verlangen nach
urtonpost ob denn liebe ungestilltes
bedürfnis ob denn liebe ohne
verlangen ob

geliebt gemocht wenigstens ob begehrt was
geben wir dieser zeit oder leben wir
für das wir gar sterben wollten oder werden
wir wieder und wieder in die irre geführt?

*nach Goethe

do., 8. August 2019


Passagen

Ganz ruhig haben wir sinnloses getan so
Einfach den kai entlang gehen bis es nicht
Mehr weitergeht bis zur schüttelstraße den kai
Entlang und dann nicht wieder zurück sondern
Mit der straßenbahn kann auch anders gewesen sein

Oder sand aus der wüste ägyptens mit in den flieger
Der sand rot und kalt steht jetzt da in einem glas wollten
Ihn durch die finger rieseln lassen im sessel sitzend
Und lächeln dabei

Oder im liegestuhl sitzend am kai den tragflügelbooten
Beim wenden zuschauen die füsse im sand (nur ich weil du
Keinen sand an den füssen mochtest und überhaupt) eine flasche
Cola mit 2 strohhälmen und jeder beide im mund angesaugt

Hinüber schauen zum motto am fluss umarmt planen und sagen
Wir leben nicht mehr so  lang in den lauen himmelsraum worte
Und küsse und eigentlich sitzen bleiben wollend nur ein wenig
Erst schlafen und dann wieder anknüpfen am saum

(für Hans Helmut, Motto am Fluss, gegenüber, Sommer 2014)







die see mein meer

sund und belt fjorde
die gezeiten und die krebse
im schlick vor den dünen

am horizont containerschiffe

auf meiner hallig werde nur dich
ich empfangen

der deich hält
der deich hält


#


Langsam gehe ich
schritt für schritt im thörl liegt schnee
oben steht das kreuz

*

langsam gehe ich
durch meinen rosenbogen
die amsel schlägt an


Mo., 9. Sep. 19

#

ich liege in der schale deiner gedanken

da waren doch die glaskugeln vom weihnachtsmarkt
handbemalt
wo wir rote wollfäden dran banden
es war alles so feierlich und so unvollkommen
doch wir versuchten es zumindest
wir hängten die kugeln an einen baum
es war nie so wie wir es gerne gehabt hätten du
in deiner atheistischen tradition und ich
in meiner baumlosen mit äpfeln sagst du
tariert man die äste aus

die zeit geht auch im unvollkommenen weiter
wenn der baum nadelt und kugeln zerbrechen
handbemalt dünne glasscherben mit wollfaden
dunkelrot

wir wissen nicht was unsere erinnerung nährt du
jedenfalls weißt dass du alles vergessen hast


di., 29. Okt. 19

#


Waldwurf . Schneebruch

Im norden bläst kräftiger ostwind ob
Das kühlt subfibriles fieber und ob das
Den flug von viren schürt wer weiss das
So genau ob spazieren gehen angesagt da
Gebe ich mir die geradezu zärtlichkeit
Welkender tulpen und träume dabei tage
Herbei die lange nächte mit dir werden tag
Träume halt in den räumen dazu müsste man
Sich fortbewegen grenzenlos werden der mensch
Muss das liebesalphabeth neu schreiben passe er
Denn in diese derzeitige welt wie aber metamorphose
Dass die krone schöpfung hält – kilometer zweit sagen sie
Im marathon ich gehe spinnaker segeln seemeilenweit

(für w.t.)



unteilbar

ich habe meinen tee am fenster
getrunken in der sonne habe
die sonne geschluckt und sagte
komm raus vitamin d du glaubtest
es fiele vom himmel wie die strahlen

sonne und haut und chemie was sonst
noch liebe ist unteilbar sagt
augustinus ich ordne das besteck stelle
gläser tassen und sehe und höre vor allem
wie du es tatst ich rief nicht zerschlagen

du räumtest immer weniger morgen ist
auch noch ein tag ich liess dich liess dir
dein zagen sehe nun das abgeschlagene
behalte es löffle die suppe du bist weit weg








Campanile

ich gehe dem geheimnis
rezeptoren nach und
betrachte die kakteen
in den bäumen und in den felswänden
nachtlängen von 12 stunden
die pflanze fängt durch störlicht
neu zu zählen an
vollmond steuert energiefluss

auch kognitiver emotionaler und
sozialer eingeschränkter

dazwischen kommt der ton vom campanile
8 gebetszeiten als begleiterin der seele
so die regel des benedikt von nursia
erfährt das höchste in der totenglocke

es liegt was in der luft
was

das gute behaltet

(2020)





Mechtild Podzeit-Lütjen: Ausgewählte Gedichte. Herausgeberin: Erika Kronabitter. Vorwort: Gerhard Ruiss/Wolfgang Treitler, 64 Seiten, 1 Abb., Euro 6,-. Podium (Podium Porträt 109) Wien 2020. ISBN 978-3-902886-57-6   

 

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