Zlatko Krasni
Die Großmeister
fassen Dich am Kopf mit zwei Fingern,
heben Dich über das Feld hoch,
über den Mond und das Kreuz,
jetzt kannst Du frei schauen,
welches Schicksal besser ist,
woher wehen die Winde
dieses Tags, an dem die Schlacht stattfinden wird,
und dieses Bild sollst Du noch behalten,
bevor Du auf G3 gesetzt wirst,
für den Ruhm und ein besseres Morgen.
*
Die Fliege
Vergeblich das Konsilium:
Die Komposition biegt schon hinter den Horizont.
Wenn der Frost
den Strudel der Sprache übernommen hat,
wozu die Schere neben dem Brunnen?
Vergeblich der Rausch des Grüns,
wie auch die Berufungen auf Beweise, Hypothesen:
Alle blicken jetzt auf einen Punkt,
beispielsweise auf eine Fliege,
die aus der Pupille hinausfliegt
und erschrocken ans Fensterglas schlägt,
wieder einen Kreis macht,
bis es jemandem im Zimmer endlich leidtut,
der sie dann frei fliegen lässt
unter die hungrigen Schwalben.
*
Aus: Martha
Martha sagte zuerst, sie werde die Tage nicht zählen
bis zum Ausbruch.
Der Himmel war zubetoniert.
In den unterirdischen Gängen zitterten die Menschen vor Kälte.
Der eiserne Zaun erhob sich den ganzen Lebenslauf entlang.
Als ich an die Reihe kam,
erklärte mir Martha, wie die Vögel fortziehen:
Du singst, bis der Wind Dich auf die Schulter nimmt.
(Deutsch von Milo Dor)
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Unterschrift
Ich balanciere mit dem bleistift auf nächtlichem grat,
tags verstreute wörter ordnen sich zum pfad,
und führen zur mündung der winde mich:
Blatt und blatt, ach, finde ich
die inseln nur der finsternis - am ende der zeit
drei punkte
Was hält mir noch bereit
das fließband der erinnerung? In wessen auge geht sie ein,
von wessen fingern aus? Wer wird der schreiber sein,
der das kreuz einst macht für mich? Ich wünschte nur,
ins herz des himmels schriebe mich die eigne spur.
(Deutsch von Reiner Kunze)
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(Epist. I, 61)
Flocken fallen nachts vom Himmel - es sind Verse,
und nach dem Gestöber ist draußen alles weiß.
Der Tag ist jung und sonnig,
die Unschuld glänzt und das Gedicht ruft Dich zu sich,
Du hast keine Wahl: Du musst aus dem Haus.
*