Podium Nr. 149-150: Schweiz ohne Schweizer Kreuz


Jos Nünlist: Stille müsste sein o Gedichte

Nicht nur die sterne,
manches erhellt die nacht.
Das licht löscht es aus.

*

Ewig
kelle und suppe,

selten honig.
Kälte im fenster.

Klopfen,
pochen.

*

Das eine
in allem

das kleine

kind
an deiner hand.

*

Jedes blättchen trägt
auf seiner oberseite
das sonnenmeer

und die nacht
auf der unterseite.

Dazwischen
fast nichts.

Eben
das blättchen.

*

Im winter
ist mein grüner ofen
meine sonne.

Knisterndes holz
ihr wort.

Freude
nistet sich ein.

*

Ein sperling auf einem zweig.

Ein viertel gramm farbe.
Zwei gramm papier.

*

Mella ni sella,
o lilibe

warum bin ich

da und du
in ninive.

*

Denken,
nachdenken
bis zur klaren frage
ohne antwort.

*

Ein gedicht schreiben,
worte,
heißt einen korb flechten.

Das im korb
ist nicht die sache
des flechters.

*

Ich betrachte die föhre
vor dem fenster.

Besondere merkmale
fehlen ihr.

Ich glaube,
sie ist schön.

*

Karg sein
wie ein mönch.

Linsen schleifen
wie Spinoza.

Ein stein
unterwegs in einem fluss.

*

Zwei sätzchen:

Du bist
nicht allein
und
zweifel
wächst.

*

Ich muss,
was ich muss
und nicht was andere
nicht müssen.

*

Jos Nünlist, geb. 1936 in Niedererlinsbach. Schulen in Aarau und Solothurn. Aufenthalte in Frankreich und Italien. Seit 1976 malt, zeichnet und schreibt er in Aarau. Im Waldgut Verlag erschienen die Gedichtbände (mit Zeichnungen und Bildern): "Zeitlaub", "Zittergras", "Schlüsselblume" und zuletzt "Tränenstein Sonnenstern" (2006).

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