Podium Nr. 147-148 - Antworten |
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Gerhard JaschkeAntworten Den Umständen entsprechend! Antworte lieber mit: Ja, bitte, statt mit Nein, danke. Das wirst du dein Leben lang nicht vergessen, sagst du dir. Na wenn schon. An Antworten geht die Welt zugrund. Antworten sind Entscheidungen. An ihnen lesen wir nicht den Intelligenzquotienten eines Menschen ab, diesen haben wir bloß an seinen Fragen zu messen. Lautete nicht so unser aller Credo oder habe ich da schon wieder etwas mißverstanden, nicht verstanden, nicht verstehen können? Antworten sind nichts als Antworten, Ants, also Ameisen, die in Wörtern, Worten, sich zur Gänze auflösen, wie auf einem Koglerbild, der Natur entlehnt, an diese in schillerndsten Farben zurückerstattet, falls Sie meinen Eingebungen folgen wollen oder auch nicht. Was sind bloß Antworten für dich, der alle bereits gehört zu haben glaubt, diese für immer aus seinen Ohren verbannen möchte, diese auch nirgendwo mehr lesen will, hat er doch für alle Male genug von diesen. Verstellen sie uns nicht die Wege, Parcours, Highways, in eine noch lebbare Zukunft, kleistern sie unser Wohlbefinden zu, ersticken sie geradezu jegliches Aufbäumen, Fragenwollen?! Aber nein doch! Ja, bitte, ich kann nicht genug bekommen davon. Was gab er ihr zur Antwort: Ein Glück, daß es dich für mich gibt. Schön, daß du auf der Welt bist. Welch Freude, daß du geboren wurdest. Was für ein Paradies auf Erden ist doch der 13er gewesen, die Secession. Plätze, an denen wir zusammenkamen. Nicht zu vergessen unsere steinerne Mistelbacherin vor Schönbrunn. Was solltest du schon anderes antworten? Etwa auch dies? Ja, warum denn eigentlich nicht? Gestern war Sonntag, auch wenn Montag war. Du bist und bleibst ein Sonntagskind für mich, selbst wenn du erst an einem Donnerstag zur Welt gekommen bist. Du strahlst Glück und Zufriedenheit aus, trägst Gelassenheit zur Schau, bist eine erfreuliche Erscheinung, hast die Lacher auf deiner Seite. Von wem kann man das noch behaupten? Dir widerspricht man ungern, du bist eben sympathisch, trägst das Herz am rechten Fleck. Welche Antworten lassen wir noch zu? Gibt es eine andere Möglichkeit, sich verständlich zu machen? Wir antworten wie programmiert mit Danke, gut, es könnte besser sein, es war schon einmal schlechter, oder mit: Was soll ich sagen? Wie Sie sehen! Und Ihnen, dir? Mittelprächtig. Gar nicht einmal so schlecht. Naja, es geht. Drei bis Vier. Man kann nicht genug klagen. Es täte verdammt gut, der Beste zu sein. Lassen wir es darauf ankommen. Ich möchte mich nie zum Feind haben. Trostlos wie immer. Sehr üblich, also übel. Grün vor Wut. Noch. Lyotard: "Was ist Literatur? Das unermeßliche Labor der Experimente, die auf Sprachspielen beruhen und infolgedessen ein Komplott gegen die Kommunikation." Uralttier Literatur irrte laut. Arturteil lautet: irr! Weißbart-Gnu, Impala, Ellipsenwasserbock, Zebra-Ducker, Saiga, Kaama, Klippspringer - Antilopen! Kurt Schwitters: "Die Unsterblichkeit ist nicht Jedermanns Sache." Tonne, wart! Anton, wert? Notenwart! Tonwarten! Raten wont. Gerhard Jaschke, geb. 1949 in Wien, lebt als freischaffender Autor und bildender Künstler in Wien und NÖ. Herausgeber der Zeitschrift freibord und Lehrbeauftragter an der Akademie der bildenden Künste. Gemeinsam mit Christine Huber Geschäftsführung der Grazer Autorenversammlung. Veröffentlichte über 60 Bücher. Neuerscheinungen: Anfänge - Zustände (Literaturedition NÖ, St. Pölten 2007) und Endlich doch noch (Kurzprosa, Sonderzahl Verlag, Wien 2007). |
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