Podium Nr. 147-148 - Antworten

Gerhard Jaschke

Antworten

Den Umständen entsprechend!
Sehr gut!
Die Zahlscheine sind mir ausgegangen!
Wie Sie sehen!
Von der Hand in den Mund!
Es ist wie Ein- und Ausatmen. Einmal hat man Schulden, dann wieder nicht.
Das sagt sich so leicht.
Um Antworten nie verlegen.
Der Brenner? Ein gutes Tal. Gut. Setzen.
Wir haben sie zum Zug kommen lassen, aber nicht einem einzigen von ihnen einen Fahrschein in die Hand gedrückt.
You are not the only, who is lonely.
Ach ja, Lüthi.
Das hätte mir doch auch einfallen können.
Da nehmen wir halt einen Telefonjoker. Die El wird uns da schon helfen. Hoffen wir jedenfalls. Die weiß doch ohnehin alles, unsere Millionenshowgewinnerin!
Die erste Tür links!
Im Nil einen Limettensaft!
Der Devianzforscher in Ruhe? Niemals!
Wo denken Sie hin?
Gleichheit vor dem Fall für alle! Weltanschauungen sind nun mal Vokabelmischungen! Das haben wir bei Serner gelernt.
Let´s have some Irrtümer!
Unglaublich.
Sagenhaft.
Dieses wie jedes Wochenende werden wir Canasta spielen. Anschließend unserem Lebensglück beim Schnarchen vorm Fernsehkistl, dem ständig laufenden Deppodrom, lauschen. Im Zuge dessen selbst wegtreten, abdriften, einschlafen. Des Morgens heißt es aber dann aber doch früh auf. Viel zu früh. Auf! Denn, wie sang schon Ostbahn selig dereinst, in die Arbeit, in die Arbeit kommt man nicht zu spät. Kommt man nie zu spät!
Gilt es eine Frage mit einer Frage zu beantworten? Laufen wir ständig im Kreis? Falls du es so haben willst? Oder wir beantworten alle Fragen schlicht mit Oder, ist auch eine Lösung, zumindest eine Möglichkeit. Fragen über Fragen lösen sich da auf in unzähligen Antworten, die über Antworten im üblichen Sinn weit hinausreichen, etwa: Gelb, bezogen auf die Farbe der Kleidung, oder bloß eines Teiles dieser. Wie wird aber wohl die Frage gelautet haben?

Antworte lieber mit: Ja, bitte, statt mit Nein, danke. Das wirst du dein Leben lang nicht vergessen, sagst du dir. Na wenn schon. An Antworten geht die Welt zugrund. Antworten sind Entscheidungen. An ihnen lesen wir nicht den Intelligenzquotienten eines Menschen ab, diesen haben wir bloß an seinen Fragen zu messen. Lautete nicht so unser aller Credo oder habe ich da schon wieder etwas mißverstanden, nicht verstanden, nicht verstehen können?

Antworten sind nichts als Antworten, Ants, also Ameisen, die in Wörtern, Worten, sich zur Gänze auflösen, wie auf einem Koglerbild, der Natur entlehnt, an diese in schillerndsten Farben zurückerstattet, falls Sie meinen Eingebungen folgen wollen oder auch nicht.

Was sind bloß Antworten für dich, der alle bereits gehört zu haben glaubt, diese für immer aus seinen Ohren verbannen möchte, diese auch nirgendwo mehr lesen will, hat er doch für alle Male genug von diesen. Verstellen sie uns nicht die Wege, Parcours, Highways, in eine noch lebbare Zukunft, kleistern sie unser Wohlbefinden zu, ersticken sie geradezu jegliches Aufbäumen, Fragenwollen?!

Aber nein doch!
Antworte salopp mit: Sterne haben heute Ausgang, oder:
Falls Sie das wirklich wissen möchten, müssen Sie meine Kollegin von Nummer Sieben kontaktieren. Dieses Echtheitszertifikat muß ich ihnen leider schuldig bleiben, gewiß auch anderes, wie Sie unschwer erkennen werden können.

Ja, bitte, ich kann nicht genug bekommen davon.
Sehen Sie doch bloß in den Grimm! Welche Antworten erwarten dich denn da? Du hast es nicht anders gewollt!
Ich doch auch nicht.
Ein richtiges Antwort ist wie ein richtiger Kuß! Da hast du's.
Wurde ja auch schon Zeit. Andwordi sprecan, steht da ebenso.
Wer hätte das gedacht? Andsvör veita, oder so ähnlich. Wer will's denn schon so genau wissen? Ach Sie. Sie schon wieder. Nun blättern Sie sich aber durch und durch und durch. Der Wissenswust hält alles Mögliche bereit. Schwarzes für Weißes antworten. Ja und Nein antworten. Verkehrtes antworten.

Was gab er ihr zur Antwort: Ein Glück, daß es dich für mich gibt. Schön, daß du auf der Welt bist. Welch Freude, daß du geboren wurdest. Was für ein Paradies auf Erden ist doch der 13er gewesen, die Secession. Plätze, an denen wir zusammenkamen. Nicht zu vergessen unsere steinerne Mistelbacherin vor Schönbrunn.

Was solltest du schon anderes antworten? Etwa auch dies? Ja, warum denn eigentlich nicht? Gestern war Sonntag, auch wenn Montag war. Du bist und bleibst ein Sonntagskind für mich, selbst wenn du erst an einem Donnerstag zur Welt gekommen bist. Du strahlst Glück und Zufriedenheit aus, trägst Gelassenheit zur Schau, bist eine erfreuliche Erscheinung, hast die Lacher auf deiner Seite. Von wem kann man das noch behaupten? Dir widerspricht man ungern, du bist eben sympathisch, trägst das Herz am rechten Fleck.

Welche Antworten lassen wir noch zu? Gibt es eine andere Möglichkeit, sich verständlich zu machen? Wir antworten wie programmiert mit Danke, gut, es könnte besser sein, es war schon einmal schlechter, oder mit: Was soll ich sagen? Wie Sie sehen! Und Ihnen, dir? Mittelprächtig. Gar nicht einmal so schlecht. Naja, es geht. Drei bis Vier. Man kann nicht genug klagen. Es täte verdammt gut, der Beste zu sein. Lassen wir es darauf ankommen. Ich möchte mich nie zum Feind haben. Trostlos wie immer. Sehr üblich, also übel. Grün vor Wut. Noch.

Lyotard: "Was ist Literatur? Das unermeßliche Labor der Experimente, die auf Sprachspielen beruhen und infolgedessen ein Komplott gegen die Kommunikation."

Uralttier Literatur irrte laut. Arturteil lautet: irr!

Weißbart-Gnu, Impala, Ellipsenwasserbock, Zebra-Ducker, Saiga, Kaama, Klippspringer - Antilopen!

Kurt Schwitters: "Die Unsterblichkeit ist nicht Jedermanns Sache."

Tonne, wart! Anton, wert? Notenwart! Tonwarten! Raten wont.
Das Ende eines Traums - die Antwort auf alle noch offenen Fragen? Das Ende eines Films als Beantwortung etlicher Wünsche? Casablanca! Reggae!
Wir lösen Rätsel, suchen nach bestmöglichen Antworten auf diverse Lebensfragen, führen Entscheidungen herbei, arbeiten somit an Antworten wie Lösungen.
Jetzt, sagen wir uns vor, müsse uns die Antwort einfallen, dann hätten wir die Prüfung bestanden.



Gerhard Jaschke, geb. 1949 in Wien, lebt als freischaffender Autor und bildender Künstler in Wien und NÖ. Herausgeber der Zeitschrift freibord und Lehrbeauftragter an der Akademie der bildenden Künste. Gemeinsam mit Christine Huber Geschäftsführung der Grazer Autorenversammlung. Veröffentlichte über 60 Bücher. Neuerscheinungen: Anfänge - Zustände (Literaturedition NÖ, St. Pölten 2007) und Endlich doch noch (Kurzprosa, Sonderzahl Verlag, Wien 2007).

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