Podium Nr. 145/146 - Farben

Christoph Janacs

Bericht aus Aigues-Mortes

I
das Meer ein Streifen Krepp. un-
heilbar seine Farbe, heillos
wie der Himmel, der sich einübt in
Transzendenz. die Palmen: Lesezeichen,
wo nichts zu entziffern ist. Türme
und ihre störrischen Gesänge; landeinwärts
die Klage. da sein, mehr nicht

II
ein Messer Licht, einen Wellenkamm teilend

III
die schwarze Glocke des Meeres, nachts; tags
der Chor seiner Wogen, die Litanei; kein
Gebet, bloß Anrufung ... niemand
ist gemeint, nichts ist gemeint,
niemand spricht. das Segel führt
den Wind mit sich, kehrt am Abend
wieder. nicht mehr da sein

*

Christoph Janacs, geb. 1955 in Linz/OÖ, lebt in Niederalm/Sbg.; Lyrik, Prosa, Essays und Übersetzungen. Veröffentlichungen: die Romane Schweigen über Guernica (1989) und Aztekensommer (2001), die Erzählbände Das Verschwinden des Blicks (1991), Stazione Termini (1992), Gesang des Coyoten (2002) und Schlüsselgeschichten (2007), die Gedichtsammlungen Nichtung (1993), Der abwesende Blick (1995), Templo Mayor (1998), Brunnennacht (1999), Tras la ceniza / Der Asche entgegen (2000), Sumava (Gedichte 2000 und 2004), draußen die Nacht in uns (2002) und unverwandt den Schatten (2006), die Aphorismensammlung Meteoriten (2004) sowie als Herausgeber Tauchgänge. Eine Anthologie neuer Literatur (2003) und Unerbittliche Sanftmut. Näherungen an Adalbert Stifter (2005).

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