Podium Nr. 145/146 - Farben |
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Helwig BrunnerAus: Farbtöne, Klangfarben GELB. Ein postgelbes Kuvertsymbol am unteren Bildschirmrand meldet den Eingang einer neuen E-Mail, begleitet von einem gedämpften Signalton. Viele solche Signaltöne in rascher Folge, tausend eingehende E-Mails innerhalb einer Minute, müssten ein prasselndes Geräusch ergeben, wie es die Regengüsse der letzten Tage auf dem Blechsims meines Fensters getan haben, einen Schauer von Nachrichten, der mich bis auf die Haut durchnässen würde. Aber nur ein Tropfen ist aus dem Himmel meines Bildschirmhintergrundes gefallen, ein gelbes Briefkuvert wartet darauf, geöffnet zu werden. Was, denkst du, lässt sich erwidern auf das, was du letztens geschrieben hast, lese ich wenig später. Was für eine Frage, meine Liebe: ich schreibe doch nicht, um das zur Antwort zu bekommen, wovon ich denke, dass es sich auf das, was ich schreibe, erwidern lässt. Ich berechne nicht im Voraus die Wirkung und Gegenwirkung, den Hall und Widerhall meiner Worte, wo kämen wir da hin, in die Politik vielleicht? Sollte ich wirklich dem, was ich dir schreibe, in Gedanken schon eine frankierte Rückantwort beilegen? Während ich noch darüber nachdenke, was es eigentlich ist, dessen du mich bezichtigst, ertönt ein neuerliches Signal und ein weiteres gelbes Kuvert erscheint. Mag sein, du reichst eine Antwort nach auf die Fragen, die du in mir aufgeworfen hast. * Helwig Brunner, geb. 1967, lebt nach Studien der Biologie und Musik
als Unternehmer, Lehrbeauftragter und Schriftsteller in Graz. Bücher
(Auswahl): grazer partituren (Gedichte, 2004), Rattengift (Erzählungen,
2006) und Nachspiel (Roman, 2006). Einige Preise, zuletzt 1. Preis beim
Literaturwettbewerb der Akademie Graz 2006. www.helwigbrunner.at |
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