Podium Nr. 145/146 - Farben

Christoph W. Aigner

Goldgrün

Meister Mikulásek holt
unscheinbares Treibgut aus dem Fluss
(das Wasser zieht hoch dahin
als wär in ihm auch Hrabals
sämtliches Bier aus dem Goldenen Tiger)
und setzt uns eine goldene Allee

Wer nimmt Herrn Skácel die Smúténka ab
und wendet das heiße Heu der Sterne

Immer ist es zu spät oder zu früh
Auf meinem Schreibtisch ist Gras gewachsen
Keine Wegwarte kein Wiesenknopf
Nur der Abdruck meiner Katze
die sich durchs offene Fenster
den Wolken angeschlossen hat

Autitschko hieß sie die Farbe könnt ihr erraten
und sehen lernen muss ich täglich neu

*

Christoph Wilhelm Aigner, geb. 1954 in Wels, Studium in Salzburg, Mitarbeiter des ORF Salzburg und Redakteur des Salzburger Tagblatts. Seit 1985 freier Schriftsteller. Lebt in Italien. Würdigungspreis für Literatur der Republik Österreich 2006. Jüngste Veröffentlichungen: Kurze Geschichte vom ersten Verliebtsein (Gedichte, 2005); Die schönen bitteren Wochen des Johann Nepomuk (Roman, 2006, beide Deutsche Verlags-Anstalt, München).

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