Podium 137/138 - Absicht

 

Zur Auswahl

Armin Baumgartner / Beppo Beyerl

Durchs wilde Kurdistan.
Eine Wiederholung


1.

Von: Armin Zaungartner
An: Herrn Josef bei Erl

Diese Zeilen las ich vorgestern auf einem Brief aus meinem Postkasten:
"Ein Vaterland, das mit seinen Schwingen den Horizont deckte, / Und mit dem Ruhm der Zivilisation bekleidet war - / Gesegnet sei das Land der zwei Flüsse, / Eine Heimat ruhmreicher Entschlossenheit und Toleranz..." (irakische Hymne)
Darunter standen folgende Zeilen, und ich zitiere wörtlich:
"Wir dürfen uns erlauben, Sie mitzuteilen, dass die irakische Führung an der wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit womit den österreichischen Freunden großmächtig ist und Sie mit Josef bei Erl warum gemeinsam zu dem 18. November 2005 in einer Lesung nach Teheran einzuladen."

Gezeichnet: Vize-Premierminister Tariq Aziz.

Ich stehe nun unter gehörigem Druck. Auf der einen Seite möchte ich Ihnen mitteilen, dass es mir eine Ehre ist, mit Ihnen eine Lesung durchführen zu dürfen.
Dass es aber gerade die irakische Führung ist, die uns beide zu einer Lesung einladen möchte, ist mir ganz und gar nicht geheuer.
Zuallererst frage ich mich, ob es eine irakische Führung überhaupt gibt. Demnach müssten wir die Sache mit dem österreichischen Außenamt absprechen, vielleicht wissen die dort Bescheid. Zudem stelle ich die Frage: Ist dort nicht gerade irgendein Krieg?
Um all diese Fragen zu klären, ersuche ich Sie um ein Treffen an einem Ort Ihrer Wahl.

Mit freundlichen Grüßen,
Armin Zaungartner

2.

Von: Josef bei Erl
An: Herrn Armin Zaungartner

Freilich hab ich selbigen Brief von einem Herrn Aziz betreffs einer Einladung nach Teheran erhalten.
Für mich gilt es, Schaden und Nutzen bezüglich einer Reise ins Dortige abzuwägen.
Einstweilen hab ich mir in einem Orient-Ramschladen in der Wiener Favoritenstraße jenes Klumpert mit den vielen Kugerln gekauft, von denen man jeweils eines an einen Faden weiterschiebt. Wenn ich fleißig übe, kann ich jenes Klumpert ja ins irakische Fernsehen halten. In welche Richtung schiebt man übrigens die blöden Kugerln?
Außerdem ist meine Polditante, die natürlich nicht meine Tante war, sondern eher so was Urschlumpfartiges, also die Polditante ist mir gestorben. Jetzt wird die weitere Schilderung des Falles recht kompliziert, jedenfalls kugelt in meinem Wäschekasten ein sogenanntes Bargeld herum. Haben die Mullahs da unten eigentlich Banken? Ihr Prophet soll sie ihnen ja verboten haben. Und wieviel Prozent geben sie?
Außerdem muß ich vorher klären, ob es in Teheran einen Wodka gibt. Ich hab nämlich eine sogenannte Bindegewebsentzündung im Hals, und so Zeugs wie Tee und Inhalationen verschlimmern nur meinen Zustand. Da die Mullahs da unten aber sicher irgendwelche Beziehungen zu den Russen haben, könnte ich mir sicher so zwei drei Stangen Wodka zulegen.
Werter Herr Zaungartner, so nebenbei fällt mir noch peesartig ein: Seit wann liegt Teheran eigentlich im Irak? Haben die dortigen Mullahs am Ende den Krieg gewonnen?
Peesartig zur Zweiten: Was ich wohl lese? Nun, ich habe letztes Jahr eine Reportage über die Hohe Wand und das Kohlröserlhaus geschrieben. Da die Hohe Wand ja so ziemlich dem Gebirgsstock links oberhalb der beiden Flüsse in Mesopotamien ähnelt, brauch ich nur im Atlas ein paar mullige Namen heraussuchen. Den dortigen Hirten und Köhlern leg ich halt die Hymne in ihren gläubigen Mund.
Peesartig zur Dritten. Was halten Sie davon, daß wir beide die Reise incognito antreten? Vielleicht als Haider und sein Sekretär verkleidet?

Bestens, Ihr Josef bei Erl

3.

Von: Armin Zaungartner
An: Herrn Josef bei Erl

Sie haben offensichtlich meine Bedenken einer solchen Reise gegenüber in den Wind, gleich welcher Richtung, geschlagen und berichten vom lapidaren Abgang einer nicht einmal verwandten Tante. Dieser Umstand hat mich ein wenig verärgert, da ich in dieser Antwort keine ernsthafte Beschäftigung mit meinen Bedenken erkennen kann. Die Richtung, in der man diese Kugerln dreht, ist Ihnen allerdings nicht egal.
Ich jedoch habe mich, in dieser Angelegenheit ebenso unbedarft, sogleich an einen irakischen Kulturverein gewendet um die Richtung der zu schiebenden Kugeln zu erfragen. Von dort wurde ich an einen gewissen Herrn Hojac verwiesen, der angeblich eine Art Deutsch spricht und die Welt als Kugerl ansieht. - Als gelte es, die Welt zu verdrehen. Ich ging also der Empfehlung nach und stand staunenden Mundes vor dem Tor der höchsten österreichischen Fußballliga. Dort, wurde mir versichert, schiebt man keineswegs mit irgendwelchen Kugerln, schon gar keine ruhigen, und ich sollte diesen Unfug doch woanders treiben. Vielleicht sollten Sie ebendort selbst einmal orange als Herr Haider verkleidet vorsprechen.
Und erklären Sie mir bitte, warum wollen Sie Bargeld nach Bagdad schleppen? Ich hab im Mittelschulatlas nachgeschaut, um alle Irrtümer auszuschließen. Um welche Währung handelt es sich?
Ich hoffe außerdem, dass Ihre werte Bindegewebskrankheit auch das Weite schon gesucht und auch gefunden hat. Denn nach meinen Berechnungen gibt es in dem zu bereisenden Land viel Sand und Wind. Und wenn beide in Bewegung geraten, dann müssen vor allem der Hals und der Rachen in Ordnung sein. Das habe ich übrigens aus einem Karl-May-Buch mit dem Namen "Durchs wilde Kurdistan". Allerdings kommt in der Geschichte kein Wodka vor. Ich werde mich trotzdem um Wodka, den man nicht in Stangen bekommt, sondern meines Wissens nur in Flaschen, kümmern. Der Mann von der o. a. Parteizentrale sah mir so aus, als wüsste er mehr, als er zugeben will.
Die Idee, die Kohlröserlhaus-Reportage als Vorbild herzunehmen und nach Teheran zu transportieren, finde ich großartig. Ich habe mich indessen entschieden, da ich im Gegensatz zu Ihnen keine irgendwie geartete Landschaftsliteratur geschaffen habe, Auszüge aus dem Werk Karl Mays herzunehmen und sie als die meinen ausgeben. Die Teppichflicker werden diesen Schwindel nicht entdecken, zumal ja viele Textpassagen Ähnlichkeiten mit der irakischen Hymne aufweisen, die mir der Herr Tariq Aziz geschickt hat. Vermutlich hat der Karl May von der irakische Hymne gestohlen.
Ich schlage vor, um Probleme mit dem österreichischen Außenamt zu vermeiden, mich als Ihr Sekretär Arm El-Zaun Q'Eraten auszugeben, sollten Sie die Schneid besitzen, Haider heißen zu wollen, was in diesem Erdenteil, so habe ich mir sagen lassen, ein landläufig häufig vergebener Name ist.

P.S.: Wo haben Sie die Kugerln bekommen?

Mit wiederum freundlichen Grüßen,
allerdings ab nun,
Arm El-Zaun Q'Eraten

4.

Von: Josef bei Erl
An: Herrn Arm El-Zaun'Eraten

Sie lassen nun wirklich nicht locker und können keine Ruhe geben!
Seien Sie doch zufrieden mit einer Lesereise nach Bagdad. Ich trage dort das Kohlröserlhaus auf der Hohen Wand vor, Sie die irakische Hymne aus dem wilden Kurdistan von Karl May, und wir beide lassen uns als einfühlsame Beobachter der irakischen Landschaft feiern.
Aber nein. Sie fragen im Stabreim, warum ich Bargeld nach Bagdad schleppe, und erkundigen sich nach dem werten Abgang meiner Urstrumpftante!
Also gut. Ich darf Ihnen natürlich nicht die Namen der geheimen Auftraggeber nennen. Aber die Auftraggeber haben alles organisiert.
Wow und Jeah. Sie haben Ihre geschätzte Person nach dem Brunz-Brulli-Verfahren ausgewählt, welchselbes schon beim Trompeter Louis Armstrong und beim CamelMann "Lauf ich durch die Wüste" zu hervorragenden Ergebnissen geführt hatte.
Nun wurden sie ausgewählt, da ihr verehrtes Geschau kein verwickelten Intrigenspiel, sondern gemütliche Wiener Kaffeehauskultur verrät.
Das mit dem Verrat ist so eine Sache. Also mein gut gemeinter Rat: Bleiben Sie bei der Kaffeehauskultur. Denn Wissen ist nicht immer Macht, es hängt eben vom Wissen ab: Es kann auch Schuld bedeuten. Und "was ich nicht weiß macht mich nicht heiß" ist in der irakischen Wüste kein schlechter Grundsatz.
PS. Die Kugeln hab ich vom Türkenpeter. Der betreibt, wie ich ja schon schrieb, einen Orientramschladen in der Wiener Favoritenstraße. In Wirklichkeit kommt er von der Hamburger Werft, wo er mir früher einmal bei einer Transaktion behilflich war. Deswegen ja sein Name Türkenpeter.
PPS. Wodka bezieht man im Irak tatsächlich in Stangen. Auf den Stangen steht zur Freude der islamischen Zöllner bevorzugt Camel Filter.
Schließen Sie nun nicht auf Insiderkenntnisse meinerseits, sondern lernen Sie lieber Ihren Karl May auswendig. Und wir werden beide in die Geschichte eingehen. Der Rest ist Chuzpe.

Ihr ergebener Josef Bei Erl

5.

Von: Arm El-Zaun'Eraten
An: Herrn Josef bey Erl

Danke für Ihren Tipp mit dem Türken-Peter. Ich war dort und verstrak mich in eine Diskussion über Kugeln und Perlen und ich weiß nicht was. Verstanden habe ich dabei leider nur die Hälfte. Leider, muss ich schon sagen, denn es trug sich bei meinem Besuch Folgendes zu, was mich wiederum zu weiterer, unstillbarer Neugier treibt, und zwar massiv:
Ich hatte den Laden schon betreten und war schon in Beratungen über Kugeln und deren Drehrichtung verdreht, als sich die Türe öffnete und der gewisse Herr Hojac, von dem ich schon einmal berichtete, hereintrat. Er tat so, als ob er mich nicht kannte - ich erkenne so etwas genau und kann mich auf meinen Instinkt verlassen -, sein Blick jedoch verriet mir, dass er mich von meinem Besuch in der Zentrale der Fußballliga kennen musste. Ich bin ja kein Wuckerl. Noch dazu wurde dieser Mann beim Eintreten freundlich mit "Guten Tag, Herr Hojac!" angesprochen. - Also, Herr Hojac, mit Sicherheit. Ich kaufte in meiner Verwirrung gleich eine Großpackung Kugerl und suchte schlugs das Fleunigste. Freilich, die Kugerl kosteten mich aber einen halben Monatslohn und nun versuchte ich diese Bemmerl, die ja alle an Fäden aufgezogen sind, Samstags am Flohmarkt an den Mann zu bringen. Dass ich dabei von einer Frau verhaftet wurde und einen ganzen Tag lang in Untersuchungshaft zubringen musste, dürfte Ihre geschätzte Aufmerksamkeit nicht allzusehr kratzen. Die Gründe dafür konnte mir jedoch keiner der Beamten nennen. Von Dielen war die Rede und auch komischerweise von Apotheken. Ich war aber derart geistesgegenwärtig und verschleierte meinen Besuch beim Türkenpeter. Ich gab einfach an, eine Studie über die Gefährlichkeit der Seebeben im wilden Kurdistan zu schreiben. Man glaubte mir. Jedenfalls glaube ich das.
Da wären wir auch schon beim nächsten Problem: Ich glaube, bei meinen Studien zu Karl Mays Werk einen kleinen Fehler im Aufbau der Handlung entdeckt zu haben. Da kommen lauter Indianer vor, noch dazu rauchen sie andauernd Friedenspfeifen. Ich vermute, dass diese Geschichten in Nordamerika spielen. Daher sehe ich die Chance, Karl May in Bagdad zu lesen, etwas geschrumpft. Aus diesem Grunde studiere ich gerade eine Lektüre namens "Aus dem Leben Hödlmosers" von einem gewissen R. P. Gruber. Ich bin aber noch nicht zu einem schlüssigen Ergebnis gekommen, wie ich diese Geschichte zwischen Tigris und Euphrat legen kann. Davon mehr das nächste Mal.
Was aber noch lange nicht alles wäre. Denn seit meinem Besuch beim Türkenpeter verfolgt mich ein Mann mit Bürstenhaarschnitt und Kaugummigekau täglich von meinem Zuhause in die Arbeit und wieder zurück. Aber alle Versuche, diesen Herren zur Rede zu stellen, gehen schief. Das erste Mal verschwand er schlugs in einer gerade eben abfahrenden Straßenbahn, das andere Mal war er im Spiegelkabinett im Prater verschwunden und das dritte Mal ist mir selber unerklärlich, da er auf offener Straße plötzlich wie aus lachendem Himmel im Erdenboden versank. Vielleicht war ich es, der versank, und dem guten Mann ist unerklärlich, wieso der Himmel lacht, in dem ich versunken bin. Dass ich bei solch wundersamen Erlebnissen keine noch so irgendwie geartete Ruhe geben kann, muss Ihnen keine Schwierigkeit sein zu verstehen. Meine Unruhe wird ja auch täglich genährt. So habe ich z. B. gestern einen Brief im Postkasten gefunden, kein Absender, in dem geschrieben stand folgend Wortwerk:
"chm-chm:
we-hâ-'âdâm jâda° 'ät-chawwâh 'ischettow
wat-tahar wat-teläd 'ät-qajin wat-to'mär qânijtij 'isch 'ät-JHWH
wat-toßäp lâ-lädät 'ät-'âchäjw 'ät-hâbäl
wa-jehij häbäl ro°eh zo'n we-qajin hâjâ °obed 'adâmâh.
wa-jehäw miq-qez jâmijm waj-jâbe' qajin mip-perij hâ-'adâmâh minechâh la-JHWH.
waj-jichar le-qajin me'od waj-jippelwu pânâjw."
Josef bei Erl, wir kennen einander noch nicht lange, aber können Sie mir die Bedeutung dieser Schriftzeichen näher bringen als der Abstand zum Papier, auf dem sie stehen? Ich werde mit der Zeit rast- und ratlos und denke über die Sinnhaftigkeit meiner Existenz nach. Ich schlucke schon beim Aufwachen einen Schluck Wodka, um Klarheit auf meinen morgendlichen Gedankenausflügen zu bekommen und den ich allerdings immer noch in Flaschen zu beziehen pflege. Der Schlaf setzt nun schon seit Tagen auch sehr spärlich ein und kommt und geht, wann er will und nicht ich - ein gänzlich neues Phänomen in meinem Leben, des Eintreffen ich dem Herrn Hojac, dem rastlosen Verfolger und dem Türkenpeter zuschreiben muss.
Noch eine Frage: Wieso schreiben Sie von der irakischen Wüste? Ich hoffe doch hoch und heilig, dass wir in zivilisierter, stadtähnlicher Umgebung uns einander aufhalten werden. Denn bei Wüstenklima habe ich gehört, ist die Umgebung sehr heiß. - Ich erinnere mich noch genau an meinen Aufenthalt in Dubai, als ich als Inspizient des Herrn Karl Moik bei der TV-Übertragung des Musikantenstadl arbeitete und den Nageltanz arabischer Kinder betreuen durfte.
PS: Sonnencreme habe ich inzwischen in rauen Mengen zuhause. Konnte ganze drei 200er-Stangen Kugerln gegen 400 Tuben Sonnencreme eintauschen. Markenware, versteht sich. Allerdings nur Schutzfaktor zwei. Das macht aber nichts, habe ich mir sagen lassen, man schmiert halt ein bisserl mehr drauf und erhöht damit den Faktor. Wissen Sie, wie viele Tuben man einführen darf?
PPS: Woher haben die mein Foto, mit dem ich ausgewählt wurde? Und was bitteschön ist ein Brunz-Bulli-Verfahren? - Ich stelle mir bei diesem Ausdruck eine höchst zweifelhafte Kommission vor.

Ergebenst,
Ihr Arm El-Zaun Q'Eraten

6.

Von: Josef bey Erl
An: Herrn Arm El-Zaun'Eraten

Schaun Sie, werter Herr El-Zaun'Eraten, was ich in meiner Postmappe gefunden habe:
Sensationeller Fund im Irak
Der Generalstab der amerikanischen Armee in Bagdad gibt bekannt. Vorgestern haben tapfere guys der GIs in einem Wüstenloch bei Diwanija obige Briefe entdeckt. Schließlich sind sie vor den siebzehn Kameras der amerikanischen Sender vorsichtig aus dem Wüstenloch gehoben worden. Laut Auskunft der Spezialeinheiten des intelligence service sind die im Text vorkommenden Kugeln gefährliche Codewörter. Gemeint sind damit barbarische Schnellfeuerpistolen! Wow, mit ihnen würde es den Wüstensäcken gelingen, alle amerikanischen Fernsehstationen in Schutt und Asche zu bomben! Und nicht nur! Auch die oft vorkommende Sonnencreme ist ein Codewort. Die Wüstensäcke bezeichnen damit ihre Langstreckenbomber! Mit diesen wäre es den Wüstensäcken möglich, Washington und Texas zu bombardieren! Durch diesen sensationellen Fund wurden die Befürchtungen der Geheimdienste über die Waffenlager der Wüstensäcke bei weitem übertroffen. In spezieller Kleinarbeit eruierten die amerikanischen Geheimdienste auch die Urheber der Texte, die in schimpflicher Weise das Reich des Bösen verherrlichen. Sie heißen Karl Moik und Karl May und stammen aus old Europe.
Wie zudem der israelische Geheimdienst Mossad mitteilte, ist der im Brief an den Waffenhändler der Langstreckenbomber erwähnte 'isch 'ät-JHWH ebenso eine Fälschung. Übersetzt heißt der Wortlaut keineswegs "Lang lebe Jachwe", sondern "Jörg Haider und Peter Sichrovsky haben das Bummerl".

Gez. XY, General.
Alstern und Ätsch, Ihr Josef bey Erl

7.

Von: Arm El-Zaun'Eraten
An: Herrn Josef bey Erl

Von wegen ätsch, Herr Josef bey Erl! Was Sie dem Leser für irakische Bären aufbinden! Stets vermeiden Sie die Wirklichkeit, die infolgendermaßen völlig konträr ausschaut.
Der Generalstab der amerikanischen Streitkräfte in Teheran gibt nämlich bekannt:
"Im Zuge weiterer Untersuchungen zu den Misshandlungsfällen im Militärgefängnis von Abu Ghraib stießen die Ermittler des amerikanischen Geheimdienstes auf bislang unbekannte, jedoch hoch brisante Schriftstücke. Laut neuesten Erkenntnissen handelt es sich dabei um den Schriftverkehr des irakischen Widerstands und einzelner Terrorzellen mit Verbündeten im Ausland." Genaue Angaben darüber, was unter "Ausland" zu verstehen sei, ließen sich die Ermittler nicht entlocken. Nur so viel wollte man preisgeben: Es handle sich um staatstragende Politiker und Mitglieder des Bundesliga-Vorstandes einer mitteleuropäischen Alpenrepublik.
Ob sich der Fund auf diplomatische Beziehungen der Amerikaner und des betreffenden Landes in Europa auswirken könnte und wie, davon ließ man die Öffentlichkeit ebenso im Unklaren. Die Geheimdienste würden diese Verbindungen schon seit Längerem beobachten. Nun sei Klarheit in der Sache, man könne nun die notwendigen Schritte setzen, dies würde ohne Rücksicht auf die Beziehungen zu Europa geschehen.
Ein östereichischer Söldner, der im Militärgefängnis von Abu Ghraib bei seinem Dienst auf diese Schriftstücke gestoßen war, merkte an, dass in diesen Schreiben auffällig oft die Namen Haider und Hojac genannt wurden. Ob es sich dabei um die bekannten Politiker und Ex-Politiker handelt, blieb bis Redaktionsschluss ungeklärt. Sicherheit besteht jedoch in der Tatsache, dass die beiden Genannten die Decknamen Karl May und Karl Moik benutzt haben durften. Die Aufzeichnungsbänder der Nachrichtensendungen, die Jörg Haider bei seinem inoffiziellen Besuch bei Saddam Hussein zeigen, und der beliebten TV-Sendung "Musikantenstadl" in Dubai 2001 würden nun genauestens studiert und auf Hinweise überprüft, ob der Moderator der Show, Karl Moik, nicht Ähnlichkeiten mit Jörg Haider erkennen lassen würde. Die Frage, ob der Kärntner Landeshauptmann in den Briefwechsel verstrickt sei, wollte man so nicht beantworten.
Aus dem ORF wird verlautet, dass die Sendung "Musikantenstadl" wegen der schweren Anschuldigungen eingestellt werde, um jeden Schaden vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen abzuwenden. Offen bleibt jedoch, warum in den Schreiben Bagdad mit Teheran bezeichnet wird und umgekehrt. Aus syrischen Geheimdienstkreisen wurde bekannt, dass nach Bekanntwerden der brisanten Funde Operationen des CIA im Iran eingestellt wurden. Indes hat auch der Pressesprecher der bekannten Zigarettenmarke "Camel" bekannt gegeben, die Produktion einzustellen. Die Begründung dafür erklärte man mit Produktionsfehlern, die dazu geführt hätten, dass irrtümlich Wodka in den Stangen verpackt wurde. Um sich nicht den Zorn der islamischen Welt zuzuziehen, würde man die Weiterproduktion nun überdenken.
Die irakische Führung gab überdies bekannt, dass nach den Vorgängen um Abu Ghraib Bagdad nun in Teheran unzubenennen sei. Bis zu Redaktionsschluss waren die Gründe für diesen Schritt allerdings nicht bekannt geworden. (UPI, JHWH, APA) -
So, und jetzt sind Sie paff!!!

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Armin Baumgartner, geb. 1968, Studium der Publizistik und Philosophie, 1998 Beginn der schriftstellerischen Arbeit. Literarische Auszeichnungen und Publikationen von Hörspielen, Theaterstükken, Libretti und Gedichten, Fotoausstellungen.

Beppo Beyerl, geb. 1955 in Wien. Slawistik-Studium. Lebt als freier Autor in Wien. Chefredaktion der Literaturzeitschrift PODIUM 1995-99. Hörspiele für ORF, WDR, SFB und Sachsen-Radio sowie Filme (ZDF, 3-SAT etc.). Zahlreiche Bücher, u.a.: Geschichten aus dem Abseits (Theodor Kramer-Gesellschaft, Wien 2001); Verbrechen. Kurzgeschichten (Resistenz Verlag, Linz - Wien 2002); Thaya (Edition Doppelpunkt, Wien 2002); Die Bene?s-Dekrete (Promedia Verlag, Wien 2002).

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Auswahl: Susanna Schäfer: Ein Tier im Wald - Zsuzsanna Gahse: Beinahe -
Gerhard Jaschke: Seneca - Jeannette Unger: budapest - Armin Baumgartner / Beppo Beyerl:
Durchs wilde Kurdistan - Inhaltsverzeichnis

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