Armin Baumgartner / Beppo Beyerl
Durchs wilde Kurdistan.
Eine Wiederholung
1.
Von: Armin Zaungartner
An: Herrn Josef bei Erl
Diese Zeilen las ich vorgestern auf einem Brief aus meinem Postkasten:
"Ein Vaterland, das mit seinen Schwingen den Horizont deckte, /
Und mit dem Ruhm der Zivilisation bekleidet war - / Gesegnet sei das
Land der zwei Flüsse, / Eine Heimat ruhmreicher Entschlossenheit
und Toleranz..." (irakische Hymne)
Darunter standen folgende Zeilen, und ich zitiere wörtlich:
"Wir dürfen uns erlauben, Sie mitzuteilen, dass die irakische
Führung an der wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit
womit den österreichischen Freunden großmächtig ist
und Sie mit Josef bei Erl warum gemeinsam zu dem 18. November 2005 in
einer Lesung nach Teheran einzuladen."
Gezeichnet: Vize-Premierminister Tariq Aziz.
Ich stehe nun unter gehörigem Druck. Auf der einen Seite möchte
ich Ihnen mitteilen, dass es mir eine Ehre ist, mit Ihnen eine Lesung
durchführen zu dürfen.
Dass es aber gerade die irakische Führung ist, die uns beide zu
einer Lesung einladen möchte, ist mir ganz und gar nicht geheuer.
Zuallererst frage ich mich, ob es eine irakische Führung überhaupt
gibt. Demnach müssten wir die Sache mit dem österreichischen
Außenamt absprechen, vielleicht wissen die dort Bescheid. Zudem
stelle ich die Frage: Ist dort nicht gerade irgendein Krieg?
Um all diese Fragen zu klären, ersuche ich Sie um ein Treffen an
einem Ort Ihrer Wahl.
Mit freundlichen Grüßen,
Armin Zaungartner
2.
Von: Josef bei Erl
An: Herrn Armin Zaungartner
Freilich hab ich selbigen Brief von einem Herrn Aziz betreffs einer
Einladung nach Teheran erhalten.
Für mich gilt es, Schaden und Nutzen bezüglich einer Reise
ins Dortige abzuwägen.
Einstweilen hab ich mir in einem Orient-Ramschladen in der Wiener Favoritenstraße
jenes Klumpert mit den vielen Kugerln gekauft, von denen man jeweils
eines an einen Faden weiterschiebt. Wenn ich fleißig übe,
kann ich jenes Klumpert ja ins irakische Fernsehen halten. In welche
Richtung schiebt man übrigens die blöden Kugerln?
Außerdem ist meine Polditante, die natürlich nicht meine
Tante war, sondern eher so was Urschlumpfartiges, also die Polditante
ist mir gestorben. Jetzt wird die weitere Schilderung des Falles recht
kompliziert, jedenfalls kugelt in meinem Wäschekasten ein sogenanntes
Bargeld herum. Haben die Mullahs da unten eigentlich Banken? Ihr Prophet
soll sie ihnen ja verboten haben. Und wieviel Prozent geben sie?
Außerdem muß ich vorher klären, ob es in Teheran einen
Wodka gibt. Ich hab nämlich eine sogenannte Bindegewebsentzündung
im Hals, und so Zeugs wie Tee und Inhalationen verschlimmern nur meinen
Zustand. Da die Mullahs da unten aber sicher irgendwelche Beziehungen
zu den Russen haben, könnte ich mir sicher so zwei drei Stangen
Wodka zulegen.
Werter Herr Zaungartner, so nebenbei fällt mir noch peesartig ein:
Seit wann liegt Teheran eigentlich im Irak? Haben die dortigen Mullahs
am Ende den Krieg gewonnen?
Peesartig zur Zweiten: Was ich wohl lese? Nun, ich habe letztes Jahr
eine Reportage über die Hohe Wand und das Kohlröserlhaus geschrieben.
Da die Hohe Wand ja so ziemlich dem Gebirgsstock links oberhalb der
beiden Flüsse in Mesopotamien ähnelt, brauch ich nur im Atlas
ein paar mullige Namen heraussuchen. Den dortigen Hirten und Köhlern
leg ich halt die Hymne in ihren gläubigen Mund.
Peesartig zur Dritten. Was halten Sie davon, daß wir beide die
Reise incognito antreten? Vielleicht als Haider und sein Sekretär
verkleidet?
Bestens, Ihr Josef bei Erl
3.
Von: Armin Zaungartner
An: Herrn Josef bei Erl
Sie haben offensichtlich meine Bedenken einer solchen Reise gegenüber
in den Wind, gleich welcher Richtung, geschlagen und berichten vom lapidaren
Abgang einer nicht einmal verwandten Tante. Dieser Umstand hat mich
ein wenig verärgert, da ich in dieser Antwort keine ernsthafte
Beschäftigung mit meinen Bedenken erkennen kann. Die Richtung,
in der man diese Kugerln dreht, ist Ihnen allerdings nicht egal.
Ich jedoch habe mich, in dieser Angelegenheit ebenso unbedarft, sogleich
an einen irakischen Kulturverein gewendet um die Richtung der zu schiebenden
Kugeln zu erfragen. Von dort wurde ich an einen gewissen Herrn Hojac
verwiesen, der angeblich eine Art Deutsch spricht und die Welt als Kugerl
ansieht. - Als gelte es, die Welt zu verdrehen. Ich ging also der Empfehlung
nach und stand staunenden Mundes vor dem Tor der höchsten österreichischen
Fußballliga. Dort, wurde mir versichert, schiebt man keineswegs
mit irgendwelchen Kugerln, schon gar keine ruhigen, und ich sollte diesen
Unfug doch woanders treiben. Vielleicht sollten Sie ebendort selbst
einmal orange als Herr Haider verkleidet vorsprechen.
Und erklären Sie mir bitte, warum wollen Sie Bargeld nach Bagdad
schleppen? Ich hab im Mittelschulatlas nachgeschaut, um alle Irrtümer
auszuschließen. Um welche Währung handelt es sich?
Ich hoffe außerdem, dass Ihre werte Bindegewebskrankheit auch
das Weite schon gesucht und auch gefunden hat. Denn nach meinen Berechnungen
gibt es in dem zu bereisenden Land viel Sand und Wind. Und wenn beide
in Bewegung geraten, dann müssen vor allem der Hals und der Rachen
in Ordnung sein. Das habe ich übrigens aus einem Karl-May-Buch
mit dem Namen "Durchs wilde Kurdistan". Allerdings kommt in
der Geschichte kein Wodka vor. Ich werde mich trotzdem um Wodka, den
man nicht in Stangen bekommt, sondern meines Wissens nur in Flaschen,
kümmern. Der Mann von der o. a. Parteizentrale sah mir so aus,
als wüsste er mehr, als er zugeben will.
Die Idee, die Kohlröserlhaus-Reportage als Vorbild herzunehmen
und nach Teheran zu transportieren, finde ich großartig. Ich habe
mich indessen entschieden, da ich im Gegensatz zu Ihnen keine irgendwie
geartete Landschaftsliteratur geschaffen habe, Auszüge aus dem
Werk Karl Mays herzunehmen und sie als die meinen ausgeben. Die Teppichflicker
werden diesen Schwindel nicht entdecken, zumal ja viele Textpassagen
Ähnlichkeiten mit der irakischen Hymne aufweisen, die mir der Herr
Tariq Aziz geschickt hat. Vermutlich hat der Karl May von der irakische
Hymne gestohlen.
Ich schlage vor, um Probleme mit dem österreichischen Außenamt
zu vermeiden, mich als Ihr Sekretär Arm El-Zaun Q'Eraten auszugeben,
sollten Sie die Schneid besitzen, Haider heißen zu wollen, was
in diesem Erdenteil, so habe ich mir sagen lassen, ein landläufig
häufig vergebener Name ist.
P.S.: Wo haben Sie die Kugerln bekommen?
Mit wiederum freundlichen Grüßen,
allerdings ab nun,
Arm El-Zaun Q'Eraten
4.
Von: Josef bei Erl
An: Herrn Arm El-Zaun'Eraten
Sie lassen nun wirklich nicht locker und können keine Ruhe geben!
Seien Sie doch zufrieden mit einer Lesereise nach Bagdad. Ich trage
dort das Kohlröserlhaus auf der Hohen Wand vor, Sie die irakische
Hymne aus dem wilden Kurdistan von Karl May, und wir beide lassen uns
als einfühlsame Beobachter der irakischen Landschaft feiern.
Aber nein. Sie fragen im Stabreim, warum ich Bargeld nach Bagdad schleppe,
und erkundigen sich nach dem werten Abgang meiner Urstrumpftante!
Also gut. Ich darf Ihnen natürlich nicht die Namen der geheimen
Auftraggeber nennen. Aber die Auftraggeber haben alles organisiert.
Wow und Jeah. Sie haben Ihre geschätzte Person nach dem Brunz-Brulli-Verfahren
ausgewählt, welchselbes schon beim Trompeter Louis Armstrong und
beim CamelMann "Lauf ich durch die Wüste" zu hervorragenden
Ergebnissen geführt hatte.
Nun wurden sie ausgewählt, da ihr verehrtes Geschau kein verwickelten
Intrigenspiel, sondern gemütliche Wiener Kaffeehauskultur verrät.
Das mit dem Verrat ist so eine Sache. Also mein gut gemeinter Rat: Bleiben
Sie bei der Kaffeehauskultur. Denn Wissen ist nicht immer Macht, es
hängt eben vom Wissen ab: Es kann auch Schuld bedeuten. Und "was
ich nicht weiß macht mich nicht heiß" ist in der irakischen
Wüste kein schlechter Grundsatz.
PS. Die Kugeln hab ich vom Türkenpeter. Der betreibt, wie ich ja
schon schrieb, einen Orientramschladen in der Wiener Favoritenstraße.
In Wirklichkeit kommt er von der Hamburger Werft, wo er mir früher
einmal bei einer Transaktion behilflich war. Deswegen ja sein Name Türkenpeter.
PPS. Wodka bezieht man im Irak tatsächlich in Stangen. Auf den
Stangen steht zur Freude der islamischen Zöllner bevorzugt Camel
Filter.
Schließen Sie nun nicht auf Insiderkenntnisse meinerseits, sondern
lernen Sie lieber Ihren Karl May auswendig. Und wir werden beide in
die Geschichte eingehen. Der Rest ist Chuzpe.
Ihr ergebener Josef Bei Erl
5.
Von: Arm El-Zaun'Eraten
An: Herrn Josef bey Erl
Danke für Ihren Tipp mit dem Türken-Peter. Ich war dort und
verstrak mich in eine Diskussion über Kugeln und Perlen und ich
weiß nicht was. Verstanden habe ich dabei leider nur die Hälfte.
Leider, muss ich schon sagen, denn es trug sich bei meinem Besuch Folgendes
zu, was mich wiederum zu weiterer, unstillbarer Neugier treibt, und
zwar massiv:
Ich hatte den Laden schon betreten und war schon in Beratungen über
Kugeln und deren Drehrichtung verdreht, als sich die Türe öffnete
und der gewisse Herr Hojac, von dem ich schon einmal berichtete, hereintrat.
Er tat so, als ob er mich nicht kannte - ich erkenne so etwas genau
und kann mich auf meinen Instinkt verlassen -, sein Blick jedoch verriet
mir, dass er mich von meinem Besuch in der Zentrale der Fußballliga
kennen musste. Ich bin ja kein Wuckerl. Noch dazu wurde dieser Mann
beim Eintreten freundlich mit "Guten Tag, Herr Hojac!" angesprochen.
- Also, Herr Hojac, mit Sicherheit. Ich kaufte in meiner Verwirrung
gleich eine Großpackung Kugerl und suchte schlugs das Fleunigste.
Freilich, die Kugerl kosteten mich aber einen halben Monatslohn und
nun versuchte ich diese Bemmerl, die ja alle an Fäden aufgezogen
sind, Samstags am Flohmarkt an den Mann zu bringen. Dass ich dabei von
einer Frau verhaftet wurde und einen ganzen Tag lang in Untersuchungshaft
zubringen musste, dürfte Ihre geschätzte Aufmerksamkeit nicht
allzusehr kratzen. Die Gründe dafür konnte mir jedoch keiner
der Beamten nennen. Von Dielen war die Rede und auch komischerweise
von Apotheken. Ich war aber derart geistesgegenwärtig und verschleierte
meinen Besuch beim Türkenpeter. Ich gab einfach an, eine Studie
über die Gefährlichkeit der Seebeben im wilden Kurdistan zu
schreiben. Man glaubte mir. Jedenfalls glaube ich das.
Da wären wir auch schon beim nächsten Problem: Ich glaube,
bei meinen Studien zu Karl Mays Werk einen kleinen Fehler im Aufbau
der Handlung entdeckt zu haben. Da kommen lauter Indianer vor, noch
dazu rauchen sie andauernd Friedenspfeifen. Ich vermute, dass diese
Geschichten in Nordamerika spielen. Daher sehe ich die Chance, Karl
May in Bagdad zu lesen, etwas geschrumpft. Aus diesem Grunde studiere
ich gerade eine Lektüre namens "Aus dem Leben Hödlmosers"
von einem gewissen R. P. Gruber. Ich bin aber noch nicht zu einem schlüssigen
Ergebnis gekommen, wie ich diese Geschichte zwischen Tigris und Euphrat
legen kann. Davon mehr das nächste Mal.
Was aber noch lange nicht alles wäre. Denn seit meinem Besuch beim
Türkenpeter verfolgt mich ein Mann mit Bürstenhaarschnitt
und Kaugummigekau täglich von meinem Zuhause in die Arbeit und
wieder zurück. Aber alle Versuche, diesen Herren zur Rede zu stellen,
gehen schief. Das erste Mal verschwand er schlugs in einer gerade eben
abfahrenden Straßenbahn, das andere Mal war er im Spiegelkabinett
im Prater verschwunden und das dritte Mal ist mir selber unerklärlich,
da er auf offener Straße plötzlich wie aus lachendem Himmel
im Erdenboden versank. Vielleicht war ich es, der versank, und dem guten
Mann ist unerklärlich, wieso der Himmel lacht, in dem ich versunken
bin. Dass ich bei solch wundersamen Erlebnissen keine noch so irgendwie
geartete Ruhe geben kann, muss Ihnen keine Schwierigkeit sein zu verstehen.
Meine Unruhe wird ja auch täglich genährt. So habe ich z.
B. gestern einen Brief im Postkasten gefunden, kein Absender, in dem
geschrieben stand folgend Wortwerk:
"chm-chm:
we-hâ-'âdâm jâda° 'ät-chawwâh
'ischettow
wat-tahar wat-teläd 'ät-qajin wat-to'mär qânijtij
'isch 'ät-JHWH
wat-toßäp lâ-lädät 'ät-'âchäjw
'ät-hâbäl
wa-jehij häbäl ro°eh zo'n we-qajin hâjâ °obed
'adâmâh.
wa-jehäw miq-qez jâmijm waj-jâbe' qajin mip-perij hâ-'adâmâh
minechâh la-JHWH.
waj-jichar le-qajin me'od waj-jippelwu pânâjw."
Josef bei Erl, wir kennen einander noch nicht lange, aber können
Sie mir die Bedeutung dieser Schriftzeichen näher bringen als der
Abstand zum Papier, auf dem sie stehen? Ich werde mit der Zeit rast-
und ratlos und denke über die Sinnhaftigkeit meiner Existenz nach.
Ich schlucke schon beim Aufwachen einen Schluck Wodka, um Klarheit auf
meinen morgendlichen Gedankenausflügen zu bekommen und den ich
allerdings immer noch in Flaschen zu beziehen pflege. Der Schlaf setzt
nun schon seit Tagen auch sehr spärlich ein und kommt und geht,
wann er will und nicht ich - ein gänzlich neues Phänomen in
meinem Leben, des Eintreffen ich dem Herrn Hojac, dem rastlosen Verfolger
und dem Türkenpeter zuschreiben muss.
Noch eine Frage: Wieso schreiben Sie von der irakischen Wüste?
Ich hoffe doch hoch und heilig, dass wir in zivilisierter, stadtähnlicher
Umgebung uns einander aufhalten werden. Denn bei Wüstenklima habe
ich gehört, ist die Umgebung sehr heiß. - Ich erinnere mich
noch genau an meinen Aufenthalt in Dubai, als ich als Inspizient des
Herrn Karl Moik bei der TV-Übertragung des Musikantenstadl arbeitete
und den Nageltanz arabischer Kinder betreuen durfte.
PS: Sonnencreme habe ich inzwischen in rauen Mengen zuhause. Konnte
ganze drei 200er-Stangen Kugerln gegen 400 Tuben Sonnencreme eintauschen.
Markenware, versteht sich. Allerdings nur Schutzfaktor zwei. Das macht
aber nichts, habe ich mir sagen lassen, man schmiert halt ein bisserl
mehr drauf und erhöht damit den Faktor. Wissen Sie, wie viele Tuben
man einführen darf?
PPS: Woher haben die mein Foto, mit dem ich ausgewählt wurde? Und
was bitteschön ist ein Brunz-Bulli-Verfahren? - Ich stelle mir
bei diesem Ausdruck eine höchst zweifelhafte Kommission vor.
Ergebenst,
Ihr Arm El-Zaun Q'Eraten
6.
Von: Josef bey Erl
An: Herrn Arm El-Zaun'Eraten
Schaun Sie, werter Herr El-Zaun'Eraten, was ich in meiner Postmappe
gefunden habe:
Sensationeller Fund im Irak
Der Generalstab der amerikanischen Armee in Bagdad gibt bekannt. Vorgestern
haben tapfere guys der GIs in einem Wüstenloch bei Diwanija obige
Briefe entdeckt. Schließlich sind sie vor den siebzehn Kameras
der amerikanischen Sender vorsichtig aus dem Wüstenloch gehoben
worden. Laut Auskunft der Spezialeinheiten des intelligence service
sind die im Text vorkommenden Kugeln gefährliche Codewörter.
Gemeint sind damit barbarische Schnellfeuerpistolen! Wow, mit ihnen
würde es den Wüstensäcken gelingen, alle amerikanischen
Fernsehstationen in Schutt und Asche zu bomben! Und nicht nur! Auch
die oft vorkommende Sonnencreme ist ein Codewort. Die Wüstensäcke
bezeichnen damit ihre Langstreckenbomber! Mit diesen wäre es den
Wüstensäcken möglich, Washington und Texas zu bombardieren!
Durch diesen sensationellen Fund wurden die Befürchtungen der Geheimdienste
über die Waffenlager der Wüstensäcke bei weitem übertroffen.
In spezieller Kleinarbeit eruierten die amerikanischen Geheimdienste
auch die Urheber der Texte, die in schimpflicher Weise das Reich des
Bösen verherrlichen. Sie heißen Karl Moik und Karl May und
stammen aus old Europe.
Wie zudem der israelische Geheimdienst Mossad mitteilte, ist der im
Brief an den Waffenhändler der Langstreckenbomber erwähnte
'isch 'ät-JHWH ebenso eine Fälschung. Übersetzt heißt
der Wortlaut keineswegs "Lang lebe Jachwe", sondern "Jörg
Haider und Peter Sichrovsky haben das Bummerl".
Gez. XY, General.
Alstern und Ätsch, Ihr Josef bey Erl
7.
Von: Arm El-Zaun'Eraten
An: Herrn Josef bey Erl
Von wegen ätsch, Herr Josef bey Erl! Was Sie dem Leser für
irakische Bären aufbinden! Stets vermeiden Sie die Wirklichkeit,
die infolgendermaßen völlig konträr ausschaut.
Der Generalstab der amerikanischen Streitkräfte in Teheran gibt
nämlich bekannt:
"Im Zuge weiterer Untersuchungen zu den Misshandlungsfällen
im Militärgefängnis von Abu Ghraib stießen die Ermittler
des amerikanischen Geheimdienstes auf bislang unbekannte, jedoch hoch
brisante Schriftstücke. Laut neuesten Erkenntnissen handelt es
sich dabei um den Schriftverkehr des irakischen Widerstands und einzelner
Terrorzellen mit Verbündeten im Ausland." Genaue Angaben darüber,
was unter "Ausland" zu verstehen sei, ließen sich die
Ermittler nicht entlocken. Nur so viel wollte man preisgeben: Es handle
sich um staatstragende Politiker und Mitglieder des Bundesliga-Vorstandes
einer mitteleuropäischen Alpenrepublik.
Ob sich der Fund auf diplomatische Beziehungen der Amerikaner und des
betreffenden Landes in Europa auswirken könnte und wie, davon ließ
man die Öffentlichkeit ebenso im Unklaren. Die Geheimdienste würden
diese Verbindungen schon seit Längerem beobachten. Nun sei Klarheit
in der Sache, man könne nun die notwendigen Schritte setzen, dies
würde ohne Rücksicht auf die Beziehungen zu Europa geschehen.
Ein östereichischer Söldner, der im Militärgefängnis
von Abu Ghraib bei seinem Dienst auf diese Schriftstücke gestoßen
war, merkte an, dass in diesen Schreiben auffällig oft die Namen
Haider und Hojac genannt wurden. Ob es sich dabei um die bekannten Politiker
und Ex-Politiker handelt, blieb bis Redaktionsschluss ungeklärt.
Sicherheit besteht jedoch in der Tatsache, dass die beiden Genannten
die Decknamen Karl May und Karl Moik benutzt haben durften. Die Aufzeichnungsbänder
der Nachrichtensendungen, die Jörg Haider bei seinem inoffiziellen
Besuch bei Saddam Hussein zeigen, und der beliebten TV-Sendung "Musikantenstadl"
in Dubai 2001 würden nun genauestens studiert und auf Hinweise
überprüft, ob der Moderator der Show, Karl Moik, nicht Ähnlichkeiten
mit Jörg Haider erkennen lassen würde. Die Frage, ob der Kärntner
Landeshauptmann in den Briefwechsel verstrickt sei, wollte man so nicht
beantworten.
Aus dem ORF wird verlautet, dass die Sendung "Musikantenstadl"
wegen der schweren Anschuldigungen eingestellt werde, um jeden Schaden
vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen abzuwenden. Offen bleibt jedoch,
warum in den Schreiben Bagdad mit Teheran bezeichnet wird und umgekehrt.
Aus syrischen Geheimdienstkreisen wurde bekannt, dass nach Bekanntwerden
der brisanten Funde Operationen des CIA im Iran eingestellt wurden.
Indes hat auch der Pressesprecher der bekannten Zigarettenmarke "Camel"
bekannt gegeben, die Produktion einzustellen. Die Begründung dafür
erklärte man mit Produktionsfehlern, die dazu geführt hätten,
dass irrtümlich Wodka in den Stangen verpackt wurde. Um sich nicht
den Zorn der islamischen Welt zuzuziehen, würde man die Weiterproduktion
nun überdenken.
Die irakische Führung gab überdies bekannt, dass nach den
Vorgängen um Abu Ghraib Bagdad nun in Teheran unzubenennen sei.
Bis zu Redaktionsschluss waren die Gründe für diesen Schritt
allerdings nicht bekannt geworden. (UPI, JHWH, APA) -
So, und jetzt sind Sie paff!!!
*
Armin Baumgartner, geb. 1968, Studium der Publizistik
und Philosophie, 1998 Beginn der schriftstellerischen Arbeit. Literarische
Auszeichnungen und Publikationen von Hörspielen, Theaterstükken,
Libretti und Gedichten, Fotoausstellungen.
Beppo Beyerl, geb. 1955 in Wien. Slawistik-Studium.
Lebt als freier Autor in Wien. Chefredaktion der Literaturzeitschrift
PODIUM 1995-99. Hörspiele für ORF, WDR, SFB und Sachsen-Radio
sowie Filme (ZDF, 3-SAT etc.). Zahlreiche Bücher, u.a.: Geschichten
aus dem Abseits (Theodor Kramer-Gesellschaft, Wien 2001); Verbrechen.
Kurzgeschichten (Resistenz Verlag, Linz - Wien 2002); Thaya (Edition
Doppelpunkt, Wien 2002); Die Bene?s-Dekrete (Promedia Verlag, Wien 2002).
*