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Sommer - Herbst - Winter
(Bier - Wein - Schnaps) - Ein Triptychon
Zoltán Hizsnyai

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I. Preßburger King-size Humpen
kahle fahle Stille
kalmer Winde Stimme
- hallt in Ohr und Halle
nach, gebraut zu Laut
von flutend Liebreiz, laut
hinplätschernd, doch vertraut,
was unklar einst, dann heilig war
am ungeheuren Bierpokal
herunterflutend blondes Haar
dort oben schwefelgelb das All
besprüht von Drachendärme Strahl
der Zapfhahn schwitzt den Gerstensaft
es schäumt fast über voller Kraft
weiße Gischt auf prallem Busen
lecke Lippen dir zum Schmusen
auch der Fam
die Muschkeln strafft
Schäumendes schenkt
aus die Schank
beschenkt die schiefen
Seidel rank
schräg gehalten schreiben sie
Seidel auf Zeilen wie ein Stempel
fort zapfend auch
noch im Gerempel
und besudeln Sie,
wie bei der Orgie
- so geht es einem Reimer
der Verse gegen Eimer
voller Bier tauscht; dessen Nåsn
schmeckt das Bier
von seinen Hosen
II. Weinlese im Arpadenbecken
Im Nebel, im frühen, erschauern die Trauben
die Reben erbeben; die Ranken berauben
müssen wir gehen im Morgengrauen,
es warten die Dauben. Der Bottich erbebt schon
unter nackter Füße Fron,
der Claret zieht Blutspur stur
über schräger Schragen Flur,
beraubte Reben rappeln.
Ein Wind geht unter Trauben um
verinnerlicht sich, er ordnet krumm
und kraus' Gekrös' mit flinkem Most,
harscher Backen flotte Post,
zwing' nicht dieses stolze Volk ohne Trost
in die Hocke, ruhe lieber sanft in Dauben
laß nicht deine Reste, die reschen
z'widere Weiber beschimpfen
sonst schwelt dir Schwefel, 's nützt kein Strauben.
Die Reifen sprengen? Mußt nicht glauben,
die Dauben würden nicht fallen nieder,
den Saft deiner Trauben würde Mutter Erde rauben
Wie wird dich dann
der brave Mann
vom Erdboden
trinken?
Wer wird denn schon
aus rohem Ton
den Tokajer schlingen?
Besorg's nur dem, den echter Durst quält
schaff heran ein Viertel vom Grünen Veltliner
oder gleich ein Schaff vom Neuburger, du Aff
bring zu den Zuber
von Muskateller, Pinot Grau,
und den Müller von Thurgau,
schlucke der Schlund den Cru!
Schon geht die Hetz daher!
Kein Burgunder mehr?
Als wär's ein Déjà-vu,
du bringst den Beaujolis,
und faßt den nackten Kröver
wie einst im Mai - nur fester,
zum Schluß kommt erst der Trester
nur keine Angst vor Übermut
greif fest hinein in die tiefe Nut
füll an der Bütten Schock,
und hoch, als wär's ein Unterrock,
jetzt warte ein Weilchen noch,
nimm dann den Stößel hoch
und finde so zur Linderung.
Schon kommt heran die Dämmerung,
hüllt dich in graues Leinentuch und
zum Sommerlaub den Rost sie kehrt,
zur Lese heuer keiner mehr fährt
der Mensch ist müde, matt und faul
und nur den stillen Winkel begehrt
die sture Ranke, sie hält das Maul
und windet sich am Rebenpfahl,
hält fest den Ort, wo die Traube war,
fest die Leere immerdar,
wo die Butte schon vor lauter Süße klebt,
Der Schlund ist tot, das Faß vollbauchig lebt.
bordeauxrote Bordüren breitet brüllend die Nacht
aus ihrem Ranzen über die bleierne Himmelskuppel
III. Totentanz zum Gluckern des Branntweines aus Gömör
Wie herbstlich steht das Land auf einmal rund herum,
wohin du schauen magst, ist alles rostig, stumm:
sieh nur das Haar der Weiden, das krause Blatt der Eichen
- und in der Gräben Tiefe will Humus sich erweichen.
Frivole Winde pfeifen ihr Lied auf allen Bergen
wo sie sich nur treffen, ist ein Kampf im Werden.
Sie rangeln und sie raufen, und stoßen sich empor,
sie reißen auf die Wolken und Regen schießt hervor.
Es schneit, es staubt, es stiemt, und leise naht der Frost,
doch unsre Kehlen sind noch feucht vom frischen Most.
Es wird der Winter bald unsre Schollen weiß verhüllen,
wir müssen uns beeilen, die Flaschen abzufüllen!
Und kaum ist dieser Pulverschnee ein wenig fester, nasser,
gluckert in den Röhren schon brav das Feuerwasser.
Es kreist und tropft und tröpfelt, und bald ist es geschafft:
Dem krummen Rohr entringt sich ein wenig teurer Saft.
Die Tage werden kurz, und immer kürzer noch,
und auch die kurzen beugen sich der schnellen Zeit ins Joch.
Die einst so dichte Mähne wird schütter mit den Jahren
- doch in den Kupferkesseln schon heiße Träume garen.
Uns übermannt der Durst, wir müssen einfach trinken
Spiel auf, du, Spielmann! Spiel! Nicht tiefer laß uns sinken!
Schenkt ein den Schnaps, den klaren, den hellen kurzen Korn!
Daß meinen Lenden sprieße ein dicker schwerer Dorn.
Spiel auf! Den Tschardasch tanze auf meinem Schoß der Schoß,
mit überschäumend Lippen voll Sahne Stoß um Stoß!
Die scheele Dämmerstunde darf mich allein nicht finden,
und mag der Slibowitz mir aus den Augen rinnen!
Und wenn dereinst der starke Spund mir trocknet ein,
legt mir in meinen Sarg noch die Buddel mit hinein,
Amphore oder Kanne, ja, Karaffe oder Krug,
auch wenn der Meßkolben schon lange ächzt: genug.
Spiel auf!
Doch nein! Sieh nur, wie schweißverklebt, zerzaust
das Vlies, das goldne zittert in meiner alten Faust,
wie er tanzt auf und nieder, des Grals geheimnisvoller
und gischtend wogend Kelch, welch Düfte nach Wacholder!
So trollen wir uns heimwärts, wir können nicht mehr
trinken,
wir wollen nicht im Herbstmatsch ganz unrühmlich versinken
Die Saiten hängen schlaff und der Bogen kann nicht mehr,
drei Monde steh'n am Himmel und die Hunde heulen sehr.
Deutschsprachige Erstveröffentlichung.
Aus dem Manuskript, http://www.rkk.hu/forras/0012/hizsnyai.html