Podium 133/134 - Heureka

Gedichte

Alfred Warnes

Zur Auswahl

Hier benötigt man
keinen Leihfrack,
auch nicht die Kenntnis
des spanischen Hofzeremoniells.
Von Vorteil ist aber,
sofern man kein Auto besitzt,
der Gebrauchs eines Walkman:
zum Abschotten
vor den Störgeräuschen,
vor den Gesprächen der anderen,
vor den halblauten Gemeinheiten,
vor der Seufzerklage
der Besiegten.

Alles so nebenbei,
als Marotte
und Lebensbeweis,
geneigt zum
stundenlangen Nachdenken
über das Wort
"fuchsteufelswild".

*


Von Efeu umrankte
Birkenstämme,
Papageno-Beinkleider
im Winternebel.
Ist's eine Verwechslung?
Das Kind antwortet
auf den erhobenen Zeigefinger
mit dem erhobenen Mittelfinger.

*


Im Oktober,
bei den letzten
Besuchsgelegenheiten
für die Landesausstellungen,
nähert man sich
den Versäumnissen
und der Schlußerkenntnis
des Lebensresultats:
Noch habe ich
Einen Papierdrachen
Zum Steigen gebracht.

*


Den Blick
in die Werkstätte
freigeben
auf Unordnung und Verbot.
Die Dichter,
die Oberferkel,
die Geisterfahrer
wider die Natur,
zwischen warmer Seele
und heiliger Krankheit
üben sie ihr Handwerk
von Scheitern und Leid.
Es wird alles gut.
Nichts wird gut.
In den schönen Wortfolgen
gibt es keinen Schutz
gegen die Verzweiflung
von innen heraus.


Alfred Warnes, geb. 1936 in Korneuburg, NÖ; lebt seit etwa 30 Jahren in Kaltenleutgeben, NÖ. Lyriker, Prosaautor, Buchrezensent. Letzte Buchpublikation: "Walmdach Windwurf Hundegebell", Literaturedition Niederösterreich, St. Pölten 1998.

Auswahl: Barbara Neuwirth: Brücken zwischen Inseln - Zivorad Mitras Jezavski: Gedichte
Alfred Warnes: Gedichte - Inhaltsverzeichnis

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