Podium 127/128 - Zeit

November

Novemberzeit

Hannes Vyoral

Zur Auswahl

raubwürger

im geäst
sitzt der vogel
aug in aug
mit der beere

jetzt
werden die schatten genau
& nichts
wächst mehr ungefähr


Hannes Vyoral, geb. 1953 in Neu Guntramsdorf, NÖ; lebt in Wien und in Wallern im Burgenland. Freiberuflicher Autor. Neben über 30 kulturpublizistischen Veröffentlichungen erschienen bisher sieben Gedichtbände, zuletzt: sommer auf dem ausgeruhten land. gedichte aus dem seewinkel (Verlag Grasl, Baden bei Wien 2003).

im november

im november verholzen die adern, langsamer
schlagen die flügel. der undichte hahn tropft
im hof vor dem fenster. und eines morgens,
da die apfelvorhänge geschlossen bleiben,
schwingt das bettholz
im loslassen

*

novemberhaus

honig verzuckert in waben
am kalkweißen weiher
    der garten ist nun neu gepflastert
    bruchholz liegt herum
was klar zu tage tritt
ist schwarz umrandet
    blattgold
    und vergänglichkeit
das fenster in der tür
ein rauher spiegel
    wer eintritt sieht sich
    aus dem hause gehn

*

der tisch

der tisch,
dessen furchen
werden immer tiefer
wir schnitten brot darauf
das offene gesicht
jahre um jahre
vergingen

das wasser hingegen
es glättete sich
es verschloß sich
der luft & dem himmel

Auswahl: E. Reichart: Essay - S. Unterrader: eher später - Inhaltsverzeichnis

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