Podium 125 - Polen

Cover von Adam Adamczyk

Gedichte

Agnieszka Kuciak

Zur Auswahl

Bewohne ich nun das Gedicht,

oder pachtet es vielmehr

meinen Unruhe-Raum,

ich kann nicht



sagen,

wer mit meines Geistes Türen knallt,

welch wilder Mieter bis in die Nacht hinein

die Lichtnotizen brennen läßt.



(Herbst 1994)

*

Metrum

Manchmal ist es wie Wiederkehr. Schon vor der Schwelle

vertreiben Hunde mit ihren Schwänzen Jahre

der Abwesenheit. Man kann aufs neue

die Fellzotteln streicheln, den alten Tisch, die Rauheit der geliebten

Wand mit ihrer Unterteilung - Landkarte aus Daten und Namen,

an der man sich in Kindheitstagen maß, bestrebt,

stets höher in sie hineinzuwachsen mit jeder Linie.

So wie man sich am Metrum mißt: vis-à-vis

einer Mauer aus Papier, Daten und Namen, dem Vertrauen

in die Wand, zu der man jederzeit laufen kann,

aus dem bitteren Regen zurück unter die Reimrinne.

Manchmal wiederum ist es wie das Schicksal, dem es gefällt,

eine Absicht durch eine Zäsur zu beenden oder sie in einen anderen

Vers zu schieben, wo es kein Zuhaus mehr noch Familie gibt.



(Oktober 1996)


Aus dem Polnischen von Monika Cagliesi.


Agnieszka Kuciak, geb. 1970, lebt in Poznan. Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der dortigen Universität. Übersetzerin aus dem Italienischen und Englischen. Mehrere Publikationen in Literaturzeitschriften, ein Lyrikband: "Retardacja" (2001, Biblioteka Studium, wyd. Zielona Sowa).

Auswahl: R. Knapp: Zwei Männer... - K. Koehler: Gedichte - P. Sommer: Prosa -
A. Adamczyk: Bild 1 - Bild 2 - Inhaltsverzeichnis

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