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Editorial
Beppo Beyerl
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Dem aufmerksamen Leser ist nicht entgangen, daß den
vorliegenden Band 111 eigentlich das Alter in seinen vorgerückten oder
junggebliebenen Erscheinungen hätte füllen sollen. Indes, wir sind
beim "Verbrechen" angelangt. Der Grund dafür liegt in der Aktualität:
19. Juni, Pöggstall in Niederösterreich (Museum für
Rechtsgeschichte im Schloß Rogendorf), Großveranstatung zum Thema
"Verbrechen in der Literatur".
Organisiert wird diese Veranstaltung von Dr.
Gerhard Winkler, dem Leiter der Nö- Kulturabteilung, von Nils Jensen und
von mir. Und auf dieser Veranstaltung soll der vorliegende Band 111
präsentiert werden.
Freilich will ich Sie, werte Leserin, werter
Leser, nicht mit alten Schmähs langweilen - wir wollten ursprünglich
zum Thema "Verbrechen" einen gewissen Fritz Dostojewskij einladen, doch wir
erhielten eine klare Absage, weil besagter Herr gerade am Tisch des
Spielcasinos saß und verzweifelt auf die Pik-Dame wartete, mit der sich
ein gewisser Alexander Puschkin bedeckt hielt. Leider - auch bei William
Shakespeare hatten wir großes Pech. Der - so ließ man uns durch
Vertrauenspersonen zukommen - sitze seit geraumer Zeit mit einem gewissen Ben
Jonson im Dorfwirtshaus. Die beiden können sich wieder einmal nicht
einigen, so vereinbarten sie zumindest eine Partie Bingo. Der Sieger darf sich
als Autor des Macbeth bezeichnen.
Verzeihen Sie diese alten Schmähs,
werte Leserin, werter Leser. Selbstverständlich sind wir nicht auf den
Kopf gefallen, denn wir wissen, was wir wollen. Deshalb haben wir einen
üblen Massenmörder namens Franz Moor eingeladen, der angeblich nach
ein paar Gläsern Wein bramarbasierend zu erzählen beginnt, wie er
Hunderte brave Bürger niedergemetzelt und Häuser und Weiler
zerstört habe. Indes, so wurde uns auch mitgeteilt, habe sich besagter
Franz Moor der Polizei gestellt und stehe für die Veranstaltung nicht mehr
zur Verfügung.
Nun aber endgültig zur Wahrheit und nichts als der
Wahrheit. Einige der Autorinnen und Autoren, die in diesem Heft vertreten sind,
werden in Pöggstall aus ihren Texte lesen. Und einige werden lesen, die
nicht in diesem Heft vertreten sind.
Das ist keine Lüge, ich
schwör's.
Klingt das nicht vielversprechend?