Podium 109 - Das darf doch nicht wahr sein

Photo Credit:US National Oceanic and Atmospheric Administration

Summer time is parting time...

Sylvia Treudl

Die vollkommene Absenz von jeglicher Form des Charmes macht das Zusammenleben mit einer anderen Person zwar ziemlich unmöglich, erleichtert Trennungen aber ungemein.
Einer, der ohne zu fragen vom gemeinsamenTeller das Huhn nimmt, keine Erkundigung - höflichkeitshalber - einholt über die Vorlieben von Keulchen oder Brüstchen, kann nicht der Richtige sein. Auch nicht, wenn er - normerfüllend, zumindest in diesem Bereich - im Lokal abends rote Rosen schenkt, was an sich schon schlimm genug ist, diesen läßlich lächerlichen Faux pas aber zur gemeinen Peinlichkeit überhöht, indem er sich über den Preis der Blume ausläßt.
Einer, der schon beim Frühstück erkennbar mißgelaunt ist, obwohl noch gar nichts mit dem Tag passiert ist (was wenigstens eine zünftige Erklärung für etwaigen Mißmut bei der Partnerin wäre), ist eine Belastung für den ganzen Vormittag
Einer, der nicht zuhören kann und deshalb auch an reduzierter Wahrnehmungsfähigkeit leidet - was ihm aber klarerweise nicht auffallen kann - ist eine Mühsal. Eros, Thanatos, Sisiphus, wie meine Freundin Karin zu sagen pflegt. Wie wahr.
Es kostet schon ein bißchen Mühe, dann, wenn es endlich so weit ist, daß der kragen platzt und eh schon längst klar ist, daß diese Sache gelaufen ist, nicht vernichtend zu sein. Und sich den Satz zu verkneifen, daß es leider nicht wichtig genug war, um jetztwer weiß was zu meinen; vom Fühlen ganzzu schweigen.
Aber wenn der betreffende Knabe dann auch noch präpotent wird und meint, er wäre der einzige, der schlau genug ist, um einen Computer aufzudrehen oder unverzichtbar zum Ausgehen, ja dann...

Sylvia Treudl, geb. 1959 in Krems, von 1985 bis 1997 Verlegerin im Wiener Frauenverlag / Milena, seit 1998 freie Autorin, liebt Katzen, Inszenierungen, Motorräder und gut gekühltes Bier in dieser Reihenfolge.

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