Podium 108 - Theater |
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Es ist ein bekannter und immer wieder kritisch kommentierter Umstand, daß die darstellende Kunst bei den öffentlichen Zuwendungen ein erhebliches Übergewicht gegenüber allen anderen Kunstsparten besitzt. Riesige Musentempel werden erhalten, obwohl es kaum einen Theaterpraktiker gibt, der nicht ihre längst überholte Bauweise verflucht und die großen Guckkastenbühnen nicht eher als Einschränkung denn als Errungenschaft empfindet. Enorme Apparate dienen nur dazu, die Tatsache sicherzustellen, daß Abend für Abend der Vorhang hochgehen kann. Was danach auf der Bühne passiert, ist Nebensache. Kein Wunder, daß die Geschehnisse auf der Bühne häufig einem Spaziergang durch das Theatermuseum gleichen, und es mitunter so aussieht, als wären die ästhetischen wie gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte am Theater spurlos vorübergegangen. Umso verwunderlicher, daß es noch immer Menschen gibt, die Theaterstücke schreiben. Verwunderlich auch deshalb, weil die Autoren von allen an einer Aufführung Beteiligten jene sind, die am meisten vom Erfolg eines Stückes abhängen. Erst wenn die Abendkassa Umsatz macht, fließen auch die Tantiemen. - Alles keine Argumente für jene, die es zum Drama drängt. In Österreich waren das immer schon überproportional viele. Ob es nun mit dem hierzulande besonders deutlich ausgeprägten Hang zur Selbstdarstellung zusammenhängt, zum großen Auftritt, oder ob hier einfach mehr als anderswo eine Wirklichkeitssicht gelebt wird, die Shakespeare mit "Die ganze Welt ist Bühne" beschrieben hat, sei dahingestellt. Doch Österreich ist ein Land der Dramatiker und Dramatikerinnen. Von Raimund, Nestroy und Grillparzer führt eine gerade Linie über Horváth, Schnitzler und Hofmannsthal zu Bruckner, Bronnen und Drach und weiter bis zu Wolfgang Bauer, Thomas Bernhard und Werner Schwab. Kein Spielplan dieser Welt kann sich es leisten, auf österreichische Beiträge zu verzichten. Peter Handke, Peter Turrini, Elfriede Jelinek oder Felix Mitterer werden in nahezu alle Weltsprachen übersetzt, Marlene Streeruwitz, Gert Jonke oder Franzobl sind im Ausland bekannt und angesehen. Der vorliegende Band möchte zeigen, daß es abseits der großen Namen eine Vielzahl von zeitgenössischen, in Österreich lebenden Autorinnen und Autoren gibt, die es ebenfalls wert wären, gespielt zu werden. Die in Direktionen und Dramaturgien oft gepflogene Ausrede, man wolle ja so gerne Zeitgenössisches spielen, nur könne man es mangels entsprechender Stücke leider nicht, soll damit entkräftet werden. Die hier vorgestellten Dramentexte, allesamt aus der jüngsten Produktion und nur zum geringen Teil bereits uraufgeführt, sind von so unterschiedlichen sprachlichen, dramaturgischen und thematischen Herangehensweisen, daß förmlich für jedes Theaterverständnis (um nicht zu sagen: für jeden Geschmack) etwas zu finden sein müßte. Sie sind sehr verschieden und mitunter rätselhaft, ähnlich wie die Einzelteile des Coverfotos von Nick Mangafas, die (aufgenommen bei Proben für Figurentheateraufführungen) alle kleine Mini-Dramen erzählen. Auch ohne die Schauspieler. Denn selbstverständlich ist Theater auch eine eigenständige Literaturgattung, ganz unabhängig davon, ob sich nun Bühnen zu Aufführungen bequemen oder nicht. Deshalb wurden auch die speziellen (und sehr unterschiedlichen) Schreibweisen der Autorinnen und Autoren beibehalten. Bei jedem Stück ist der kurzen, vom Redakteur dieses Bandes erstellten Inhaltsangabe und einer längeren Textprobe ein Lebenslauf samt Werkverzeichnis der betreffenden Autorin, des betreffenden Autors angefügt. Hier finden Sie auch die Rechteinhaber, bei denen Sie den kompletten Text zur Ansicht bestellen können. Denn erst dadurch gewinnt diese Auswahl ihren Sinn: Wenn sie Lust macht auf das Weiterlesen. Und auf ein Wiedersehen mit den Texten - auf der Bühne. |
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Auswahl:
H. Staffler: Hallimasch
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