Podium 105 - Kinderliteratur |
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Die erste GeschichteAlfie tauchte den Zeigefinger seiner rechten Hand in die rote Farbe des Malkastens. Erst bewegte er seinen Finger ein bißchen nach links, dann ein bißchen nach rechts. Die rote Farbe reichte bereits bis zum Ende des Fingernagels. Dann zog er den Finger wieder zurück. Auch die grüne Farbe sah sehr verlockend aus. Von der gelben und der blauen und der violetten Farbe gar nicht zu reden! Unruhig rutschte er auf dem Teppich seines Kinderzimmers hin und her, daß er fast das Wasserglas umgeworfen hätte. Da fiel Alfies Blick auf seinen rechten Fuß. Oder besser auf seinen rechten Socken, den er über den Fuß gezogen hatte. Der Socken war weiß wie frischer Schnee. Schnell bemalte Alfie mit seinem Zeigefinger den Socken mit roter Farbe. Dann tauchte er den Finger in die grüne Farbe. Mit der grünen Farbe bemalte er seinen linken Socken. "Hab ich mir gedacht!" rief die Mutti, die soeben die Tür geöffnet hatte. "Immer wenn es ruhig ist, machst du eine Schweinerei. Zwei bunte Socken! Der eine rot, der andere grün! Wie kann man nur auf so blöde Ideen kommen! Das ist doch nicht normal!" Die Mutti beugte sich hinunter und zog eigenhändig die beiden Socken von Afies Beinen. Schnell eilte sie aus dem Kinderzimmer, um die Socken in die Waschmaschine zu legen. Alfie ging zum Schrank neben seinem Bett. Er öffnete die zweite Lade. Unter einem Bild, das seinen Vati zeigte, lag ein Ring. Ein einfacher Ring aus Draht mit einem großen Rostfleck. Alfie steckte den Ring auf den Ringfinger und drehte dreimal den Ring um den Finger. Kaum war die dritte Drehung fertig, öffnete Mutti die Tür. Sie ging barfüßig, der eine Fuß war pinkig und der andere grün bemalt. "Kannst du dich noch erinnern, daß man vor Jahren zwei gleichfarbige Socken trug?" fragte sie ihen Sohn. "Was waren das für schreckliche Zeiten. Übrigens, wie gefällt dir meine jetzige Mischung? Der rechte Fuß pinkig und der linke Fuß grün?" "Nicht schlecht!" antwortete Alfie. "Aber ich würde zum pink-Ton noch ein bißchen violett geben. Dann leuchtet dein Fuß von der Ferne bereits dreimal um die Ecke." "Kannst du das mir hinaufmalen?" fragte die Mutti. "Mach ich sofort"! antwortete Alfie. Doch wie lange er benötigte, wußte er nicht mehr. Als er die kleine Zehe bemalte, war er nämlich eingeschlafen. Die zweite GeschichteDas nächste Mal drehte Alfie den Drahtring, als das mit dem Turban passierte. Genauer gesagt mit dem Turban und dem schwuppdiwupp und dem Mit-den-Finger-Schnippen. Alfie erhielt den Turban von Olmi, der zwei Reihen vor ihm in der Klasse sitzt und aus einer Stadt kommt, von der niemand weiß, wo sie liegt. In Jugoslawien, sagen die einen. Die anderen sagen, die Stadt liegt in Serbien, und der Olmi sagt, sie liegt in Kosovo. Die Mutti schimpfte schon, als sie den Turban von der Ferne sah. "Wie schaust denn du aus!" sie ließ beinahe den Teller fallen, den sie in den Schrank stellen wollte. "Das kann doch nicht mein Sohn sein!" Vor Schreck legte sie den Teller in das Kühlfach. "Ich habe noch zwei andere" erzählte der Afie. "Wenn man einen auf den Kopf setzt, dann muß man fünfmal schwuppdiwupp sagen und dazu mit dem Finger schnippen. Soll ich es dir zeigen?" fragte Alfie. Die Mutti wollte schon den Schrank in das Kühlfach stellen. So aufgeregt war sie. "Marsch ins Zimmer! Und dort wirst du aufräumen!" befahl sie. - "Ich habe dir noch gar nicht gesagt, wazu man die beiden anderen Turbane braucht!" "Du wirst sie überhaupt nicht mehr nicht mehr brauchen. Ich werde die Turbane nämlich zum Altpapier geben. Achwas. Besser zur Problemsammelstelle. Dort werden nämlich die Probleme gesammelt. Aberwo, ich werde ihn zerreißen und ins Klosett werfen. Jawoll." Schnell eilte Alfie in sein Zimmer, steckte den Ring auf seinen Finger und drehte ihn dreimal. Alfie lag mit dem Turban im Bett. Seine Mutti öffnete die Tür und hatte ebenfalls einen Turban auf. Unter dem Turban traten ihre Haare hervor. "Das ist gut, daß du endlich mit dem Turban ins Bett gehst. Da werden die Haare nicht schmutzig vom Polster, und der Polster wird nicht schmutzig von den Haaren. Nur Schmutzfinken gehen ohne Turban schlafen, oder?" Alfie brüllte fünfmal schwuppdiwupp und schnippte dazu mit den Fingern. "Jetzt setz doch noch die beiden anderen Turbane auf, dann hast du es richtig gemütlich", forderte ihn die Mutti auf. Schnell griff Alfie nach dem zweiten Turban. An den dritten konnte er sich nicht mehr genau erinnern. Da war er nämlich schon eingeschlafen. Die dritte GeschichteAlfie saß auf dem Teppich in seinem Kinderzimmer und heulte. Warum er heulte, wußte er nicht. Aber er heulte. Wie das klingt, wissen alle. Deswegen ist es nicht notwendig, das Heulen zu beschreiben. Für die, die es nicht wissen: Es klingt ungefähr so: "Bähbrähbruuhböökrrgöökröööbähämpfbähmpfbähmpfbähmpfbääääh!" Prompt ging die Türe auf und die Mutti brüllte - sie mußte ja brüllen, sonst hätte der heulende Alfie sie nicht verstanden: "Bist du denn komplett übergeschnappt! In deinem Alter! Und das will ein Bub sein? Heult in einer Tour! Wenn du nicht sofort aufhörst zu Heulen, dann sag ich es deinem Vati, wenn er nach Hause kommt!" Woraufhin Alfie weiterheulte. Und zwar so laut, wie er noch nie früher geheult hatte. "Peng" machte die Tür und Mutti war draußen. Da hörte Alfie auf zu heulen. Er atmete tief durch und holte den Ring aus der Lade. Als er dreimal gedreht hatte, öffnete die Mutti die Tür zum Kinderzimmer und grinste: "Das ist gut, daß du heulst. Es ist gut für die Stimmbänder und verhindert das Asthma. Außerdem hat Michael Jackson zwischen acht und zwölf Jahren jeden Tag dreiundeinhalb Stunden geheult. Kannst du nicht ein bißchen lauter heulen? Und Alfie brüllte so laut, daß er auf der Stelle umfiel und einschlief. Die vierte GeschichteDie vierte Geschichte weißt du selbst vielleicht am besten. Du brauchst nur in die Lade zu greifen, in der unter dem Foto deines Vatis der Ring liegt. Dann steckst du den Ring auf deinen Ringfinger. Was dann passiert, das ist aber bereits deine Geschichte.
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