Podium 105 - Kinderliteratur

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Literatur mit Zukunft?

Gerald Jatzek

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Kinderliteratur hat im deutschsprachigen Raum einen schlechten Ruf, gilt sie doch als bloßes Anhängsel der Belletristik. Mit dementsprechender Herablassung wird sie von der Germanistik und ihren Außenstellen im bundesdeutschen Feuilleton behandelt. Statt Kinderbücher als künstlerische Produkte zu verstehen, die auf die Erfahrungen einer Zielgruppe abgestimmt sind, wenden sich Großkritiker naserümpfend ab, weil sie in den Texten ein Zuwenig an literarischen Techniken konstatieren.

Vielleicht ist das aber auch ein Glücksfall. Während zahlreiche Literaten eine technische Volte um die andere schlagen, nur um von FAZ & Co wahrgenommen zu werden, und dabei glatt auf das Erzählen vergessen, konzentrieren sich die ohnehin ignorierten Kinderbuchautoren auf ihr Publikum. Was uns immerhin den Einsatz des inneren Monologs in Büchern für Erstleser erspart.

Aufgrund dieser Bindung an die Leser, reagiert die Kinderliteratur auch rascher auf neue Möglichkeiten. Es waren CD-ROMs wie "Cosmic Osmo" und "Just Grandma and me", die als erste die Möglichkeiten digitaler Medien nutzten und den Anwendern einen interaktiven Umgang mit dem Text boten. Mittlerweile sind Hypermedia-Produkte für Kinder zur Selbstverständlichkeit geworden, im Bereich der Erwachsenenliteratur muß man sie noch immer mit der Lupe suchen.

In Österreich findet diese Entwicklung freilich nur zögerlich statt: Die finanzielle Basis der wenigen verbliebenen Kinderbuchverlage ist zu schmal, und die Förderungen, die Bund und Länder zur Verfügung stellen, sind lächerlich.

Vielleicht können sie auch diese bald einsparen, will doch die Sozialministerin alle künstlerischen Tätigkeiten sozialversicherungspflichtig sehen. In der Praxis hieße das einen dreißigprozentigen Abzug von jedem Lesungshonorar. Vom Rest sind dann Umsatz- und Einkommenssteuer zu berappen.

Wer diese Pläne als existenzgefährdend empfindet, kann mit den Autoren Mitterer und Ransmayr Kontakt aufnehmen. Die sind bereits nach Irland ausgewandert.

Er oder sie kann freilich auch dagegen kämpfen: in Artikeln, in Briefen an die Verantwortlichen, in Gesprächen, durch Mitarbeit bei Aktionen der IG Autoren und anderer Interessensvertretungen.

Es wird Zeit, daß man uns bemerkt.

Auswahl: B. Beyerl: Vier Geschichten vom Ring - G. Bydlinski: Was Lukas... S. Lau-McDonald: Amerikanische Kinderbuch-Bestseller - S. Lau-McDonald: Kinderliteratur in den USA -
B. Schwaner: Kaspers heller, zappliger Schatten

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