Podium 102 - Ungarn

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Weiß-schwarz

Zsusza Rakovsky

Zur Auswahl

Lebendig werfen sie die Ratte in den Ofen:

erst knisternd in den gelb und roten Flammen

ihr Schatten noch, ein zartes Nagetier-

skelett dann unter gläsernem Verschluß

eines Schaukastens in einem Museum,

auch das dann nicht mehr. Überschuß an Kat-

zenjungen wird ersäuft, hernach zum Müll

damit, der bunte Pelz eines durchnäßten Kragens

in Fetzen zwischen Schutt und Zwiebelschalen.

Die Sonne scheint indes, blau ist der Himmel,

die Wiese grünt, und all das ist unglaublich.

Die Fahlen, scheinbar toten Zweige brechen

in Knospen aus, Smaragde inkognito

im gelben Gras des Vorjahrs, Stachel

des Sonnenlichts, es neigt sich Mittag auf das Ödland,

und Sommer wird, Millionen Kohlweißlinge

treiben im Wirbelwind, über dem Rasen, faul

und träge, lieblich weiß, Atommodelle:

die Pusteblumen. Gut ist alles, wie

es ist: das ist die Sicht des Auges. Doch im Hirn

wechseln nicht enden wollend Für und Wider

zu gleicher Zeit, und ordnend sichtet es

die Bilder, ob dafür oder dagegen.

Eiskalten Auges mißt mich eine Laborantin:

die Blume hier, und dort die Ratte. Eine weiß

und schwarze Logik malmt die Argumente,

erpresserisch, daß ich entscheiden soll:

ein ganzes Ja, oder zum Ganzen: Nein.

Zsuzsa Rakovszky (1950, Sopron): Dichterin, literarische Übersetzerin, Tovább egy bázzal (Gedichte) 1987; Febér-fekete (Gedichte) 1990; Hangok (Gedichte) 1993.

Auswahl: Z. Balla: Verfluchte Idylle

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