Podium 100 - Jubiläum |
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Seit einige Autoren und Autorinnen, unzufrieden mit der literarischen Landschaft in Österreichs flächengrößtem Bundesland, sich zusammengefunden hatten, um Podium zu gründen, ist ein Vierteljahrhundert vergangen und manche Vorstellung literarischer Aktivitäten ging über die Bühne. Auf zahlreichen Podien wurde vorgeführt, wie es sein kann. Die Akteure traten vor die Kulissen und soufflierten dem Publikum. Ich hatte eben meine ersten Schritte in die literarische Szene gesetzt (in den "Neuen Wegen" und im "Wespennest" waren Texte erschienen sowie Prosa in einem Bändchen der "Edition Literaturproduzenten"), als mich Alfred Gesswein (oder war es Alois Vogel) bei einer Veranstaltung ansprach wegen einer Mitgliedschaft im Podium. Bald danach ein Schreiben, daß ich aufgenommen worden sei. In der dritten und vierten Nummer der Zeitschrift war Prosa und Lyrik abgedruckt worden. Man lud mich zu Lesungen ein, da saß ich als Neuling auf dem Podium der Kleinen Galerie, wir fuhren nach Graz und Villach, wobei ich ältere Kollegen und Kolleginnen kennenlernte, bereits etablierte Autoren, und mit deren Literatur vertraut wurde, die sich schon Mal unterschied von meinen Auffassungen. Wurde mein Standpunkt zwar nicht immer geteilt, respektierte man trotzdem meine Ansicht, widersprach, diskutierte und argumentierte für und wider. Selbst, wenn die Meinungen nicht zueinander fanden, blieb eine persönliche Beziehung aufrecht. Ich hatte jene Toleranz erfahren, die ich in anderen Kreisen vermißte. Der gemeinsame Nenner hieß Literatur. Als Mitglied des Vorstandes hatte ich die Möglichkeit, eigene Vorstellungen einzubringen. So wurde die Idee geboren, einen Lyrikwettbewerb für und Jugendliche auszuschreiben, jeweils in einem anderen Bundesland. Die Siegergedichte wurden in der Zeitschrift abgedruckt. Dann der Gedanke: Gedichte lebender Autoren und Autorinnen werden von Schülern benotet, nach sportlicher Manier sollte eine Bewertung erfolgen. Was gefällt einem jugendlichen Publikum? Ohne die Verfasser zu nennen, lasen Elisabeth Hauer und ich in zahlreichen Schulen die eingereichten Gedichte. Alfred Gessweins Beitrag erzielte die meisten Punkte. 1983 starb Alfred Gesswein, und der Verein stand vor der Notwendigkeit, dessen vielfältige Aktivitäten aufzuteilen. Ich übernahm ab 1984 die Zusammenstellung des Lyrikflugblattes, weil ich das Anliegen schätzte, Menschen auf Lyrik aufmerksam zu machen. Ich fühlte mich verpflichtet, jenen Enthusiasmus fortzuführen, den ich mit Wilhelm Szabo erlebt hatte, als wir 1973 zusammen Flugblätter an Passanten in der Wiener Innenstadt verteilt hatten - ein 73jähriger und ein 26jähriger. Inzwischen hat das alljährliche Lyrikflugblatt des Podium den Status einer Institution errungen, wird von Lehrern als Hilfsmittel für den Unterricht eingesetzt und bestärkt jene, die Lyrik für beachtenswert empfinden. Was ich am meisten schätze, seit ich Podium angehöre, ist die praktizierte Koexistenz unterschiedlichster Individuen. Zur Zeit des "Kalten Krieges" zwischen dem Österreichischen PEN-Club und der Grazer Autorenversammlung war Podium die einzige Plattform, wo Mitglieder der einen wie der anderen Vereinigung miteinander Podien und Publikationsorgane teilten, ebenso wie Kaffeehaustische. Kontroversen wurden ausgetragen statt nachgetragen, man biß in Wurstsemmeln statt in Waden und traf sich beim Heurigen. Die Frage war niemals, woher jemand kommt, sondern wohin jemand strebt. Derart hat mir Podium eine literarische Heimat geboten, die ich nicht missen möchte. Podium ist nicht zuletzt dank des selbstlosen Engagements einiger zu dem geworden, was es heute ist. Als noch keine Rede von einem "Österreichischen Kulturservice" war, hat Alois Vogel Schullesungen organisiert und Kollegen vermittelt - ohne bürokratischen Aufwand, ohne einen Stab von Mitarbeitern sowie ohne ein entsprechendes Budget. Wir Jüngeren haben von den Alten ein Gebäude übernommen, das wir um zusätzliche Stockwerke erweitern wollen. Indem wir deren Bestrebungen fortführen, rechtfertigen wir deren Einsatz. Wir sind in ein Nest gesetzt worden, in das wir unsere zukünftigen Bemühungen legen werden. Darüber werden wir brüten. In der ersten Nummer der Zeitschrift Podium hat Wilhelm Szabo programmatisch zur Gründung des Literaturkreises Podium erklärt: "Podium wird allen dem niederösterreichischen Raum verpflichteten Schreibenden offenstehen, den avantgardistischen so gut wie den traditionsgebundenen, den engagierten nicht minder wie den Vertretern der sogenannten reinen oder absoluten Kunst. Es wird keine Benachteiligung der Jungen in ihm geben, im Gegenteil, aber ebenso keinerlei Bereitwilligkeit, Könner allein ihres Geburtsjahrgangs wegen in ein geistiges Altenteil zu verweisen." Wilhelm Szabos Worte besitzen nach 25 Jahren immer noch Gültigkeit. Als Obmann des Podium werde ich trachten, gleichermaßen Traditionen aufrecht zu erhalten, wie Neuland zu betreten, technische Herausforderungen neuer Medien annehmen und mich den daraus resultierenden Veränderungen stellen. Mit Hilfe all jener, denen daran liegt, daß die Literatur in unserem Land jenen Stellenwert besitzt, dessen eine Kulturnation sich rühmt. |
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Auswahl:
A. Drach: Lullo und Lulla - C. Erdheim: Virve
- A. Gesswein: Parsfleth -
W. Szabo: Selbstbildnis - Index 1-100 |
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