Silberbauer # 46 Niederle # 47 Seidlhofer # 48
             

podium porträt #4: Wilhelm Szabo

Heimat

Nehmt es hundert Jahre nicht in den Mund,
dies Wort,
das eure Lippen verfälschten
in einen Namen des Hasses!

Laßt es ausruhen vom Mißbrauch,
auf daß es
verliere den schuldhaften Klang
und nicht Ausschließendes mehr benenne,
nicht Hinterwald, feindliche Enge,
nur Lande noch,
aufgetan allen,
im Häusermeer bergend, in Weilern
ein brüderliches Geschlecht!

 

Wilhelm Szabo


Wilhelm Szabo (1901-1986) veröffentlichte Gedichte und Nachdichtungen (Jessenin, Neidhart v. Reuenthal)
[Mehr...]

Sie ruhten nicht,
dich klein zu kriegen

Sie ruhten nicht, dich klein zu kriegen,
versichert der Treue des Knechts.
Sie ließen dich immer links liegen
und suchten dich rechts.
 


Schlußwort

Wohl, die wir fanden die Klänge
sind wie in Winde gesät.
Lieder verwehen. Gesänge.
Aber das Singen besteht.


Das Dorf Unter-Wegscheid

Das Dorf Unter-Wegscheid
steht am Grunde des Stausees.
Schleien schwimmen durch seine Gehöfte,
die Teichmuschel haust in den Schiebstatt,
im Gerätehaus
der Freiwilligen Feuerwehr
wuchert die Wasserlinse.
Die Glocke
der zwiebeltürmigen
kleinen Kapelle
blieb oben.
Doch der ausgesiedelte
Ausnehmer Johann Gföller,
den man später entmündigte
und eine Zeitlang
ins Mauer-Öhlinger Irrenhaus sperrte,
will es beim nächtlichen Heimgang
vom Jahrmarkt der Kreisstadt
manchmal läuten gehört haben
in der verwunschenen Tiefe.

 


Unübersetzbar

Unübersetzbar
bleibt das Geraschel des Winds
im abgehäupteten Mohn
und jedem Ausdruck versagt sich
das Brüten des Hochmoors,
das lautlose Lauschen der Öde.
Dichter, Dolmetsch des Schweigens,
bisweilen listest du ab
der Stummheit ein Wort,
ein undeutbares, dunkles,
aber dahinter beharrt
fremd und verweigernd
das Unaussprechliche,
zugänglich keiner
Beredtheit.



Wilhelm Szabo: Ausgewählte Gedichte. Vorwort: Wendelin Schmidt-Dengler, 64 Seiten, DIN A6, ISBN 3-902054-09-3, Euro 6,-.
 

bestellen