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podium porträt # 27: Gerhard Kofler

LEI KOAN BLUES

wenn oaner
mit si selber redet
nocher spinnt er
deswegn liaber
olm gonz still sein
und die ohrwaschtln
zuastopfn

wenn du di oamol
decht no hearsch
bleib um krischti willn
normal
gib koa ontwort!


lei = nur
koan = keinen
Blues = u.a. eine Form des Selbstgesprächs (Joachim Ernst Berendt)
olm = immer
ohrwaschtln = Ohren
hearsch = hörst
um krischti willn = um Christi willen

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QUASI UNA POESIA LUNGA

mi dicevo: oggi finalmente
tenterai una poesia lunga
sai, una di quelle democratiche
dove le parole si accumulano
e il ritmo nasce da un groviglio
inesorabile di immagini
spezzate e tritate per fare
il brodo della totalità
mi dicevo: oggi non perderai
la pazienza non ti trascinerai
oltre i rumori di strada
il respiro del bambino che dorme
e il gatto che fa le fusa
farai questa benedetta poesia lunga
col vecchio trucco della poesia
sulla poesia e dell'ispirazione
profanata: qui la biro, la carta
la mano e avanti tutti in piazza
continuavo a dirmi che ero ancora giovane
e d'altronde vecchio abbastanza
che se c'era un'età adatta
doveva essere proprio questa
continuavo a dirmi tutto ciò
finchè mi sono messo a scrivere
e adesso proprio l'ho scritto
e mi dico: tu continua a scrivere
come se ti dicesti "oggi finalmente
tenterai una poesia lunga"
ma non è poi così facile
rimanere in sella a un cavallo
matto ed appena inventato
e allora mi dico che potrei
scavalcare i recinti della retorica
e lasciare il rodeo metaforico
piombando nella scrittura automatica
ma c'è già troppo sforzo e
troppa intesa con l'orgasmo del frammento
e troppi orizzonti devastati
da troppi galoppi di poesie lunghe
e ormai anch'io c'è l'ho fatta
ed è un po' come quando si era stati promossi
che allora era sempre come finire una vita
col dire "insomma ma questo era già tutto?"

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FAST EIN LANGES GEDICHT

ich dachte: heute endlich
schreibst du ein langes gedicht
eines von diesen demokratischen
wo die worte sich häufen
wo der rhythmus entsteht
aus einem gewaltigen gewirr von bildern
die zerhackt sind und aufbereitet
für die brühe der totalität
ich dachte: heute verlierst du nicht
die geduld du verlierst dich nicht
an den straßenlärm
an das atmen des kinds im schlaf
an das schnurren des katers
du wirst jetzt dieses verdammte lange gedicht schreiben
mit dem alten trick des gedichts
über das dichten und die entweihte
inspiration: hier der stift, das blatt
die hand und los, alle auf die straße
wiederholt dachte ich ich bin noch jung
aber auch alt genug
und wenn es ein richtiges alter gibt
so muß es gerade dieses sein
das alles wiederholte ich
bis ich mich ans schreiben machte
und jetzt habe ich es wirklich geschrieben
und denke: schreib weiter
so als ob ich dir sagte: "heute endlich
schreibst du ein langes gedicht"
aber es ist nicht so einfach
sich im sattel zu halten
auf einem wilden gerade erdachten pferd
deshalb denke ich ich könnte
das gehege der rhetorik durchbrechen
dieses rodeo von metaphern verlassen
und mich stürzen in die automatische schreibweise
aber zuviele mühen sich schon ab
zuviel anbiederung schon mit der ekstase des fragments
und zuviele ausblicke sind verwüstet
von zuvielen ritten langer gedichte
aber jetzt habe auch ich es geschafft
und es ist fast so wie nach einer bestandenen prüfung
was früher immer auch war wie ein leben beenden
mit dem satz: "was, das war schon alles?"

(Aus dem Italienischen übertragen von Ludwig Paulmichl.)


Gerhard Kofler: Ausgewählte Gedichte. Vorwort: Kurt Neumann. Zusammenstellung: Hannelore Kofler. 64 Seiten, 1 Foto. Euro 6,-. Podium (Podium Porträt Bd. 27), Wien 2006

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