Der Gessweinpreis 2005 zum Thema "Kampf"

ALFRED GESSWEIN PREIS 2005

Einstimmig und glücklich hat die Jury Gabriele Kögl und ihren Beitrag "Alles, wo man nicht hinkommt, ist so weit weg wie Amerika" für den Gessweinpreis 2005 gekürt. Dieses Mal waren Einreichungen zum Thema "Kampf" erbeten.

Die Jury setzte sich zusammen aus Renate Welsh, Autorin, Dr. Harald Klauhs, "Die Presse", und Beatrix M. Kramlovsky, Autorin.

101 Arbeiten wurden rechtzeitig eingereicht und der Jury übergeben. Auffallend war die erfreuliche Dichte an gut erzählten Geschichten. Was irritierte, war die Beschränkung auf zwei Themenkreise: den Krieg (Soldatenleben, entpersonalisiertes Grauen und die Angst während der Kampfhandlungen) einerseits und das Frau-Mann-Verhältnis andererseits, den Kampf der Geschlechter in der üblichen Zweierbeziehung. Es gab hier Texte, die teilweise wirklich überzeugten durch ihre sprachliche Qualität, aber die Darstellung des Themas war weder originell noch regte sie kontroverses Denken an.

Fast alle Geschichten waren linear und chronologisch erzählt, technisch gut aufgebaut, aber das eigentliche Wesen des Kampfes, das Aushöhlende, Zerstörende, gleichzeitig grausam Erfinderische und Kreative kam selten zum Ausdruck.

Allerdings gab es eine Handvoll Texte, die die Jury wirklich erfreuten. Einige rare Lyrikarbeiten porträtieren mit unverbrauchter, aufregend gekonnter Bildsprache Kampfaspekte, Befindlichkeiten und Schauplätze. Wenige dramatische Stücken verführten zu Debatten, weil sie innovativ und gut geschrieben sind, zwei, drei Prosatexte sind von beeindruckender Qualität, die eine Reihung schwer machen.

Der Siegertext allerdings stand von Anfang an und ohne Diskussion fest! "Alles, wo man nicht hinkommt, ist so weit weg wie Amerika" von Gabriele Kögl ist ein Auszug aus einem Romanmanuskript, der in seiner Dichte, Geschlossenheit und Intensität ohne Abstriche für sich steht. Die Mutter, die gegen Einsamkeit, Enttäuschung, das Gefühl, betrogen worden sein, ankämpft und gleichzeitig gegen ihre Kinder antritt, erzählt in all ihrer Bitterkeit und ohne sich darüber klar zu sein, von Absichten und Erwartungen, und den zermürbenden Streit um Zustehendes oder Einzuforderndes. Alles im Namen der Liebe, alles so, wie viele es kennen, aber alles in einer Sprache, deren Reichtum und Genauigkeit die Jury beeindruckte und einstimmig entzückte.

In die engere Wahl kamen (alphabetisch gereiht):
Bettina Balaka, Milena Michiko Flasar, Yvonne Giedenbacher, Ulrike Kotzina, Marcus Poetler und Elisabeth Wäger. Einige ihrer Texte werden im Preisheft des Podium ebenfalls veröffentlicht.

Die offizielle Feier und Präsentation wird am 8. Dezember 2005 stattfinden.

PODIUM gratuliert und dankt allen, die mitgemacht haben, für ihre Einreichungen.