Gessweinpreis 1993 für Lyrik

Bettina Balaka

ein gebäude steht bis es durch feuer umkommt:
ich festige es mit ziegeln und riegeln:
geplante gänge in strengen systemen:
die autochthone grube zum gefüge erweitert:
ich will es beatmen mit meinem leben
damit es bleibt und gedeiht und die blitze abweist
damit es ein faradaykäfig und ich vor dem lichtspritzenden zerren verborgen
! doch immer kommt das gebäude um
! doch immer
! doch kommt das gebäude immer um

denn tapfer kaue ich ruhe und schlürfe den schlaf:
ich kühle den puls bis die blutströme gleiten:
bis trommeldonnern versiegt bis:
die hallen in falscher friedlieblichkeit:
und im dunkeln zischt ein teuflischer funke
ein bläuliches feuerwort von meiner zunge auf
und zugleich entweicht spannung aus den untoten polen
der brüste glost terror bricht brand
! und alles zerstört der orkan um mich
! und alles
! und alles um mich zerstört der orkan

wer stürme mäht wird geerntet vom sturm:
kein treues gebäude bewohnt brache äcker:
wo drinnen das chaos gefriert klirrt es draußen:
eiszapfen durchwachsen das heulende fleisch:
ich baue mir häuser aus wärmenden händen
erhänge am giebel das all und die nacht
füge fremde zähne zu rädern
die sich in meinem munde drehn
! doch immer frißt mich der morgen allein
! und immer
! immer frißt mich der morgen allein

Bettina Balaka, geb. 1966 in Salzburg, studierte Englisch und Italienisch, ist Übersetzerin und lebt in Wien.