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Uns, die wir schreiben
Uns, die wir schreiben,
ist es bestimmt,
aus gesprungenen Krügen
zu trinken,
leere Kelche zu füllen,
vor Rissen zu warnen,
die Hunde zurückzupfeifen,
eine Erklärung
für ihr Gebell zu suchen,
auf dem Papier
die Welt aus den
Angeln zu heben
oder nur einen Gedanken
zurechtzurücken,
für das Versiegen von Quellen,
das Platzen von Seifenblasen,
für das unpassende Stichwort
eine Erklärung zu finden,
auch wenn sie um einen Schmerz
schmerzhafter ist für uns,
die wir schreiben.
*
Wir konservieren
Wir konservieren
Gemüse,
damit wir nicht hungern müssen,
morgen.
Wir konservieren
Gefühle,
damit wir Freunde haben können,
morgen.
Wir konservieren
Parolen,
damit wir bleiben können,
morgen.
Wir konservieren
Gedanken,
damit wir uns erinnern können,
morgen.
Wir konservieren
auch Liebe,
als ob wir sie nicht verschenken könnten,
heute.
*
So eine brave Frau,
macht keinen Staub,
keinen Lärm,
hat keinen Streit,
keine Schulden,
verlangt weder
Hilfe noch Dank,
schreibt
keine Beschwerde.
Ein ganzes Jahr
fällt sie nicht auf,
fehlt sie keinem.
Und wenn nur
e i n e r
gefragt hätte,
ob sie noch lebt,
lebte sie noch.
*
Unter uns
Unter uns
sind noch zu viele
über uns.
Das ist schlecht
für uns.
Entweder treten
oder leugnen
sie uns.
Über uns
scheiterten viele
ohne uns.
Das ist gut
für uns.
Sie lernen
und leben von uns,
brauchen uns.
Die Frage ist,
wie bringen wir sie
neben uns?
*
Des Hobby in di Dreißgerjoar
Mei Vata woar
a Radiobastler.
Zu derer Orbeit
braucht ma Zeit.
De hot er ghobt
in Ibafluss
in oacht Joar
Orbeitslosigkeit.
Mei Vata woar
a Radiobastler.
Zu so an Hobby
braucht ma Göd.
Des hot eam oba,
wia i waß,
ocht Joar laung gföt.
Drum haum mir nie
a Radio ghobt,
des wirkli spüt.
Ma mocht si von
an Radiobastler
goar oft a
foisches Büd.
*
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Autograph Eleonore Zuzak
Folklore
Ein Foto,
noch eines
von diesem
Motiv,
von diesem
faszinierenden
Fremden.
Zu Hause,
nach der
Entwicklung
des Films,
nach dem
Einkleben
der Fotos
ins Album,
an der Ecke
wieder
ein Fremder,
so nahe,
so fremd,
und doch
kein
Fotomotiv.
*
Schlußfolgerung
Es gibt eine wichtige Frage
in unserer Arbeitswelt,
doch der, der sie auf der Zunge hat,
hat sie noch nicht gestellt.
Die Frage wäre so einfach:
WAS HABT IHR MIT MIR VOR?
Der, dem sie am Herzen liegt,
schweigt und hat Angst davor.
Aus diesem Schweigeverhalten
ziehen die Großen den Schluß,
daß ungefragte Fragen
keiner beantworten muß.
*
Da Horizont
Um vierzehn Schilling
Orbeitslosngöd
für vier Personen
kriagt ma nur
a ganz a klanes Stickerl Wöt.
Und waunn ma no dazua
im Köller wohnt,
do kriagt ma nur
an gaunz an klanan Horizont.
A so a Aufaung
hängt wia Pflosterstana
a Lebn laung
an unserana.
*
Schuiweihnachtsfeier
I hätt so gern
den Engl gschpüt,
min weißn Kladl.
Bei jeder
Weihnachtsfeier
woar i
des oarme Madl.
I bin so schee
vahungert,
so schee dafrurn
im Woid.
Des woar net schwer
zum Lerna,
des kaunn
a Oarma boid.
*
Geburtstag
Das
Spiegelbild
befragt.
Der
Lüge das Wort
erteilt.
Zurückgeschwiegen.
Das
Fenster
geöffnet
und resümiert:
die
Straße ist
kürzer geworden.
*
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