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podium porträt #5: Alois Vogel

Mohn

Dieses sich Strecken
im späten Sommer
bis hin zur Demutsgeste
mit geneigtem Haupt
Verharren und wieder warten
auf den nächsten Schub

Im Aufrichten erst platzen
die violetten Seidenschalen
verbrennen im Feuerschlund
des Himmels in kurzer Zeit
Gleich eines Schmetterlinges
sammetweichem Flügelpaar
fallen sie zu Boden

Gekrönt wölbt sich der Leib
getrocknet wie Papier
auf hartem Stiel
im Herbstwind eine Rassel
mit dunkelblauen Träumen
dem langen Winter zu

*

Alois Vogel


Alois Vogel wurde am 1.1.1922 in Wien geboren und lebt seit 1976 in Pulkau im Weinviertel.
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Nach der Mahd

Moderduft
steigt aus dem Nachmittag
Kein Wort
will uns gelingen
Die Sonne
röstet
die Lippen schwarz

Alle Heuernten
sind längst vorbei
Die Zunge
wird
vom Wild gefressen

Ein Hirsch
trägt
in seinem Geweih
rotglühende Bänder
in den beginnenden Abend

*

Herbst im Weinland

Blaue Rauchsäulen
über den Dörfern
Der Ruch nach Eichenwäldern
im Sonnenlicht
Die weiten Kreise
des Bussards
Die sperrigen Äste
der Akazienbäume
Die grünen Furchen
im sanften Schwung
gegraben in goldenem Löß
Tor um Tor
in weißen Mauern
keine Fenster
nur Luken
aus denen die Süße
der gärenden Trauben
glucksende Lieder
vom Sommer singt

*

Spätherbst im Grenzland

Der Nebel
die Tropfen an allen Zweigen
die braunen Haufen der Nußbaumblätter
darunter
die raschelnden Mäuse

Die Erde
in dunklen Schollen am Hügel
über den brummend der Traktor rollt
riecht
wie immer Erde gerochen

Die Krähen
in niederem Flug hinter dem Pfluge
stochern stelzend den Furchen entlang
wie einst
hinter den Pferden

Im Nebel
das klagende Pfeifen der Flügelbahn
Schienen zwei silberne Linien
spurlos
im Nebel verloren

Als sie die Frau des Malers holten

Dem Andenken Heinrich Tahedls

Eben noch Sommer
ist Schnee gefallen
Wir wissen zwar alle
von dem kalten Kristall
unserer Zukunft
doch da sich die Nadeln
des Frostes
über die Brücke
des Mühlbaches schoben
verstummte das Rauschen
Des Meisters
Farben vertrocknen
Er ist in den Wald gegangen
seinen Schmerz zu vergraben
Du wirst ihn
vergeblich rufen
Die Moose und Flechten
vergangener Jahre
bedecken die Hände
Seine Füße
waten in Erinnerungen
Sein schneeiges Haupt
hat sich in Einsamkeit aufgelöst


Alois Vogel: Ausgewählte Gedichte. Vorwort: Helmut Peschina, 64 Seiten, DIN A6, ISBN 3-902054-10-7
Euro 6,-.
 

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