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podium porträt #2: Gottfried W. Stix

er brauchte die zeit
und suchte sie auch
immer aber vergebens
obwohl er lebte in ihr
wie sie ja in ihm
nur wußte ers nicht

sekunden zählten zwar kaum
doch schon minuten
waren wie stunden
diese wieder wie tage
bis unversehens
woche und monat
schließlich die jahre
zu laufen begannen
und bald sich verliefen

in der stille die folgte
war schon zu ahnen
was kommen mußte
da tropften nämlich
leise und unaufhaltsam
sekunden ins ohr


*

helleres rauschen
im frischen bergwind wehen
die blüten zum bach



*

Gottfried W. Stix


Gottfried W. Stix wurde am 6. April 1911 in Wien geboren und verfasst gleichermaßen wissenschaftliche Werke und Lyrik.
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es wurde sein schreibtisch
in ordnung gebracht
jetzt findet er nichts mehr
kein einziges der vielen
wörter und worte
sein tägliches brot
sparen hieß es auf einmal
und gut wars
siebzehn silben genügten

*

seien sie gut oder schlecht
wörter sind samen
die meistens aufgehn
doch nur dann wachsen können
wenn sie mit andern
zu leben verstehn

*

es ist ein abschied
du bringst kein wort mehr hervor
siehst nur die augen
und weißt daß das wichtigste
gar nicht gesagt worden war

lehm immer wieder
und es dreht sich die scheibe
die finger formen
schöne strenge gefäße
an scherben denken sie nicht


Gottfried W. Stix: Ausgewählte Gedichte. Vorwort: Paul Wimmer, 64 Seiten, DIN A6, ISBN 3-902054-07-7, Euro 6,-.
 

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