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podium porträt 32: Dine Petrik

KASTEN

als ob ich ein buch öffne
schließ ich den kasten auf
geräumt gewohnt hier zu
sein wo der staub in die
flügeltür lichtblicke sägt
in die mäntel bedeckend
das nichts in die einsilbig
keit alter kleiderbügel von
lang über kurz geflecktem
beherrscht - in den tropen
holz-braunen rest eines bau
mes - der sein leben gab - sei
ne arme sein haar seine haut
seine wurzeln sind dort wie ein
nichts ist und fehlt seinen duft
in der nase im kopf grüne flecken
auf rotem grund oder etwas
das vorher nicht war war ein
plötzliches händeklatschen der riss
durch das holzschnitthafte vertieft sich
mit staubiger langsamkeit: dieses schwach
getönte design ist vergänglich wie mode -

*

TISCH

ich sitze vor hackwurst und
häkel rosensalat und döse so

vor mich hin in den vorhang
rauch die gepunktet gestreif
ten gardinen in eine für mich
noch entdeckbare welt wehen
rock und kragen der um-riss
deiner gestalt hose jahre eng
an geschnitten das glas in der
hand - zigarette? dramatisch
das dekolleté jäh die lunge: so
weit du auch weg gehst bevor
du dich weg denkst und stehn
bleibst - steht dieser eiffel im
weg oder umgekehrt: wie not
durft fünf krähen im fenster

der mond klebt zwei finger
abdruck gesichter ins glas

*


Dine Petrik Signatur

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TON UND FARBE

ton um ton
wächst das gras aus
den fugen der himmel
schlägt saiten der
herbst spannt den bogen
es schmerzt: allen poren
strömt sehnsucht aus
nach dem sommer
der keiner war

*

KENNEN WIR UNS?

atemlos die
schwere feder
leicht aus
meiner hand
rinnt dieser faden
tinte blass wie
mein gesicht
ins fenster
glas hinein
gesperrt -

soll ich dich kennen
dich berühren dich
beschreiben dich zer
schlagen & zusammen
fügen für die nach
welt als ein mosaik
oder papier ver
derben wie
zuvor?

*

 

Dine Petrik Autograf

AM SCHWUNGSEIL

auf die geglückte an
sichtskarte schrieb ich
bin ich ausgesetzt dem
sehnen lässt nicht nach
bevor der tag gescheitelt
lässt die atem
fahne wehen
in dem korallen
riff des bluts - es
jagen sich zyklone
hoch so tief mein herz
hängt an dem schwungseil
schlägt und pocht verspätungen

*
AUS DER LUFT

sie ist neu geboren hat
schwalbenknochen sie
ist fremd im geblüt sie
ist wie die dem
augenwinkel
entflohene botschaft
wie der
aus der luft
gegriffene ast
der sie tragen soll
nach kurzem flug

*


 Dine Petrik: Ausgewählte Gedichte. Vorwort: Christa Nebenführ. 64 Seiten, 1 Foto. Euro 6,-. Podium (Podium Porträt 32), Wien 2007

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