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Die Reichen
Den Reichen
gehört auch der Schmutz auf deiner Haut, wie ihnen alles
gehört. Darum herrschen sie dich an: Wo ist mein Schmutz? Er
kostet mich ein Vermögen. Kein Zementstaub im Gesicht? Keine
Verbrennungen durch Teer und Asphalt? Keine Steinsplitter unter den
Fingernägeln, kein Schmieröl? Warum bist du nicht
bedreckt von oben bis unten? Warum kriecht dir nicht der Sand der
Mischmaschinen bis in den Arsch hinein? Sag das noch einmal: Du
wäschst dich? Wer hat dir befohlen, daß du dich waschen
sollst. Das wird vom Lohn abgezogen. Ich will meinen Schmutz auf
deinem Körper sehen!
*
Im Lesesaal
Heiße
Köpfe: Alchimistengefäße. Innen brodelt zartes
Hirngewebe.
Vorsichtig faßt die Pinzette meiner Fragen
hinein. Die Weisheit fühlt sich verletzt.
Entgeisterter
Dampf entweicht betroffen ins ungebildete All.
*
Auf einen
Brief
(Für
Christoph Meckel)
Der Brief duftet noch im Kuvert. Ich habe ihn
aufbewahrt. Die trockenen Gewürze der Provence, schmale
Sonnenkörner, die Wärme vieler Felder, vieler Wangen. War
es ein glücklicher Sommer? Was kann ich geben? Sende ich hundert
Tage Schnee, werden sie auf der Reise zerfließen. Sende ich, in
Blättern verschnürt, das Braungold unserer
nußbaumschweren Nächte - zu weit ist der Weg. Sie erreicht
dich nicht mehr vor Sonnenaufgang unsere Nacht. Könnte ich mein
Land in zwei Händen fassen und dir übergeben, ich täte
es unbesorgt. Du bist nicht fremd. |

wurde am 11. Juli 1928
in Linz geboren. Er lebte zuletzt in Rom und in Wien und starb am 23. April
2003 in Wien... [Mehr...]
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Vita
Aus einem Land, in dem ich
nicht leben kann in ein Land, in dem ich nicht leben möchte in ein
Land, in dem man das Leben nicht liebt. Über drei Grenzen hinweg, einen
Wall und über ein Weltmeer in ein Land, in dem das Leben nicht
lohnt in ein Land, in dem niemand sein Leben begreift in ein Land, in dem
man sein Leben vergeudet in ein Land, in dem Leben gefährlich
ist. Weiter zu großen und weiter zu kleineren Inseln eingeschifft,
verfrachtet, auf Kais abgestellt, auf Handelsstraßen unter
kriegerischen Flaggen in ein Land, in dem man zu leben vergißt in
ein Land, in dem man das Leben nimmt in ein Land, in dem man sein Leben
verbüßt in ein Land, das erst morgen zu leben
beginnt. Über drei Grenzen hinweg, einen Wall und über ein
Weltmeer zurück in das Land, in dem ich nicht leben kann in das
Land, in dem ich nicht leben will.
*
Heute
(Für
Carlos Bueno)
Heute steht Rom auf Säulen eisiger
Luft. Schrittgewaltig gehen die nahegerafften Berge dem Licht
voraus. Es wird ein Tag voll dröhnender Schönheit sein, wenn
sich gekrönte Türme gegen die Schatten werfen und die
Täler entriegeln für den Einfall von Jubel und
Schmerz. Geblendet erleide ich die Atemnot des Universums unter
entlaubtem Winterblau, das ich heilig nenne. |