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Der gute Mensch vom Rhein, Böll,
der Trümmerpoet, puritanischer Christ und
Verliereranwalt, ehrlich und penetrant und damit zu einem
Praeceptor Germaniae vorprogrammiert, als Prediger und als Kommentator
ein Savonarola. Die Ungerechtigkeit meines Hohns liegt auf der Hand. Er
hat nichts bewirkt, aber angeblich den Leuten die Krallen
geschärft. Lesen mag ich ihn nicht, sagte Veli, aber vor meiner
Achtung kann ihn seit seinem Tod nichts mehr bewahren.
*
Mein Zaddik hat mich verlassen, sagte
Levi, weit und breit kein Guru, keine Bibelsprüche, kein Gleichnis,
das eine schwankende Brücke zwischen mir und dem Erlöser
schlägt. Die Rabbis haben sich verlaufen, die Heiligen sind
ausgestorben, keine Märtyrer, nur Opfer des Kapitalismus
und seiner sozialistischen Aussenstationen. Führerlos. Das war Velis
Land. Allein in den Wäldern der Kindheit, in den Buschwinkeln der
Flucht, geschützt von den Sträuchern der einsamen Rast.
*
Die Flüsse hinab und die
Alleen entlang, aber zu Hause, sagte Veli, war ich auf unseren
Bauernstrassen mit den schütteren Apfelmostbäumen. Von Dorf zu
Dorf, von Hundegebell begleitet, den Stallgeruch und den ersten
Blütenduft erschnuppernd, habe ich mir die Wege eingeteilt, das
ebene Drittel, den Anstieg und den Morast durch den
Auwald. Fünfminutenromane, Hymnen, Epen und Elegien der
Vergänglichkeit. Ich habe zwischen Kirschenbaum und den ersten
Ställen alles erlebt, was einem zustossen kann, immer im Schatten
des Schicksals, aber dank meiner Beine und einer Schotterstrasse mein
eigener Herr, auch in der Qual meiner tausend Kinderängste.
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Hans Heinz Hahnl wurde
am 29.3.1923 in Oberndorf/NÖ geboren, war Kulturredakteur und schreibt
Prosa und Lyrik... [Mehr...]
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A la Mommsen wünschte Veli sich
seinen Tod. Bekanntlich traf den 86jährigen Historiker in seiner
Charlottenburger Villa der Schlag, als er auf der Bibliotheksleiter stand
und mit steif gewordener Hand ein Buch aus dem Regal ziehen wollte. Er
glaubte, den fehlenden vierten Band seiner unvollendet gebliebenen
Römischen Geschichte, der immer wieder von ihm eingefordert worden
war, gefunden zu haben und griff ins Leere.
*
Jetzt hast du so viel
geschrieben, gehört und gelesen, gespielt und gesungen, wofür,
fragte Veli, am Grab eines Freundes, dein Körper vermodert, aber was
ist aus deinem Wissen, deinem Geschmack, deinen tausend
Empfindungsnuancen geworden? Was hat der grosse Verschwender da
vorgesehen? Lässt er's verkommen? Er lässt es verkommen. |