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augenbestürzung
ein knie stand da
neben der bettkante. ein
rosa knie über
nackter wade über
wollsocken, gerollt, in
hausschuh.
augenbestürzung. einfach ein knie.
und rund.
nicht fleischfarben in seiner glätte, nein,
helles punschglasurrosa, glänzend.
ein knie neben dem spitalsbett,
plötzlich im blickfeld. dieser
knochentiefe
schreck.
friedlich neben dem hausschuh
ein zweiter samt socken,
gelbgrüner grober strick, sieht so wärmend aus.
*
der schmetterlingsfüßler
gefragt, warum sie das gedicht
verbrannt hatte,
wusste sie
keine antwort.
ein schulheft, ein
liniertes blatt,
ein werbekugelschreiber. die
unsichere schrift.
das gedicht.
die suchende seele, die
unstete welt.
das streichholz.
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Christl Greller
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Biographie
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stadtseptember
die bienenkörbe
der schulen wieder
kinderumschwirrt. noch
sommerbunt die kleidchen.
alles wird wieder "normal" -
ob verkehr oder zeitnot.
nach der arbeit
am abend
schon dämmerung über dem wiental.
häuserschluchten
punkten mit lichtern.
fast waagrecht die letzte sonne. in
reinem gold flammt die
kirchenkuppel
am steinhof.
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Signatur von Christl Greller
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ausseerland s/w
waagrecht der schnee in strichen.
altholzhäuser, ställe, scheunen,
schwarz über eck geduckt unter
weißen dächern. die weißen matten,
und schwarz gebändert:
fichtenhecken, stützgemäuer und weißbehaubt.
hier gibt es berge? sehe nur
weißen himmel und zu füßen
schwarz die traun, darin
dicke polster von frau holle, plustrig
ihr bettzeug,
hineingefallen. leintuch
und über den seen,
jede farbe fehlt.
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schneidbrenner
dann aber die frau, die
eine flamme war.
von der ferne
dunkelrot, wärmend -
heimelig glosend wie ein kamin.
nein:
nähe sengt, riecht nach verbranntem haar,
verbranntem fleisch.
eine schneise
brennt sie beim gehen, die worte
eingedampft zum konzentrat, schwarz
ihre ränder,
jede berührung verkohlt.
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Autograph von Christl Greller
herzdurchzug
wort dicht an wort an wort gefügt,
verdichtet
zu einem bild, verfugt
zu einem ganzen, ein gedicht.
stell das licht ans fenster: es
flackert nicht.
hoch und ruhig
die flamme im innern
und strahlend.
ich aber - dichterin - will
nicht
ganz dicht sein.
da muss was offen bleiben, soll
hinein was können und hinaus. soll
ausblick sein und einsicht, muss
durchzug sein
bis ins herz.
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