|
Der Hinterhof
Vom dritten Stockwerk sieht man auf die Dächer
der alten Ställe, die als Wohnung dienen.
Man blickt in rußgeschwärzte Rauchfanglöcher,
auf Abfallkübel, schiefe Teppichstangen
und auf die sanften, grauen Wasserschlangen,
die ohne Hast zu den Kanälen rinnen.
Jedoch am Abend, wenn die Fenster strahlen
von letzten Licht und alle Sinne wachen,
wirft eine Amsel blanke Goldspiralen
in die verwirrend tiefe Bläue nieder,
und etwas duftet schwer und süß wie Flieder
und aus der Stalltür hüpft ein Mädchenlachen.
*
Ein Apfel, im Dunkeln betrachtet
Ein Apfel, im Dunkeln betrachtet,
hat keinen Wurm.
Macht die Augen zu, Kinder,
schaut nach innen.
Dort wird euch nichts Böses begegnen.
Macht die Augen zu,
seht uns nicht an in der Helligkeit,
seht uns nicht an,
uns,
die reifen Äpfel.
*
|
|
|
Im Pfirsich wohnt der Pfirsichkern
Im Pfirsich wohnt der Pfirsichkern,
im Schneckenhaus die Schnecke,
und meine Tante Valerie
im Hochhaus an der Ecke.
Ich fragte sie, ob sie im Haus
schon Freunde und Bekannte hat,
da sagte sie: "Den Gummibaum
und meinen Fernsehapparat!"
Bei ihr klopft niemals jemand an
und wünscht ihr guten Morgen.
Ringsum lebt jeder nur für sich
mit seinen eignen Sorgen.
Nach Arbeitsschluß zum Supermarkt,
um schnell noch einzukaufen,
die andern Mieter sieht man bloß
so im Vorüberlaufen.
Wer wurde neulich weggebracht
in einem Krankenwagen?
Es war ein Mensch, nur wie er hieß,
wer könnte das schon sagen?
Die Leute wohnen Tür an Tür
im Hochhaus an der Ecke.
Gemeinsam, denkst du? Leider nein!
Wie Pfirsichkern und Schnecke.
*
|
Lieber Gott,
beschütze den Kopf meiner neuen Puppe
und wirf etwas auf das Schulhaus,
eine Wolke aus Eisen.
Ich möchte den ganzen Tag spielen.
Lieber Gott,
gib meinen Eltern einen großen Geldsack
und mir gib einen schrecklichen Tiger,
der an der Leine geht.
Und wirf die Wolke aus Eisen
nur mitten in der Nacht herunter,
da ist das Schulhaus leer.
*
|