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podium porträt # 24: Heinrich Eggerth

Lokrum

Die Wege zitternd,
von Zikaden eingesponnen
und überdacht mit Dröhnen,
irr der Wald.
Olivenstämme taumeln,
Blätter stechen
aus einem dunkelgrünen
Hinterhalt.
Doch dann das Meer,
der Sonnentisch mit Winden!
Die Wogenzunge leckt am weißen Stein.
Der Schlaf steht salzig
in den Augenritzen
und sickert ein.

*

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Weißt du, wo man
mich erkannte? Nirgends.
Weißt du, wer mich
begrüßte? Keiner.
Weißt du, was man
zu mir sagte? Nichts.
Weißt du, wann das
geschah? Immer.

*

Gemütlich

Abends, wenn ich so dasitze,
kommen sie anspaziert, alle
diese Felsküsten und Sandstrände,
die Leuchttürme und die Glockengiebel.
Fast bis zu meinen Hausschuhen
rauscht dann das Meer, während
die Pinien duften und die Zikaden
zirpen.
Und die Sonne geht unter und
noch einmal unter und
jedes Mal schöner.
Zur Gegenwart mußte ich reisen
durch Hitze und Staub und Gestank.
Die Vergangenheit aber
kommt anspaziert,
wenn ich so dasitze, abends.

*

Capri

Die einzige Insel,
die treu blieb,
sich selber und mir.
Noch immer fallen
die zahllosen Fremden
am Abend wie durch
ein Sieb ins Meer
und haben als Beute
nur Schnickschnack
in Händen.
Noch immer bröckelt
die Straße vom Felsen,
noch immer fächelt
die einsame Palme,
der gelbe Hund schläft
noch immer auf seinem Stein.
Nichts wurde zertreten
von so vielen Füßen.
Was kommt, geht.
Was ist, bleibt.
Was sein wird,
ist heut schon
so gut wie vorbei.

*

Wie habe ich den Sturm geliebt,
den Schneesturm vor allem,
das rasende Weiß
vor der dunklen Mauer
des Waldes.
Jetzt sitz ich im Haus
und liebe den Schneesturm
noch immer.
Aber ich spür jedes Knacken
der Balken in meinen Knochen,
jedes Rütteln am Dach
rüttelt an meinen Nerven,
und das Wachsen der Wächte
vor meiner Einfahrt
nimmt mir die Luft.
Es ist, als würd ich
lebendig begraben.
Doch ich schwör: Ich liebe
den Schneesturm
noch immer.

*

Hier wird nichts älter.
Es ist alles alt.
Alleen sind finstere
Falten im Antlitz der Wiesen.
Der Backstein der Häuser
verrät keinen einzigen
Funken von Leben.
Der Kirchturm darüber
sagt nie einen Ton.
Nur die Blumen am
Wegrand versuchen ein
winziges Lächeln.

Sturm

Schon wieder stürmt es,
zum siebenten Mal
in diesem Winter.
Der Wind fährt den Bäumen
durchs Haupt und versucht,
sie zu rupfen.
Doch diesmal fällt keiner
der Äste mehr auf die Wiese.
Ich schau mit Vergnügen zu,
wie der Sturm tobt und sich ärgert.
Die Bäume sind schon gerupft
und haben beim siebenten Mal
nichts zu verlieren.
So steh ich da und fühl
mit den Bäumen.
Wir sind schon gerupft.
Was kann uns noch
viel passieren?

*

 

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Die Farben sind erloschen.
Aus ihrer Asche
strichelt der Wind
schwarze Bäume auf Schnee.
Er vergißt nicht
die Krähen und Amseln.
Er denkt an mich und
zeichnet auch zwei Elstern.
Er macht mir Freude
aus Asche und Schnee.

Heinrich Eggerth: Ausgewählte Gedichte. Vorwort: Matthias Mander. 64 Seiten, 1 Foto, Euro 6,­. Podium (Podium Porträt 24), Wien 2006.
ISBN 3-902054-41-7
 

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