Literaturkreis Podium |
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PODIUM - in aller Bescheidenheiteine Erfolgsgeschichte
"Podium wurde als niederösterreichische Literaturvereinigung gegründet, wobei alle seine Gründungsmitglieder einen starken Niederösterreichbezug hatten." (A.Vogel) Aber: "Das spezifisch Niederösterreichische ist nicht allein das Ergebnis herkunftsmäßiger Konstellationen. Es ist zugleich eine Art innere Haltung, gekennzeichnet durch Aufgeschlossenheit und Urbanität. Wesenszüge, die der Niederösterreicher erwarb durch jahrhundertelanges Zusammenleben mit eine Weltstadt. Und es entspricht nur dieser oft festgestellten weltläufigen und toleranten Art Niederösterreichs, dass sich PODIUM bei aller Verankerung in dem Raume, in dem es postiert ist, nicht in Regionalismus und föderalistischer Abgeschlossenheit gefallen wird. Vielmehr versteht PODIUM sich als literarischer Katalysator und Kristallisationskern, gewillt, enge Kontakte nicht nur mit dem gesamtösterreichischen Literaturschaffen herzustellen, sondern darüber hinaus mit dem des übrigen deutschen Sprachraums und des fremdsprachigen Auslands." (Wilhelm Szabo 4) Der Initiator Wilhelm Szabo (1901-86) wurde erster Obmann des PODIUM, ihm folgte Alois Vogel (1922 - 2005), der gemeinsam mit Alfred Gesswein (1911-83) als Generalsekretär nicht nur die Vereinigung, sondern auch die gleichnamige Literaturzeitschrift etablierte. "Schmerzhafte Einschnitte brachten die Todesfälle von Alfred Gesswein und Wilhelm Szabo, damit fielen zwei sehr aktive Kräfte im Vorstand aus. Auch meine Übersiedlung von Wien nach Pulkau wirkte sich aus und machte schließlich eine Ablösung des alten Vorstands notwendig. ( ) Mit Erreichen meines 70. Lebensjahres legte ich meine Funktionen nieder. Eine neue Generation übernahm 1992 die Leitung des Literaturkreises." (A. Vogel)
Von da ab bis 1994 leitete Marianne Gruber, von 1995 bis
2005 Manfred Chobot den Verein; seither ist (der wie Chobot 1947 geborene)
Nils Jensen Vorsitzender des PODIUM. Eine weitere wesentliche Eigenart des PODIUM stellte sich
bald nach der Gründung heraus: "Es war jene Zeit, in der die
Spaltung des P.E.N.-Clubs stattfand, besser gesagt, in der einigen potenten
Schriftstellern die Aufnahme in diesen - aus sicher nicht akzeptablen
Gründen - verweigert wurde, und die daraufhin die GAV (Grazer Autorenversammlung)
gründeten. (
) Wir sahen im PODIUM die Möglichkeit einer
Vereinigung sowohl von Kollegen des P.E.N. als auch der GAV
"
(A. Vogel) "Aus einer regionalen Initiative wurde PODIUM in den
70er-Jahren eine Plattform, auf der sich die in jenen Jahren gespaltenen
Lager des Österreichischen P.E.N. und der Grazer Autorenversammlung
trafen." (Kristina Pfoser 5) Über die Aktivitäten des PODIUM und die seit
April 1971 edierte gleichnamige Literaturzeitschrift - mit dem unverwechselbaren
Logo des gelernten Grafikers Alfred Gesswein - schrieb Alois Vogel:
"Eine sehr intensive Vorstellung der PODIUM-Autoren mit Lesungen,
Buchpräsentationen und mit der Herausgabe der Zeitschrift setzte
von Seiten des jungen Literaturkreises sofort ein. (
) Bereits
in den ersten zehn Jahren lasen 585 Mal PODIUM-Autoren in Wien, NÖ,
OÖ, in der Steiermark und in Kärnten. Dazu kamen in diesem
Zeitraum noch 335 Lesungen in Schulen! Für die frühen 70er-Jahre
eine absolute Neuheit, ebenso wie die vom PODIUM durchgeführten
Lesungen in Fußgängerpassagen, vor Buchhandlungen, in Gefängnissen
und in Galerien." (A. Vogel) "Erklärtes Ziel war es,
die Literatur auf die Straße zu bringen. Lyrik-Flugblätter
wurden verteilt und PODIUM-Autoren lasen ihre Arbeiten auf Straßen,
Plätzen, in Schulen, Kaffeehäusern und Strafanstalten."
(K. Pfoser) "Die Dichte der Veranstaltungen war allerdings nur
möglich, weil die Autoren auf Honorare verzichteten, nicht nur
die weniger bekannten, sondern auch renommierte wie Albert Drach, Christine
Busta, Gerhard Fritsch, Peter Henisch oder Doris Mühringer."
(A. Vogel)
Die Literaturzeitschrift PODIUM - bisher 145 Nummern!
- erschien zum ersten Mal im April 1971, bis Nr. 112 viermal jährlich
im Quartformat, ab 2000 in zwei Doppelheften pro Jahr mit ca. 150 bis
250 Seiten im Buchformat. Den frühen Ausgaben lagen jeweils Druckgrafiken
österreichischer Künstler bei, und auch heute sind die Hefte
vielfach von in- und ausländischen bildenden Künstlern - teils
in eigenen Farbteilen - illustriert. Eine weitere Eigenart des PODIUM - nicht nur der Zeitschrift,
auch der Schriftstellervereinigung - findet sich im Zitat aus der "Presse"
vom 22.6.1991: "Die Literaturzeitschrift gibt Raum für Lyrik
und Prosa von hierzulande lebenden Schriftstellern anderer Volkszugehörigkeit."
Vladimir Vertlib ist einer von ihnen, oder Tarek Eltayeb, Zdenka Becker,
Serafettin Yildiz, Ercüment Aytac, Alpar Bujdosó, Lev Detela,
Petar Tyran, Zivorad Mitrasinovic, Ana Bilic, György Buda, Michael
Stavaric. Neben literarischen Beiträgen zum jeweiligen Thema
oder Länderschwerpunkt gibt es zudem neueste, noch unveröffentlichte
Texte ("Werkstatt"), prämierte Arbeiten des Alfred-Gesswein-Literaturpreises
sowie Buchbesprechungen und Neuerscheinungslisten der Mitglieder. Als zweite verbandseigene Publikation wurde ebenfalls
bereits im ersten Jahr das PODIUM-Lyrikflugblatt erfunden, das seither
jährlich zum "Tag der Lyrik" Anfang März erscheint
und kostenlos abgegeben wird. "Ab 1971 wurden tausende mehrseitige
Lyrikflugblätter oft bei grimmiger Kälte auf den Straßen
von Wien und anderen, vor allem niederösterreichischen Städten
verteilt, später an Schulen verschickt." (A. Vogel) Und so lag es in der Folge geradezu auf der Hand, eine Lyrikbuchreihe ins Leben zu rufen: "Seit dem Jahr 1976 erschien die Reihe Lyrik aus Österreich im Badener Grasl Verlag, zuerst von Alfred Gesswein und mir und später von mir allein herausgegeben, ab dem 51. Band von Franz Richter und Manfred Chobot, und ab dem 60. schließlich allein von Chobot ediert." (A. Vogel) Bedauerlicherweise wurde die Reihe mit Band 100 - einer "Auslese", so der Titel, mit ausgewählten Gedichten der vorherigen 99 Einzelpublikationen - vom Verlag im Jahr 2004 eingestellt. Doch da gab es schon eine andere, ursprünglich zusätzliche
Lyrikbuchreihe im Eigenverlag des Literaturkreises: PODIUM PORTRÄT,
herausgegeben von Hannes Vyoral. Als Doris Mühringer, Mitglied
von Anfang an und über sehr lange Zeit das PODIUM organisatorisch
und redaktionell mitbestimmend, im September 2000 ihren 80. Geburtstag
feierte, wollte man etwas Bleibenderes machen als bloß eine Veranstaltung
(die es auch gab), und so erschien im selben Jahr der erste Band mit
ausgewählten Gedichten der Jubilarin und einem Vorwort von Christian
Loidl, der schon früher über Doris Mühringer dissertiert
hatte. Es wurde rasch Tradition, Mitglieder anlässlich runder Geburtstage
in Form dieser "literarischen Visitenkarten" vorzustellen
und gleichzeitig zu würdigen. Und natürlich war und ist es
auch eine Möglichkeit, verstorbener Kolleginnen und Kollegen zu
gedenken - und oft auch ihre Werke lebendig zu halten: Zum Zeitpunkt
von Wilhelm Szabos 100. Geburtstag beispielweise war der Porträtband
Nr. 4 die einzige erhältliche Publikation des Dichters! Im Zusammenhang mit Jubiläen erschienen vereinzelt
weitere Publikationen, so 1990 die Mitglieder-Anthologie Köpfe,
Herzen und andere Landschaften, (hg. von Renate Lerperger und Manfred
A. Schmid) im Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei, 1995
die Lyrik-CD lassen wir ruhig die himmel beiseite
(Extraplatte)
oder - zum 30-jährigen Bestehen 2001 - die von Hannes Vyoral herausgegebene
Lyrik-Anthologie dicht auf den versen im PODIUM-Eigenverlag - "eine
Einstiegsdroge zum Gedichtelesen!", wie Gerhard Ruiss im "Format"
7 schrieb. Auch eine Publikation des Literaturkreises ist dessen
PODIUM-Website - vom Autor Gerald Jatzek initiiert und gestaltet , war
sie wohl eine der ersten im österreichischen Literaturbetrieb.
Dementsprechend schrieb die Zeitschrift "Thyla" in einer Rezension
8: "Das PODIUM kommt ohne Frames aus,
bleibt in der Übersichtlichkeit und Navigation dennoch präzise.
Die Seiten sind hell und freundlich gehalten, laden unaufdringlich zum
Lesen und Verweilen ein. Sie sind selbst mit einem 56-k-Modem blitzschnell
geladen - all das zusammen ist für eine Literaturzeitschrift beispielhaft.
Das PODIUM bietet eine Fülle an Themen rund um die Literatur, so
dass man ohne weiteres Stunden dort verbringen kann, ohne dass auch
nur eine Minute Langeweile aufkäme - im Gegenteil, die Vielfalt
und Verknüpfungen der Themen und Projekte, die Kooperationen mit
Autorenvereinigungen sowie das Engagement in kulturpolitischen Diskussionen
ist äußerst spannend. (
) deshalb möchten wir den
Tipp geben, diese Seite in den Favoriten zu übernehmen als ein
Literatur-Portal aus Österreich für ganz Europa."
Seit 1993 wird der Literaturpreis des PODIUM alle zwei
Jahre durch eine Fachjury aus AutorInnen, GermanistInnen und LiteraturkritikerInnen
vergeben, anfangs für eine bestimmte literarische Gattung (1993:
Lyrik, 1995: Kurzprosa, 1997: Nonsenstexte, 1999: Kurzhörspiel,
2001: Kurzkrimi, 2003: Reiseliteratur), neuerdings für Texte zu
einem ausgeschriebenen Thema (2005: Kampf, 2007: Fix und fertig).
Neben unterschiedlichsten Einzelveranstaltungen gibt es
jährlich wiederkehrend die sogenannten Viertelslesungen in Niederösterreich
(also im Wald-, Wein-, Most- und Industrieviertel) sowie die Hauptstadtlesung
in St. Pölten, so gut wie immer in Kooperation mit ortsansässigen
Einrichtungen wie: NÖ P.E.N.-Club, Literarische Gesellschaft St.
Pölten, Literarische Gesellschaft Mödling, Verein Kunst und
Kultur Eichgraben, Blau-gelbe Galerie Zwettl, Sommergalerie Unterretzbach,
Galerie Kunstraum Arcade etc.
"Szabo und seinen Mitarbeitern ging es in erster Linie um die Literatur, um ihre Verbreitung und um das Verständnis für diese. Viele von uns vernachlässigten ihre eigenen Arbeiten, ließen eher Kollegen zu Wort kommen, wenn sie selbst etwas organisierten. Auch in dieser Hinsicht war uns Wilhelm Szabo ein Vorbild." - Und das gilt uneingeschränkt im vierten Jahrzehnt des PODIUM noch immer, es ist nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht - oder gewiss! - noch eine Reihe weiterer Namen von Kolleginnen und Kollegen, die wie Szabo für das PODIUM arbeiteten und uns gleichermaßen Vorbilder sind - beim Autor des obigen Zitats, Alois Vogel, angefangen Hannes Vyoral Anmerkungen: 1. Niederösterreichisches Bildungs- und Heimatwerk, Arbeitsgemeinschaft Literatur 2. Alois Vogel: 25 Jahre Literaturkreis PODIUM, in: PODIUM Nr. 103/1996 - und alle weiteren nicht näher bezeichneten Zitate von Alois Vogel 3. Gründungsdaten nach Aufzeichnungen von Ilse Tielsch 4. Wilhelm Szabo in: PODIUM Nr. 1/1971 5. Kristina Pfoser im ORF/Ö1, 2001 - und alle weiteren nicht näher bezeichneten Zitate von Kristina Pfoser 6. Buchkultur Literaturkompass Nr. 1/Februar 2003 7. Format vom 2.4.2001, Buch der Woche Alois Vogel: 25 Jahre PodiumSeit den fünfziger Jahren fand sich bei mir in der Wohnung und später bei Freunden, schließlich in der Kleinen Galerie, ein kleiner Kreis an Literatur, bildender Kunst und Musik interessierter Menschen zusammen. Es waren Menschen, die für die zeitnahen Strömungen offen waren, die sich für alles interessierten, was auf künstlerischem Gebiet sieben Jahre verboten, verschwiegen und als entartet bezeichnet worden war. Es lasen da u. a. Felix Braun, Gerald Bisinger, Gerhard Fritsch, Walter Buchebner, Hans Lebert, Alfred Gesswein, Theodor Sapper, Franz Kiessling, Milo Dor, Jeannie Ebner, Franz Richter und Herbert Zand, um nur einige zu nennen 1. ln diesem privaten Kreis las auch einmal Wilhelm Szabo. Es muß Ende der sechziger Jahre gewesen sein, als er mich ansprach und fragte, ob wir nicht gemeinsam eine Gruppe niederösterreichischer Autoren sammeln sollten, die nicht, wie viele der damals im Heimatwerk Vereinten, von der Vergangenheit, also dem NS-Regime, irgendwie belastet waren 2. Szabo schwebte die Gründung einer literarischen Gruppe ähnlich jener ,,Gruppe 64" vor, die unter Oskar Matullas Führung die besten bildenden Künstler Niederösterreichs vereinen wollte 3. Er berief sich in jenem ersten im Spätherbst 1970 geführten Gespräch, das er mit mir über eine Gründung des PODIUM führte, ausdrücklich auf diese Künstlervereinigung, für die ich damals auch arbeitete, und die, nebenbei bemerkt, kein allzu langes Leben hatte. Szabo meinte, die Autoren, die in jenen Jahren bei mir gelesen hatten, könnten zum Teil für eine solche Gruppierung gewonnen werden. Es war jene Zeit, in der die Spaltung des PEN stattfand, besser gesagt, in der einigen potenten Schriftstellern die Aufnahme in diesen, aus sicher nicht akzeptablen Gründen, verweigert wurde und die daraufhin die GAV gründeten. Ich wandte mich nach dem erwähnten Gespräch mit Szabo an meinen Freund Alfred Gesswein, mit dem ich viele Aktivitäten gemeinsam organisiert hatte 4, und wir zögerten erst sehr, obwohl wir in der Gründung einer solchen von Szabo vorgeschlagenen Plattform die Möglichkeit einer Vereinigung von Kollegen des PEN als auch der GAV, zumindest in diesem Fall auf niederösterreichischem Boden, sahen. Szabo, der erst kurz vorher aus dem nördlichen Waldviertel nach Wien gezogen war, hatte offensichtlich schon seine feste Vorstellung von einer solchen zu gründenden Gruppe, kannte aber in Wien nur wenige Kollegen persönlich. Es war daher verständlich, daß er uns zu einer Mitarbeit drängte. Schließlich entschlossen wir uns dazu, und im Jänner 1971 kam es zu einer Zusammenkunft der Gründungsmitglieder im Rathaus von Neulengbach. Es waren das: Wilhelm Szabo als Obmann, Gotthard Fellerer, Alfred Gesswein, Hans Heinz Hahnl, Albert Janetschek, Demeter Peyfuss, llse Tielsch und Alois Vogel. Wie die einzelnen Funktionen dieses Gremiums verteilt waren, ist mir nicht mehr gegenwärtig und schwankte im Laufe der nächsten Jahre auch oft, neue Autoren kamen rasch dazu. Der Vorstand, in den bald neue Aktivisten einrückten, hatte nicht nur neue Ideen, gute Literatur im Lande bekannt zu machen, sondern seine Mitglieder setzten auch diese Ideen mit ihrem persönlichen Einsatz durch. Eines stand natürlich von Anfang an fest: PODIUM wurde als niederösterreichische Literaturvereinigung gegründet, wobei alle seine Gründungsmitglieder einen starken Niederösterreichbezug hatten. Hier möchte ich einen Absatz jenes Artikels Wilhelm Szabos zitieren, den er ,,Zur Gründung des Literaturkreises PODIUM" im 1. Heft der gleichnamigen Zeitschrift, die noch im April 1971 erschienen war, veröffentlichte: ,,Es wird nicht die Bedingung eines großen oder kleinen niederösterreichischen Abstammungsnachweises für die Mitarbeit in ,Podium' geben, nichts von jener engen und engstirnigen Interpretation des Begriffes des niederösterreichischen Schriftstellers, durch die eine vollzählige Erfassung des wesenhaft niederösterreichischen Dichtungsbestandes, des äußerlich oft schwer erkennbaren, sehr zum Schaden der geistigen Geltung des Landes, bisher verhindert wurde. Denn das spezifisch Niederösterreichische ist nicht allein das Ergebnis herkunftsmäßiger Konstellationen. Es ist zugleich eine Art innere Haltung, gekennzeichnet durch Aufgeschlossenheit und Urbanität. Wesenszüge, die der Niederösterreicher erwarb durch jahrhundertelanges Zusammenleben mit einer Weltstadt. Und es entspricht nur dieser oft festgestellten weltläufigen und toleranten Art Niederösterreichs, daß sich ,Podium' bei aller Verankerung in dem Raume, in dem es postiert ist, nicht in Regionalismus und föderalistischer Abgeschlossenheit gefallen wird. Vielmehr versteht ,Podium' sich als literarischer Katalysator und Kristallisationskern, gewillt, enge Kontakte nicht nur mit dem gesamtösterreichischen Literaturschaffen herzustellen, sondern darüber hinaus mit dem des übrigen deutschen Sprachraums und des fremdsprachigen Auslands."5 Schon aus diesem Zitat, aus der Grundsatzerklärung des Gründers des PODIUM, ist zu ersehen, daß diese Gruppierung von Autoren eine andere Zielsetzung hatte, als die der niederösterreichischen ARGE Literatur. Diese wurde damals, also vor 25 Jahren, noch zum Großteil von jenen Autoren bestimmt, die in den Jahren des 1000jährigen Reiches auch das Sagen hatten. Schon das erste Symposion, das der Literaturkreis PODIUM veranstaltete, wurde - wohl zu Recht - von der Problematik der Stellung der Literatur in diesem Lande - geprägt. Der Titel des Treffens lautete: ,,Niederösterreich, literarisches Notstandsgebiet?" Und schon hier wurde es u. a. deutlich, daß Autoren, die bereits über die Grenzen Niederösterreichs, ja Österreichs bekannt waren, wie Hans Lebert, Albert Drach, Ilse Tielsch, Jeannie Ebner, um nur einige zu nennen, von den zuständigen Herren, die damals im Lande von einem regionalen Denken befangen waren, nicht zur Kenntnis genommen, ja förmlich als Unpersonen betrachtet wurden. Eine sehr intensive Vorstellung der Podiumautoren mit Lesungen, Buchpräsentationen und mit der Herausgabe der Zeitschrift PODIUM setzte von Seiten des jungen Literaturkreises nun sofort ein. Eine Zeitung schrieb dazu: ,,NÖ Literaten proben Aufstand. Neues ,Podium' gegen Heimatwerk 6." Und bereits in den ersten zehn Jahren lasen 585 Mal Podiumautoren in Wien, NÖ, OÖ, in der Steiermark und in Kärnten. Dazu kamen in diesem Zeitraum noch 335 Lesungen in Schulen 7! Für die frühen siebziger Jahre eine absolute Neuheit, ebenso wie die vom PODIUM durchgeführten Lesungen in Fußgängerpassagen, vor Buchhandlungen, in Gefängnissen und in Galerien. Das 2. Symposion, 1972, stand unter dem Motto ,,Hat Literatur noch eine Chance?" Es fand, ebenso wie das 1., im Schloß Neulengbach statt - das ursprünglich als Gründungsort der Vereinigung fungierte. Das 3. in Krems stand unter dem Motto ,,Herr Österreicher und die Literatur" und das 4. in Wr. Neustadt befaßte sich mit einem alle deutschsprachigen Länder umfassenden Thema ,,Fünf Literaturen - eine Sprache?"8, wobei Gäste aus der Schweiz, Luxemburg und Deutschland zu Wort kamen. Viel Beachtung fand auch die vom Literaturkreis kreierte Ausstellung LlTERATUR OPTISCH. Sie zeigte Gedichte und Fotos in Plakatgröße, in Gegenüberstellungen, die verschiedene Themen den Menschen, die in unserer Zeit mehr denn je optisch orientiert sind, nahebrachten. Diese Ausstellung wurde in Wien, Wr. Neustadt, St. Pölten, Tulln, Amstetten, Neunkirchen, Mattersburg und Krems gezeigt, wobei sie auf jenen Plätzen, die am stärksten von Fußgängern frequentiert waren, am meisten beachtet wurden. Zum ,,Tag der Lyrik" wurden ab 1971 tausende mehrseitige Lyrikflugblätter bei grimmiger Kälte auf den Straßen von Wien und anderen, vor allem niederösterreichischen, Städten verteilt, später an Schulen verschickt. Unvergessen sind sicher allen, die daran teilgenommen haben, auch die Feste mit den Bildhauern in Lindabrunn. Begleitet von der Kapelle Mally, Fleck und Freunde wurden im Steinbruch der Bildhauer Gedichte gelesen und bis in die Morgenstunden im Scheine eines riesigen Lagerfeuers getanzt und debattiert. Die Dokumentation GESPRÄCHE IM STEINBRUCH 9, Verlag Gottfried Grasl, zeugt von diesen Nächten. Es gäbe noch so manche Aktion, die PODIUM in diesen frühen Jahren des Bestehens gesetzt hat, aufzuzählen. Viele Jahre fanden alle Monate Lesungen in der KLEINEN GALERIE 10, später in der GALERlE WIPLINGER statt. Die Dichte dieser Veranstaltungen war allerdings nur möglich, weil die Autoren auf ein Honorar verzichteten, nicht nur die weniger bekannten, sondern auch renommierte wie Drach, Busta, Krendlesberger, Fritsch, Henisch oder Doris Mühringer. Ich möchte aber auch noch erinnern an die Symposien von 1978 mit dem Thema ,,Wie frei ist der Schriftsteller! 11 in Wr. Neustadt, mit Jeannie Ebner, Bernd Jentzsch, Ota Filip, Alfred Focke, Lutz Holzinger und lnge Meidinger-Geise als Vortragende, und jenes von 1979 in Korneuburg, das unter dem Motto ,,Literatur als Protest" stand und bei dem Friedrich Heer, Hilde Spiel, Hans Weigel, Michael Scharang und Marie-Therese Kerschbaumer diskutierten und Rolf Hochhut am 2. Tag einen wichtigen Vortrag über den Widerstand in einem totalitären Staat hielt. Nicht alle Symposien können hier angeführt werden. Es würde den Rahmen der Betrachtung sprengen. Seit dem Jahr 1976 erschien die Reihe LYRIK AUS ÖSTERREICH im Verlag GRASL (in dem auch die Zeitschrift verlegt wurde und wird), zuerst von Alfred Gesswein und mir und später von mir allein herausgegeben, ab dem 51. Band von Franz Richter und Manfred Chobot und ab dem 60. schließlich allein von Chobot ediert. Schmerzhafte Einschnitte brachten die Todesfälle von Alfred Gesswein 1983 und Wilhelm Szabo 1986 in das Leben des Kreises. Damit fielen zwei sehr aktive Kräfte im Vorstand aus. Auch meine Übersiedlung nach Pulkau wirkte sich aus und machte schließlich eine Ablösung des alten Vorstandes notwendig. 1989 und 1990 wurde aber jeweils noch ein Symposion in Pulkau abgehalten. Beide Treffen beschäftigten sich mit den Literaturen unserer Nachbarvölker und den Rezeptionen des jeweils anderen Landes 12. Es sprachen und lasen dabei Autoren und Wissenschaftler aus der CSSR, der Bundesrepublik, Ungarn, Niederlande und beim zweiten Treffen aus ltalien, Polen und Slowenien. Die Frau Unterrichtsminister eröffnete letztere Veranstaltung. Beide Veranstaltungen waren gut besucht, besser als viele in der Bundeshauptstadt, doch wurden bald Stimmen im Vorstand laut, die darauf drängten, die Symposien in Wien durchzuführen. Dazu kam es bis jetzt leider noch nicht. Einzig Begegnungen mit drei vom PODlUM eingeladenen tschechische Autoren 1990 und vier slowakischen Kollegen 1991 jeweils im Saal der Nö. Landesregierung in Wien, fanden statt, wo die Gäste vor zahlreichen Zuhörern lasen. Mit dem Erreichen meines 70. Lebensjahres legte ich meine Funktionen nieder. Eine neue Generation übernahm 1992 die Leitung des Literaturkreises. Wir, die Angehörigen der Gründergeneration, haben mit viel selbstlosem Arbeitseinsatz jahrzehntelang ohne jede finanzielle Entschädigung für die Sache gearbeitet. Szabo und seinen Mitarbeitern ging es in erster Linie um die Literatur, um ihre Verbreitung und um das Verständnis für diese. Viele von uns vernachlässigten ihre eigenen Arbeiten, ließen eher Kollegen zu Wort kommen, wenn sie selbst etwas organisierten. Auch in dieser Hinsicht war uns Wilhelm Szabo ein Vorbild, das freilich von manchen, die nachfolgten, nicht mehr begriffen wurde. Ich habe bei ähnlichen Anlässen wie den gegebenen immer nach vorwärts geblickt, geplant, immer daran gedacht, was noch zu machen sei und wie. Wenn ich heute als Alter, als einer der Gründer des Literaturkreises zurückblicke, so wünsche ich doch allen, die noch jünger und weniger lang in dem Kreis sind, daß sie nach vorne schauen und für die Zukunft zu wirken versuchen, nicht nur für sich, sondern für die Literatur, für ihre Rezeption. ln diesem Sinne: Alles Gute für die Zukunft des PODIUM!
1 100 Abende, Eig, Vlg, Wien 1964, Vollständiges Verzeichnis der Vortragenden. 2 F. Wurm, F. Sacher, W. Sachs, J. Pfandler, H. Giebisch u. a. 3 Gruppe 64, hsg. v. O. Matulla und A. Voget, Vlg. J. Faber, Krems 1967. 4 Konfigurationen, Jahrbuch, Wien 1965-1972. 5 Podium Nr. 1, Vlg. G. Grasl, Baden 197l. 6 Express, Wien 2. lll, 197l, Volksstimme, Wien 3. llI. 1971. Oberösterreichische Nachrichten, Linz 13. lII. 1971. u. a. 7 Podium Nr. 39/40, mit Tätigkeitsbericht der ersten 10 Jahre. 8 Ebenda Nr. 17. 9 Gespräch im Steinbruch, hsg. v. M. Hietz und A. Vogel. Vlg. G. Grasl, Baden 1976. 10 Wiener Kunsthefte, Hsg. Gesellschaft der Kunstfreunde, Wien 1964-1969. 11 Podium Nr. 29. 12 Ebenda Nr. 75 und Nr. 91. |