Christl Greller
federflämmchen
für elfriede gerstl
tiefe verinnerung, die
aufsteigt aus der
schweren schlacke der kindheit:
ein tänzelndes flämmchen. so
leicht, so beiläufig.
fass mich und fass mich nicht -
in immer neuen
alten kleidern, hüten, versteckt
darübergetanzt,
verlorengetanzt - -
keine schwere mehr zulassen.
leichtfüssig
die worte über alles
hinwegsetzen.
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Christian Teissl
IM PARK mit den Pfauenschreien
stehen noch Überreste
vergangener Sommer
Die Wege sind nichts
als Wiederholungen
früherer Wege
Zwischen den blühenden
und den kahlen Bereichen
entdecke ich abgefallene Sonnen
die einmal über mir waren
und Schatten
in denen ich Zuflucht fand
als die Tage aus den Fugen gingen
alle Wolken stillhielten
und sich nicht rührten
und die Luft feindselig
zwischen den Dingen stand
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Christoph Janacs
Milch
da steht nun das Kind,
die Milchscherben betrachtend,
Blut an den Fingern,
kein Auge für den Himmel,
in dem sich spiegelt die Milch
ich kann nicht sagen,
was aus ihm geworden ist.
ich weiß nur eines:
der Himmel ist verschwunden,
geblieben sind die Scherben
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Lisa Fritsch
Regenbogennetz
aufgespannt
im Nadeldickicht
verletzlich
meine Augen
Kastanienblüte
im September
das junge Grün
wässrig geknickt
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Heinrich Eggerth
Das Nadelöhr
Mitnehmen möcht ich doch manches:
das Blau dieser Lilien,
den Windstoß, der den Trauerweiden
die Röcke hebt,
die Goldsandalen der Sonne
auf dem gekräuselten Wasser,
das eine oder das andere
Wort von dir
und dein lautloses Nicken.
Ob man mit so viel Reichtum
durchs Nadelöhr kommt?
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Joachim G. Hammer
Löwenzahn 2
für Richard Wall
Fünf Zungen
verpflanzt mir!
Die große weiße für die Lüge,
die kleine, schwarz und siebenfach
gespalten, für die Wahrheit, und
eine ungelenke, raubereifte
für die Poesie, dann die größte,
bunteste fürs Schweigen und zuletzt
die fleischrot heiße
für das Küssen auch
der Steine.
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Rudolf Kraus
wolf im schafspelz
in diesen nächten
wenn der mond
füllig und blau schimmert
werfe ich ab
meinen schafspelz
er stand mir
sowieso
nie besonders
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Marianne Gruber
Kann sein, ich betrete
morgen die Straße
morgen und früh
das ist ein passender Zeitpunkt
und wandere an die Peripherie,
wo die Hunde zu Haus sind
wie man so sagt
und drehte dann um
und täte
als käm' ich von draußen
vom Land
um einen Passierschein zu kaufen
fürs Zentrum
wie man so sagt
für das Leben.
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Nils Jensen
ach du
du bist
und für mich
und bist du
und ich bin ich zugleich
bist du nicht ich doch du
und ich schon du
und versteh das bitte
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Das Lyrikflugblatt mit vielen weiteren Texten
erscheint zum "Tag der Lyrik" am
3. März 2010 und wird kostenlos abgegeben.
Näheres in der Seite mit den Publikationen.
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Das Flugblatt 2010 enthält Gedichte von:
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- Helwig Brunner
- Georg Bydlinski
- Manfred Chobot
- Ernst David
- Stephan Denkendorf
- Heinrich Eggerth
- Lisa Fritsch
- Christl Greller
- Marianne Gruber
- Joachim Gunter Hammer
- Christoph Janacs
- Hermann Jandl
- Gerhard Jaschke
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- Nils Jensen
- Axel Karner
- Rudolf Kraus
- Doris Mühringer
- Mechthild Podzeit-Lütjen
- E. A. Richter
- Elisabeth Schawerda
- Maria Schneider
- Esther Strauß
- Christian Teissl
- Cornelia Travnicek
- Hannes Vyoral
- Peter Paul Wiplinger
Redaktion: Erich Schirhuber
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