Christian Teissl
Gehen und Kommen
Wenn die Freunde gegangen sind
setzt du dich
an den leeren Tisch
und wartest auf eine Zeile ein Wort eine Silbe
die von irgendwoher kommt
und dir Gesellschaft leistet
Nach langen ereignislosen Minuten
öffnest du dein Fenster
und bittest eine der Wolken
die über den Himmel gleiten
zu dir ins Zimmer zu kommen
und es auszufüllen mit Regen
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Kevin Perryman
TEPPICH - Sonate VI (Lento)
Ja, ich habe das bestellte Muster ausgeführt.
Ich kann nichts damit anfangen. Timur hat keinen
Palast bauen lassen, der Steppennomade.
Er habe neun Gärten geschaffen,
worin sein Zelt aufgestellt werden kann.
Ein Garten mit schattigen Alleen und Bächen -
ist das das Paradies für einen Zeltbewohner?
Aus heiterem Himmel: Mein Sohn, vier, sagte:
"Bei Krieg darfst du niemals dabei sein."
Der Krieg kam zu uns. Ich knüpfe ihn
in jeden Teppich. Zwei Sterne
treffen sich am Horizont. Purpur
am Himmel aus hellem Indigo. Ein Stern-
schacht gesenkt in den nächtlichen Sand.
Farbfetzen ersetzen keinen Kuß,
keinen Blick. Statt floralen Schmucks knote
ich Zickzackmuster. Ecken statt Kurven.
Und nie mehr deine Hand in meiner.
Im Traum spürte ich die unerwartete Wärme,
die ein kürzlich verlassenes Bett speichert.
Falle.
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Maria Schneider
Wenn das Gras hoch
unter den Kirschenbäumen
muss ich in der Dunkelheit
beim Abschied auf der Hut sein
will mich nicht wiederfinden
in der Kühle des Morgens
bei den üblichen Lämmern
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Klaus Merz
In den Auen
Sitzen bleiben zwischen
den entwurzelten Stämmen
im Wasser treibt Gewölk
das Baumkronenheer.
Sitzen bleiben auf der minderen
Seite des Flusses, um die Sand-
bank gegenüber als Eiland im Auge
zurückzubehalten, unentdeckt.
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Elisabeth Tropper
unter den sternen
form eine arie
aus diesem nachthimmel
für mich
sage ich
und du
legst zärtlich
den arm um meine schultern
zeigst auf die lichter der stadt
und sagst
aber wir markieren doch nur
baby
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Rolf Schwendter
157. Chorus
Abtragen des Berges
Erste Sekunde der Ewigkeit
Alte Sagen
Alle tausend Jahre
kommt ein Vogel zum Berg
wetzt seinen Schnabel
Ist der Berg abgetragen
ist die erste Sekunde
der Ewigkeit vergangen
Und so lange soll
der Toten Tatenruhm dauern?
Seht her, wie ich lache
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Andreas Okopenko
Froschkummer
Ich sende dir ein Fax,
denn du steckst Ohropax
und hörst nicht mein Gequacks
von unsrer großen Liebe
und wie ich dich gern schübe.
Von unserm frohen Laich
an unserm schönen Teich;
er ist so fröscheltrübe
Quicks quacks,
ich hoff, ich packs mi'm Fax,
quucks, meine tolle dicke Liebe!
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Das Lyrikflugblatt mit vielen weiteren Texten erscheint
zum
"Tag der Lyrik" am 5. März 2008 und wird kostenlos
abgegeben.
Näheres in der Seite mit den Publikationen.

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Das Flugblatt 2008 enthält Gedichte von:
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Gerhard Altmann
Claudia Bitter
György Buda
Georg Bydlinski
Tarek Eltayeb
Ludwig Fels
Petra Ganglbauer
Christl Greller
Joachim G. Hammer
Elfriede Haslehner
Christoph Janacs
Hermann Jandl
Heinz Janisch
Marie-Thérèse Kerschbaumer
Margret Kreidl |
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Klaus Merz
Andreas Okopenko
Kevin Perryman
Barbara Pumhösel
Bernhard Saupe
Maria Schneider
Rolf Schwendter
Gottfried W. Stix
Esther Strauß
Christian Teissl
Elisabeth Tropper
Heinz R. Unger
Monika Vasik
Hannes Vyoral
Richard Wall
Redaktion: Nils Jensen
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