GERHARD KOFLER
der lebende garten
für Eva-Maria, Andreas
Judith, Johann August
und für uns
igel laufen
glühwürmchen fliegen
eichhörnchen springen
vögel singen
die katze
einst streunend
schläft
erscheinung
zweier sterne
für eine dämmerung
lebendig an träumen
es ist ein verzauberter
garten
und wir
ganz einfach
mitten drin
verzaubert
zum leben
29. Juni 2003
|
|
HANS RAIMUND
Hinterm Haus
Ins Erdreich eingefurcht
Mit schlierem Eis verglast
Traktorenreifenspuren
Zu schwer vom unzeitigen
Schnee und von den Äpfeln
Die am Zweig verrotten ist
Der morsche Ast gebrochen
Amselweide
Halbe Nußschalen leer
Haufen weißen Flaums
Katzenpfotenspuren
Auf dem schneegeschminkten
Schrägen Scheunenfenster
Krabbeln Fliegen sich zu Tod
|
HANNES VYORAL
der sommer
der sommer schiebt
einen tag in den andern
atemstoß um atemstoß
wie beim aufblasen
des blauen luftballons
am ende
wird er dünn
& überm stoppelfeld
zerplatzt er
(für leonie vyoral)
|
|
EVELYN SCHLAG
Septemtriones XXVI
Eine Handvoll Wörter immer nur mit
denen ich dich hungrighalten will
mein Raubtier Pranken größer als
mein Herz - so wär ich gern gefangen
Krallen Gitterstäbe sanft gesetzt mit
jedem Herzschlag stoßend an dein
bleib bei mir.
|
MICHAEL DONHAUSER
Heidelberg
Erfroren waren die Magnolien, braun standen ihre
blassen Blüten, und hell schien im Dunst, der das
Sonnenlicht streute, die Stadt, das Tal, wo als vor
Toren draussen weit die Ebene lag, wie auf halber
Höhe wir da gingen und standen, auf dem einstigen
Wingertweg - nur die Trockenmauern noch, sie
zeugten vom Anbau der Reben, doch unten, jene
Brücke sei eine der schönsten gewesen und wurde
nach dem Krieg von neuem errichtet, dass sie sich
kräftig wieder schwang und leicht über den Strom:
wir nahmen den schlängelnden Weg, der uns, wo
Liebende sonst hinan in inniger Eile stiegen, ans
Ufer hin führte, des ziehenden Wassers, das, von
Strassen gesäumt, nur kaum von seiner Herkunft
noch erzählte - doch blieb zu sehen die Weise der
Türme und Häuser, gebaut zu sein, um südlicher
bald zu empfangen das späte Licht, hier, nah der
Mündung des Wassers in sein fernes Fliessen: und
so war es im Frühling ein kleiner Herbst, war ein
Erinnern da im Verblühen, der Abende, wie diese
leuchteten am Gemäuer, damit wir es sagten, es
sähen, strömen und brechen am Stein oder milder
anliegen dann, befriedet im Wiegen wie Schiffe am
ufernden See, das Licht, das ewig alles versöhnte
|
|
GOTTFRIED W. STIX
schau in den spiegel
und betrachte dich selbst doch
verweil nicht zu lang
Das Lyrikflugblatt mit vielen weiteren Texten erscheint
am 1. März und wird kostenlos abgegeben.
Näheres in der Seite mit den Publikationen.

|